Erst Romantik, dann Vogellärm und Affenschrei

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Konzert des Aalener Kammerchores im Kulturbahnhof.
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Aalener Kammerchor mit buntem Programm und beherztem Liedvortrag im Aalener KubAA.

Aalen. Endlich wieder ein Konzert des Aalener Kammerchores. Der letzte Auftritt ist ein Jahr her, der „musikalische Spaziergang … im Wald“ (Programmheft) wurde von viel Publikum im Konzertsaal des Kulturbahnhofes begleitet.„Im Wald“ war das Programm des gut einstündigen Konzertes übertitelt, eine lehrreiche feuilletonistische Begrüßung führte in das Thema in allerlei Hinsicht ein, noch vor dem ersten Ton des Evergreens „Abschied vom Walde“ (O Täler weit, oh Höhen). Dirigent Thomas Baur legte die Eichendorff-Vertonung mit sehr stark differenzierter Dynamik und fast zurückhaltendem Gestus an. Die Transparenz ließ die wundervolle Mendelsohn-Bartholdy-Komposition immerhin zu angemessener Wirkung kommen. Ähnlich ging Baur mit der ähnlich unverwüstlichen „Waldesnacht“, vierstimmig komponiert von Johannes Brahms, um und auch mit dessen dramatischerem „Wehen durch den Wald“. Hier schien sich der Chor aus der Anfangsbeklommenheit zu befreien und auch Bass und Alt gaben ihre Zurückhaltung auf. In der dritten Strophe des dito von Brahms komponierten „All mein Herzgedanken“ stimmten dann auch Intonation und Synchronität des 30-köpfigen Kammerchors perfekt.Nach der Pause überraschte der Männerchor mit einem neckischen Auftritt mit Hütchen und Kazoo, einer Tröte, deren Töne vom Bläser mit den Stimmbändern modelliert wird: der Jägerchor von C.M.v.Weber, zwischen Auf- und Abmarsch mit Kazoo in deutscher Männerchortradition, aber zart gesungen.Auch der zweite Teil des Konzertes wurde mit einem betont charmantem Minivortrag eingeleitet. Ein Werk des 37-jährigen schwedischen Komponisten Emil Råstand am Anfang und nahm mit seinem Stil das Romantik-Thema des ersten Parts auf. Ebenfalls nicht weit weg vom Sound der Romantik kam die Komposition „Sleep“ von Eric Whitacre daher, fein gesungen von einem ambitionierten Ensemble, das wie auf der Suche nach sich selbst wirkte und vom expressiven, weiträumigen Dirigat Thomas Baurs vorangetrieben und eng gführt wurde.Die Intonationsprobleme ließen auch nicht nach beim Cover eines Songs der rheinischen Metal-Band Blind Guardian, der beim Kammerchor klang wie ein spätes Stück aus der späten Renaissance. Mit einer lautmalerischen Reportage aus dem Regenwald mit Vogellärm und Affenschrei und rhythmischem Schenkelklopfen wurden nicht übersetzte „indigene Gesänge“ von Marcos Leite ein- und ausgeleitet. Am Ende ein Stück von Daniel E. Gawthorpe, Zeitgenosse aus den USA, mit einem romantischen, religiösen Text.Mit einer Wiederholung von Sleep bedankte sich der Chor für freundlichen Applaus.

Konzert des Aalener Kammerchores im Kulturbahnhof.

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