Einmal Wolf, immer Wolf?

+
Szene aus "Die besseren Wälder"
  • schließen

Sie spielen wie die Profis: Die Jugendlichen des Spielclubs 3 sorgen mit ihrer Aufführung „Die besseren Wälder“ für Jubel beim Premierenpublikum im Kulturbahnhof Aalen.

Aalen. Einmal Wolf, immer Wolf? Baumstämme, blaues Licht, Flockenwirbel – es ist ein ungemütlicher Ort, durch den sich die drei Wölfe schleppen auf der Suche nach den „besseren Wäldern“. In ihrem Fall nach Futter, nach frischem Schafsfleisch. Nur der junge Wolf Ferdinand kommt indes lebend dort an. Er wird umgehend von zwei Schafen adoptiert und entsprechend eingekleidet und erzogen. Bald kann er akzentfrei „Mäh“ sagen. Ist der Stolz der Eltern und beliebt bei den Kumpels: „Ein Bock von Welt“. Ein Wolf im Schafspelz, der die Regeln seiner Umgebung internalisiert hat: treu und feige sein und nicht über Zäune springen. Bis das schöne Schäfchen Melanie mit ihm ausbrechen will, schließlich gibt es „bessere Wiesen“ als die gewohnten und erlaubten.

Das Paar amüsiert sich bei harten Beats und Rotlicht im Discoschuppen. Bis eine hungrige Wölfin auftaucht, der Ausflug ein böses Ende und Ferdinands Leben eine jähe Wendung nimmt. Er begreift, dass er kein Schaf ist. Und nun? Zu den Schafen kann er nicht mehr zurück und in dem Wolfsrudel, dem er sich zugesellt, wird er auch nicht heimisch.

Das Stück von Martin Baltscheit erzählt von der Suche nach der eigenen Identität und bedient sich dabei der Fabel. Was macht mich aus? Ist es die Herkunft oder Umgebung und Erziehung? Das Ganze ist durchaus witzig gemacht. Da wird in der Kirche das Schave Maria gesungen, sind Schafe nicht schließlich lammfromm?

Die Aufführung lebt vom engagierten Spiel der Jugendlichen, die meisten haben mehrere Rollen. Allen voran Julius Roscher als Ferdinand. Überzeugend zeigt er die Zweifel und Zerrissenheit seiner Figur. Atemberaubend die rasante Kampfszene unter Wölfen mit Slow-Motion-Elementen gemeinsam mit Vin Benkelmann, unterlegt von dramatischem Sound. Leni Klöcker und Friedrich Vogelsang gefallen als zunächst kinderloses Schafehepaar, dann als rührige Eltern, Michaela Sheytelmann als Schäfchen Melanie. In weiteren Rollen Joschua Kuhn, Rafael Brüggemann, Anselm Forcht sowie Finn Blesch. Der lange Applaus gilt auch Regisseur Robin Kucher.

Weitere Aufführungen sind am Freitag, 3. Juni, sowie am Sonntag, 3. Juli, jeweils 19 Uhr im KubAA.

Szene aus "Die besseren Wälder"
Szene aus "Die besseren Wälder"

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Mehr zum Thema

Kommentare