Ein grandioses Konzert

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Dresdner Kreuzchor
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Der Dresdner Kreuzchor und Roderich Kreils gastieren beim Festival Europäischer Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Es war mehr als ein großartiges Konzert, es war Gottesdienst. Durchweg religiöse Texte, vorgetragen in Kompositionen, die der christlichen Botschaft dienen, aufgeführt in der verkündigenden Grundhaltung der Mitteldeutschen Kirchenmusik-Tradition: zwei bewegende Stunden im Gmünder Münster mit allerbester Musik und Überraschungen und Neuem in der Sicherheit der Tradition.

Gut 90 Jungen und junge Männer ziehen in den Altarraum des Münsters ein unter anhaltendem Begrüßungsapplaus der bis auf wenige Plätze voll besetzten Kirche. Heinrich Schütz zum Anfang, „Das ist je gewisslich wahr“. Roderich Kreile, seit 25 Jahren Kreuzkantor in Dresden, lässt ansummen, dann tastet sich der Chor in die komplexe Komposition, verhalten, fast verwirrend, aber wie komponiert, bis hin zum gesicherten Gloria „Gott sei Ehre und Preis“.

Es folgt die doppelchörige Trauer-Motette „Komm, Jesu, komm“ von J.S. Bach, auch dies ein Topereignis der Barockmusik, von den Kurzianern aufgeführt mit entspannter Genauigkeit in den Phrasen, im Text, in der Ausgestaltung und mit großer Ausstrahlung. Die Stimmen sind ausgewogen, die Soprani dominieren selten, der Männerchor ist vorzüglich als Basis und intelligent konzertierndem Ensemble.

Das Niveau ist hoch und es wird gehalten. Man glaubt keine Mühe zu erkennen mit den kompakten Kompositionen, man spürt die intensive Probenarbeit. Der Chor ist tutti aufmerksam, folgt Kreiles klarem Dirigat. Der Kreuzkantor legt Wert auf dynamische Differenzierung, was nicht zuletzt der stets gut erkennbaren Textbezogenheit der Musik dienlich ist.

Gottfried August Homilius, spätes Barock, lässt mit seiner Motette „Seid fröhlich in Hoffnung“ gut verstehen, warum dieser Dresdner Komponist vor einigen Jahren wiederentdeckt wurde und jetzt seinen sicheren Platz in einschlägigen Programmen hat. „Singet dem Herrn“ von Heinrich Schütz aus der Geistlichen Chormusik von 1648 ist ein glaubensfestes Meisterstück und wurde meisterhaft aufgeführt. Ebenso die folgende, nicht minder berühmte Komposition von Johanne Brahms („Schaffe in mir“).

Dann kam die Überraschung: Roderich Kreile sagte eine Programmänderung an: Zwei Schüler aus dem Chor haben - reagierend auf den Ukraine-Krieg - Motetten komponiert, die jungen Musiker  (10. bzw. 12. Klasse) dirigierten ihre Stücke. Anton Matthes „Verleih uns Frieden“ traditionelle Chormusik auf bestem Niveau, ohne Extravaganz, aber mit viel Emotion und feinen Einfällen. Karl Pohlandt hat den Gebetstext „Schaffe in mir, Gott“ mit Worten des Vaterunser ebenfalls beeindruckend eigenständig und zum Herzen gehend vertont. Der Chor folgte ihren dirigierenden Kameraden mit gleicher Präsenz und Aufmerksamkeit wie ihrem Chef.

Eine zweite Vaterunser-Vertonung des Wolgadeutschen Alfred Schnittke in russischer Sprache und eine moderne Litanei von Arco Pärt waren mehr als eine Reverenz vor dem Zeitgenössischen. Ein inbrünstiges Stück von Peter Tschaikowsky sowie das „Os justi“ von Anton Bruckner öffneten das Programm für den Höhe- und Schlusspunkt: Mendelssohn-Bartholdys „Richte mich, Gott“, eine gewaltig schöne Motette, den der Kreuzchor mit sicht- und hörbarem Enthusiasmus und perfekten sängerischen Können zelebrierte.

Danach als Zugabe und Abendgebet Rheinbergers „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“. Was auch sonst.

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