Eine bewegende Aufführung

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Ein großes Ensemble hatte Reinhard Krämer durch das Werk zu dirigieren. Es gelang famos. ÌFoto: uss

iedoratorium Ellwanger Jugendchor, Kantorei, der Chor „unisono“, Orchester und Sprecher Simon Mazouri bringen „Dietrich Bonhoeffer“. Von Wolfgang Nußbaumer

Zum Volkstrauertag hat der Kantor der Ellwanger Stadtkirche, Reinhard Krämer, mit dem Liedoratorium „Dietrich Bonhoeffer“ von Matthias Nagel eine gute Wahl getroffen. Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer haben eine bewegende Aufführung mit einem großen Aufgebot erlebt. Nagels Lieder atmen den Geist heutiger Kirchenlieder mit Elementen aus Pop, Rock und Jazz. Eingängige Melodien und Harmonien, die den von Dieter Stork zusammengestellten Text gut ins Gehör bringen. Es muss eines großen Aufwands bedurft haben, um die zahlreichen Mitwirkenden unter einen Hut zu bringen. Vor dem Altar haben sich der Ellwanger Jugendchor, die Kantorei und der Chor „unisono“ aus Aalen-Wasseralfingen, dessen Part die Organistin Claudia Dolmetsch einstudiert hat, versammelt. Das Orchester ist mit den Violinen (Ulrich Widdermann und Antonia Freihart), Leonie Rathgeb (Viola), Iris Mack (Cello), Felix Weick (Klavier), Elisabeth Wolpert (Flöte), Thomas Bader (Saxophon), Roland Herzog (Trompete), René Wolf (Gitarre) und Frederic Marquardt, der am Schlagzeug dezent für den „Drive“ sorgt, gut besetzt. Simon Mazouri trägt die zum Teil von Bonhoeffer stammenden Texte mit klarer Diktion vor. Dass ihm zwischendurch ein blechernes Geräusch in die Rede scheppert, ist nicht der Dramaturgie, sondern der Technik geschuldet. „Wer sind wir Christen, wer werden wir sein?“, fragt der Chor im ersten Lied. Er thematisiert damit eine der zentralen Fragen des evangelischen Theologen und Vertreters der „Bekennenden Kirche“. Antworten geben im Folgenden die Lieder und Bonhoeffers Texte. Bis zum bitteren Ende am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg, wo er auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers hin ermordet worden ist. „Sitzen wir heute als Kirche im richtigen Zug?“, fragt der Sprecher nun 76 Jahre später. Und der Chor antwortet mit dem Chanson „Wenn man in einen falschen Zug einsteigt“. Eine Frage, die in einer Zeit, in der beide großen Kirche nicht zuletzt wegen der aufgedeckten Missbrauchsfälle von Massenaustritten geschwächt werden, ans Eingemachte geht. Dieses Lied zeigt allerdings auch in zwei Verszeilen, dass sich der Text nicht durchgängig gut singen lässt, wenn er sich allzu sehr um eine kritische Haltung bemüht: „In einer Zeit, die nur der Macht des Geldes mag vertrauen, / und die versucht, mit Geldkaufkraft die Zukunft aufzubauen“. Ein weiteres Lied schlägt den Bogen von der Judenverfolgung zum Umgang mit Flüchtlingen heute. Bis die Gesänge beim privaten Bonhoeffer ankommen. Der Mann, der sich schon 1940 dem Widerstand gegen das Nazi-Regime angeschlossen hatte, verlobt sich im Januar 1943 mit Maria von Wedemeyer. Ein Liebesgedicht für sie singt Claudia Dolmetsch, schlicht und schön. Ein Licht in einer dunklen Zeit; denn zuvor schon hatte der Chor das Lied „In mir ist es finster“, angestimmt. Nur wenige Monate später wird Bonhoeffer wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet. An seine Inhaftierung im Keller des Sicherheitshauptamtes erinnert das Lied „Nicht das Beliebige“ (Lebenslied im Tode), mit Anklängen an Kurt Weills Ballade der „Seeräuber-Jenny“. Bei dem sehr bekannten Lied „Von guten Mächten“, das Bonhoeffer als „Weihnachtsgruß“ für seine Verlobte und deren Angehörige geschrieben hat, hat man automatisch eine ganz andere Melodie im Kopf. Das ändert jedoch nichts am erhebenden Gesamteindruck des Oratoriums, in dem wie ein Mantra zweimal im gregorianischen Duktus das Bekenntnis formuliert wird: „Ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit“. Das Publikum hat sich mit lang anhaltendem Beifall bedankt.

Ein großes Ensemble hatte Reinhard Krämer durch das Werk zu dirigieren. Es gelang famos. ÌFoto: uss

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