Ein Krull, der sich die Krone aufsetzt

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Kultur ist möglich. Gut gefüllt war die Aalener Stadthalle bei der Premiere "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" des Theaters der Stadt Aalen.
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Das Theater der Stadt Aalen zeigt Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Was diese Inszenierung von Intendant Tonio Kleinknecht so besonders macht.

Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Kultur ist möglich. Gut gefüllt war die Aalener Stadthalle bei der Premiere "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" des Theaters der Stadt Aalen.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Kultur ist möglich. Gut gefüllt war die Aalener Stadthalle bei der Premiere "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" des Theaters der Stadt Aalen.
Kultur ist möglich. Gut gefüllt war die Aalener Stadthalle bei der Premiere "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" des Theaters der Stadt Aalen.
Kultur ist möglich. Gut gefüllt war die Aalener Stadthalle bei der Premiere "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" des Theaters der Stadt Aalen.

Aalen

Ich bin der König!“,  schreit Felix Krull in die Welt. Schüttelt sich irrsinnig und vor sich hinbrabbelnd. Zuvor hat er sich selbst seine Plastikkrone aufgeblasen und auf den Kopf gesetzt. Wen wundert's, dass Krull das am Ende selbst von sich glaubt. Allzu leicht haben es ihm diejenigen gemacht, die bisher seine Wege kreuzten. Einige davon lässt der Intendant des Theaters der Stadt Aalen Tonio Kleinknecht in seiner Inszenierung  der  „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nun auf der Theaterbühne lebendig werden. Kleinknecht selbst hat die Theaterfassung nach dem immerhin mehrere hundert Seiten umfassenden Roman von Thomas Mann geschrieben. Eine Fassung, die bei der Premiere am Mittwochabend in einer gut gefüllten Stadthalle ganz offensichtlich den Hunger des Publikums nach guter Unterhaltung stillt. Schauspielkunst gepaart mit Artistik, Tanz, Musik und Varieténummern - Kleinknecht fährt nicht nur das Besteck des Sprechtheaters auf.

Die Lust an der Verwandlung

Wohin die Reise geht, zeigt schon der Anfang. Zwei überdimensionierte Kleiderständer an den Seiten der Bühne, daran hängt jede Menge  grellbuntes, pompös glänzendes Blendwerk - Grundlage für Krulls Leben im Rüschchenrausch (Kostüme: Birgit Barth). Felix (Julia Sylvester) hier noch das Kind in Knickerbocker-Hosen, wächst im Rheingau auf, wie seine Kinderstimme aus dem Off erzählt - zudem Julia Sylvester die Lippen bewegt und sich eben erst mal auch diese Rolle einverleibt. Es werden in Krulls Werdegang noch viele werden.

„Freut Euch des Lebens“, die Devise, nach der in Krulls Elternhaus gelebt und getanzt wird - Felix sucht dort Aufmerksamkeit, bekommt sie aber nicht. Der Erfolg mit dem fuseligen Schaumwein, den sein Vater (Arwid Klaws) produziert, macht aber ausgelassene Feiern möglich. Die Gäste stellen Absolventinnen und Absolventen von der Accademia Teatro Dimitri dar. Mitreißend von Anfang an, zeigen sie, welch wichtigen Part sie im Stück einnehmen werden. Hier in der Lust an der Verwandlung und im Spiel mit den Kostümen und Masken, die an den venezianischen Karneval erinnern.

Krull selbst, der die Schule nicht ernst nimmt, merkt früh, wie leicht er die Menschen täuschen kann. Hausarzt Düsing, selbst ein Blender, der nicht mal weiß, was er so alles in seinem Koffer hat und erst mal die Brotdose öffnet, wird stöhnend hinters Licht geführt, damit der Unterricht ausfällt. Migräne, so die Diagnose. Später, als Krull sich ausmustern lässt, wird daraus vor dem Stabsarzt gar ein Anfallsleiden. Arwid Klaws verkörpert diese mit Witz - Ersteren mit Naivität, Zweiteren mit grotesker Arroganz und Härte, später wird er als zerstreuter Professor Kuckuck i Krull, der mittlerweile zum Marquis de Venosta geworden ist, in sein Haus holen.

Krull als Objekt der Begierde

Krull spürt und spiegelt die Sehnsüchte von Menschen, die in der Gesellschaft was sind und schafft es so, nach dem Bankrott seines Vaters in eben dieser nach einer Stellung als Hotelpage in Paris wieder Fuß zu fassen. In dem er etwa der nach jungen Männern gierenden Madame Houpflé unter den golden Reifrock schlüpft. Nur eine von mehreren Rollen im Stück, in denen Diana Wolf als Madame zeigt, wie stark sie einer Rolle in auch nur kurzen Momenten mit einer Charakterisierung prägen kann, die lang in Erinnerung bleibt.

Julia Sylvester zeigt einen Krull, der viel nach Außen agiert, aber innerlich in jeder seiner Rollen seltsam unbeteiligt scheint, der stets unbekümmert ohne jegliche Bedenken trickst. Seine Verführungskünste aber bleiben blass - stets wird er eher fast ungewollt zum Objekt der Begierde.

Große Momente liefern vor allem auch die Academia-Gäste. Fast unverschämtes Talent vereint nahezu jeder - aus der Jonglage mit Keulen und Bällen heraus geht es an E-Gitarre und Akkordeon, von der Rolle der Zaza ans Trapez. Auch ein Gesangssolo von der Galerie von Larissa Wagenhals erweist sich nicht nur als Überbrückung für einen Umbau hinter geschlossenem Vorhang. Gleich darauf steht sie als Zouzou auf der Bühne als eine weitere Frau in Krulls Verführungsbiografie. Permanente Verwandlung auch hier.

Ein Krull, der Spaß macht, für Hirn, Auge und Ohr. Der Applaus des Publikums gilt sicher diesmal nicht dem Blender Krull.

Nächste Vorstellungen sind am Freitag, 4., und Samstag, 5. Februar, jeweils um 20 Uhr im Kulturbahnhof.

Mehr Bilder sehen von „Felix Krull“ sehen Sie auf www.schwaepo.de und www.tagespost.de

„Felix Krull“ mit Julia Sylvester (v. Mitte) in der Rolle des Krull und Diana Wolf in gleich mehreren Rollen.

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