Ein Spiel von Slapstick, Sex und Witzigkeiten

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außer kontrolle
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Notgeile Frauen und chauvinistische Männer im Wirrwarr der Komödie „Außer Kontrolle“.

Aalen. Eine fette Klamotte zeigte das Theater der Stadt Aalen am Samstag mit der Premiere des Boulevard-Stückes „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney. Eine Geschichte von Lug und Betrug am Rande von Politik und feiner Gesellschaft soll es laut Programmheft sein, ein wirres Spiel von Sex, Slapstick und Witzen wurde es unter der Regie von Tonio Kleinknecht und in der Dramaturgie von Gerhard Herfeldt.

Startbild: Arwid Klaws eingeklemmt im Fenster eines Hotelzimmers, leblos, starrer Blick. Auftritt des Ministers (Marc-Philipp Kochendörfer), der eine Parlamentsdebatte schwänzt, um mit der Sekretärin des Oppositionsführers (Diana Wolf) Sex zu haben. Die Dame schrill und bald in Dessous, der Politiker in weißer Unterwäsche, die Annäherung wird unterbrochen durch den Auftritt einer ebenfalls krass karikierten Hotelmanagerin und dann eines Butlers, beide gespielt von Julia Sylvester. Der Butler wird mit Trippelschritten und klagender Stimme als behindert dargestellt, ein auf Witzigkeit getrimmter running gag durch das ganze Stück.

Das Stück lebt von überraschenden Begegnungen, Vertuschen, Verstecken und Entfernen, von kleinen und peinlichen Lügen und von einer Überzeichnung aller Personen und Handlungen. Fast könnte man meinen, eine Satire auf degoutantes Boulevard-Theater zu erleben.

Der eingeklemmte Mann wird aus dem Fenster gezerrt, im Schrank am Kragen aufgehängt, die Tür schlägt immer wieder mit dem Mann am Haken auf, Klaws zeigt grandiose Körperpräsenz. Später wird er von den Scheintoten aufwachen, im Rollstuhl verschoben in die Nachbarsuite und zurück, er ist der Privatdetektiv, beauftragt von dem Ehemann der Sekretärin (Lennart Naether). Dieser tobt enthemmt und brüllend durch das Stück, auf der Suche nach seiner Frau und dem untreuen Minister, wütend und am Ende nackt. Der Minister beordert seinen Privatsekretär (Philipp Dürschmied) ins Hotel, um seinem Chef aus dem Trouble helfen. Der kümmert sich um die Frauen, die aus verschiedenen Gründen ins Hotelzimmer finden, alle sind alsbald in Unterwäsche und gehen dem überforderten Sekretär an die Wäsche, auch die Altenpflegerin im Schwestern-Habit, die ins Hotel kommt, um den Privatdetektiv wegen Vernachlässigung von dessen alter Mutter zu beschimpfen.  Am laufenden Band passiert einiges mehr, man kann den Überblick verlieren und ahnt, dass es Zusammenhang der Handlung nicht ankommt.

Das Stück ist schauspielerisch bestens gespielt. Die dargestellten Frauen sind alle notgeil und übergriffig, die Männer verwirrt bemüht, Ordnung in den Harem zu bringen. Die Slapsticks, der Wortwitz funktionieren, die Regie schafft es, ein schnelles Stück bestens zu inszenieren. Es darf gelacht werden; und wer sich auf das Niveau einlässt, kann einen unterhaltsamen, spritzigen Abend genießen. Rainer Wiese

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