Eine Wundertruppe, Aretha Franklins Sohn und Drei, die sich freuen

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Frank Chastenier Trio Jazzfest Aalen
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Aretha Franklins Sohn Teddy Richards eröffnet mit ein paar Songs das 30. Aalener Jazzfest. Wie er, das Frank Chastenier-Trio und das Joey Alexander-Trio und das Publikum der kulturellen Flaute trotzen.

Aalen

Was für ein Abend. Nicht nur, weil dort oben auf der Bühne großartige Musiker stehen. Sondern weil die Fans und Freude des Jazz endlich mal wieder gemeinsam vor einer ebensolchen sitzen und Musik live erleben konnten. Das 30. Aalener Jazzfest feierte seinen Auftakt am Donnerstagabend. Und trotzte damit eindrucksvoll der immer noch andauernden kulturellen Flaute.

Wo die Musik spielt: Die Stadthalle ist von außen sichtbar in violettes Licht getaucht, im Innern der große Saal dunkel. Auf der Bühne stehen mittig ein glänzender Flügel und ein Schlagzeug, die Lightshow zaubert Ornamentik auf den Bühnenvorhang. Die erinnert mal an die Schlieren einer Lavalampe, dann wieder an ein leuchtendes Mandala. Visuelle Kuscheligkeit, die gut tut. Denn die rund 250 Gäste, die den Saal längst nicht füllen können, sitzen gruppenweise auf Abstand. Die aktuelle Verordnung schreibt 2G vor, die Masken bleiben auf. Auch am Platz.

Ein prominenter Sohn ohne Allüren: Drei Sets stehen auf dem Programm, kurzfristig wurde Teddy Richards noch mit aufgenommen. Der künstlerische Leiter des Jazzfestes Ingo Hug erzählt, dass der Sohn von Aretha Franklin schon mal Gast beim Jazzfest war, dann übergibt er den Stab auch schon an Richards. Der strahlt lässig ganz in Weiß vom Barhocker ins Publikum und wärmt es mit Songs, die jeder kennt. "My Girl" und "Mustang Sally", bei dem die ersten schon aufstehen und klatschen. Keinen stört es, wenn es zur Gitarre eben auch mal das Halbplayback tun muss. Auf jeden Fall geht was.

Unverhohlene Freude ebenfalls eher alter Hasen: Pianist Frank Chastenier ist der Kopf des gleichnamigen Trios. Zart flüstert er mit den Tasten im Schein des Flügels dem Publikum Lionel Richies „Hello“ zu. Bittersüß, eindringlich, am Ende zuversichtlich. Ganz anders dann "Can't we be friends". Chastenier, Bassist Christian von Kaphengst und Peter Gall am Schlagzeug packen kraftvoll gemeinsam an, um das "Glück" das Chastenier kurz darauf vor dem Mikrofon verkündet, mit einer satten Portion Boogie und Swing vor sich herzuschieben. "Wir fühlen uns schon nach zwei Nummern total beseelt“, gesteht Chastenier. Es mache eben sehr viel Spaß, wieder vor Publikum zu spielen. Das wiederum gibt die Freude mit viel Zwischenapplaus zurück. Die Bandbreite des Trios ist breit gefächert, da ist für jeden was dabei. Al Jarreau und Manfred Krug, Jacques Brel und Herbert Grönemeyer, Chanson trifft auf verdichteten Jazz, gepflegte Passagen auf brennende Improvisationsfreude.

Eine lässig-lächelnde Wundertruppe: Gleiche Besetzung, andere Verortung, nicht nur auf der Bühne. Das Joey Alexander-Trio platziert sich dort breit und nimmt den ganzen Raum ein. Ganz nah sind sie sich trotzdem. Mit schwarzer Hornbrille Joey Alexander, mit 18 zwar kein Kind mehr, aber auf der Bühne immer noch ein Wunder, Bassist Kris Funn, der eigentlich für ein zweites sorgt und, ja, das dritte, Drummer John Davis. Ein paar Takte von "Bali" brauchen sie nur, dann haben die drei unter kaum sichtbaren Blickwechseln das Bett für den Fluss geebnet, der die Zuhörer davonträgt. Ob "Soul Dreamer", "Winterblues" oder auch "Blackbird" von den Beatles - jeder Takt klingt so frisch, wie aus dem Stand entwickelt. Kreativ, überraschend und doch melodisch und eingängig. Alexander wechselt lässig-lächelnd immer wieder zwischen Flügel und E-Piano. Einer der weiß, was er kann und sich nicht krampfhaft beweisen muss. Der besonders KrissFunn viel, viel Raum lässt, um mit seinem Bass zu flirten. Der John Davis mit einem Solostück für ein paar Minuten zum furios schlagenden Herzschrittmacher des Sets werden lässt. "Danke, dass Sie gekommen sind und Musiker damit unterstützen", sagt Alexander gegen Ende. Macht das Publikum doch gerne weiter: mit stehendem Applaus und dem Zeichen, dass es selbst was gegen die kulturelle Flaute tun kann.

Infos zum Programm bis Sonntag, 7. November, unter www.aalener-jazzfest.de. Es gibt noch für alle Konzerte Karten an der Abendkasse. Für Menschen bis einschließlich 29 Jahre gibt es reduzierte Tagestickets. Das Alter wird am Einlass durch Ausweiskontrolle überprüft. Es gilt 2 G.

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