Ein opulentes Werk über einen berühmten Gmünder

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Foto: Jan-Philipp Strobel

Musical-Oper Wie „Martyr Leben und Werk des Freigeistes Jörg Rathgeb mitreißend in Szene setzt.

Schwäbisch Gmünd. „Martyr“, eine Musical-Oper über das Leben des berühmten Schwäbisch Gmünders Jörg Ratgeb. Das einzige Gastspiel findet in seinem Geburtsort statt. Aufgeführt vom Theater Pforzheim, wo es am 14. Mai zum ersten Mal gespielt und gesungen wurde.

Das Leben von Jörg Ratgeb verlief turbulent. Der Maler, zu Lebzeiten in seinem Talent verkannt, starb bei seinem politischen Einsatz. Er fragte: „Bin ich als Individuum mit meinem Talent verpflichtet, dem Allgemeinwohl zu dienen?“ Oder allgemein: „Wie politisch darf, muss Kunst sein?“ Fragen, die Dramaturgin Christina Zejewski im Vorgespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern erläuterte.

Diese Erläuterungen zu 17 Bildern auf der Bühne gaben den Kompass durch das opulente, turbulente, von Musikexplosionen begleitete Werk über knapp drei Stunden. Es forderte von Darstellerinnen und Darstellern viel, aber auch das Publikum konnte sich nicht zurücklehnen und einfach genießen.

Das Bühnenbild machte deutlich, dass ein Maler die Hauptfigur ist, etwas, das man bei Ratgebs politischem Engagement leicht hätte vergessen können. Die Zeit der Reformation mit Bauernkrieg und Umbrüchen kam ungeschminkt in aller Härte. Mischa Mang als Jörg Ratgeb überzeugte durch Tun und seine Liebe zu Barbara, einer Leibeigenen, doch selbstbewussten Frau. Er entzieht sich der leichten Rettung durch Witwe Hiltrud. Beide Frauen, dargestellt von Fabiana Locke und Lilian Huynen, verkörpern wahre Liebe und verletzten Stolz überzeugend.

Drei Stunden Klangkonvulsionen, Turbulenz und Hingabe auf der Bühne mit Darstellerinnen und Darstellern, die zeigten, was großes Theater kann. Als Erinnerung überreichte Ralph Häcker der Dramaturgin eine Szene aus dem Hans Kloss Panorama, das die Maler Ratgeb und Hans Baldung Grien zeigt. gkg

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