Ein Klang-Feuerwerk zum „Jahr der Orgel“

+
Das Collegium Vocale Schwäbisch Gmünd überzeugte beim Kirchenmusikfestival mit einer beeindruckenden Dynamik.

Das Collegium Vocale Schwäbisch Gmünd stillt die Sehnsucht nach dem Chorklang.

Schwäbisch Gmünd. Wie sehr spürte man bereits mit dem ersten Akkord aus Francis Poulencs Motette „Timor et tremor“ die Erfüllung der Sehnsucht nach großem Chorklang: diesen bot das Collegium Vocale Schwäbisch Gmünd unter Leitung von Walter Johannes Beck aufs Beste. In der ausverkauften Pfarrkirche St. Franziskus war das mit 18 Sängerinnen und Sängern besetzte Ensemble im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd zu hören – von der Empore, um die Werke mit Orgel in exzellenter Balance und Verbindung mit dem jungen Organisten Andreas Willberg aus Marbach darbieten zu können.

Zu Beginn des Programms mit französischer Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts standen vier Motetten für die Karwoche von Francis Poulenc. Mit großer Souveränität und Überzeugungskraft leiteten die Sängerinnen und Sänger mit Poulencs Vokalmotetten das Klang-Feuerwerk zum „Jahr der Orgel“ ein. Mit Jehan Alains „Litanies“ für Orgel stellte sich Andreas Willberg als Solist vor und das Publikum hatte erstmals Gelegenheit, die pünktlich zum Festival modernisierte Walcker-Orgel zu erleben.

Mit dem Fronleichnamshymnus „Tantum ergo sacramentum“ des weniger bekannten französischen Komponisten Deodat de Severac und der eindringlichen Antiphon „O sacrum convivium“ von Olivier Messiaen erweiterte das Collegium Vocale den Klangraum auf eindrucksvolle Weise, so dass sich Andreas Willberg mit dem ersten Satz aus Louis Viernes „Orgelsinfonie Nr. 3 in fis-Moll“ dieser eindrucksvollen Dynamik anschließen konnte, die in die opulente „Messe solennelle“ op. 67 für gemischten Chor und Orgel von Jean Langlais gipfelte.

Als Schüler der renommiertesten französischen Orgel-Interpreten, darunter Louis Vierne, Marcel Dupré und Olivier Messiaen erlangte Jean Langlais, der bereits im Alter von zwei Jahren erblindete, weltweit großen Bekanntheitsgrad – heute würde man von einer „Blitzkarriere“ sprechen.

Langlais musikalisches Schaffen lässt Verbindungen zu den Werken seiner Mentoren erkennen, die er mit seriellen Techniken und einer erweiterten Tonalität zu seiner eigenen musikalischen Sprache führte. Seine „Messe solennelle“ basiert spürbar auf der französischen Tradition, die er durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Formen und Stilmitteln bereichert.

Wunderbar wechseln sich Chor und Orgel in ihrer Klangpracht ab, vereinen sich im nächsten Moment zu neuen Höhenflügen, die von den Sängerinnen und Sängern, insbesondere den hohen Stimmlagen, herausragend gemeistert wurden. Für ein breites, warmes Fundament sorgten die bestens intonierten Alt- und Bassstimmen. Dirigent Walter Johannes Beck hat in kürzester Probenzeit ein Programm auf die Beine gestellt, das vom Publikum mit langanhaltendem Applaus und großer Dankbarkeit gefeiert wurde. kml

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare