Es geht um Bilder, nicht um Abbilder

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Ausstellungseröffnung im Gmünder Kunstverein mit Werken von Linda Berger (links) und Simone Distler.

Gmünder Kunstverein zeigt Arbeiten von Simone Distler und Linda Berger.

Schwäbisch Gmünd. Winzige Striche, so weit das Auge reicht, Farbschichten, die zu Bildern, nicht Abbildern, werden: Simone Distler und Linda Berger, Künstlerinnen, die sich zuvor noch nie begegnet sind, stellen in der Galerie des Gmünder Kunstvereins im Kornhaus unter dem Titel „Einblicke in eine stillere Welt“ aus. Dahinter steckt die Idee der Ausstellungsmacher, Kontrast oder Nähe ausfindig zu machen. Im aktuellen Fall kommt beides zum Ausdruck. Verschieden die Arbeitsweisen, Gemeinsamkeiten bei der Interpretation der Werke.

Linda Berger, in Wien lebende Künstlerin mit Wurzeln im Ostalbkreis, Mitglied im Gmünder Kunstverein, geht im wahrsten Sinn des Wortes ins Detail. Millionen kleiner Striche hat sie schon mit Feder und farbiger Tusche auf Leinwand oder Papier gebracht. Kunstvereins-Vorsitzender Professor Dr. Klaus Ripper, der zur Ausstellungseröffnung sprach, sieht in Linda Bergers Bildern „ein Flirren und Wabern aus zarten Farben“. Nahezu formlos, ein wenig plastisch, kaum greifbar, wirkten ihre Bilder wie ein Ausblick in zu große Ferne oder wie ein Eindruck, der nicht näher fokussiert werden kann. Wenn sich das Kunstpublikum anschickt, in den Bildern Landschaften, Wolkenberge oder ferne Galaxien zu erkennen, winkt Linda Berger ab. Schon im Entstehungsprozess achtet sie darauf, dass Gegenständliches nicht erkennbar wird, versucht solche Annäherungen durch weitere Liniensetzungen im Keim zu ersticken. Ihr geht es ausschließlich um das Bild und dafür zitiert Klaus Ripper Paul Klee: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Eine Interpretation, die auch Simone Distler nahe liegt. Sie stammt aus Unterfranken und lebt nach einem Studium in Halle in einem Ort im Südharz. Sie geht großzügiger, aber keinesfalls hektisch, mit der Farbe um. „Bilder brauchen Zeit zum Werden“, sagt sie, und das nimmt sie nicht nur für sich selbst in Anspruch. Es gilt genauso für die Bildbetrachtung. Im Entstehungsprozess lässt sie „große Gesten mit lasierenden und pastosen Acrylfarben zu“, wie Klaus Ripper anmerkt. Auf dem Boden des Ateliers werden Farben geschichtet, geschüttet, gekratzt und überspachtelt. Sind es Landschaften, Berge, Eisschollen? Simone Distler winkt ab. Wie bei Linda Berger geht es um Bilder, nicht Abbilder. Um Zeit, in die stillere Welt einzutauchen.

Klaus Ripper: „Wer beim flüchtigen Anblick bleibt, verpasst das Meiste.“ Es sind leise Bilder, die mit dem Ausstellungstitel kooperieren, die trotz unterschiedlichen Arbeitsweisen im Ergebnis harmonieren. Aber auch mit dem Saisonprogramm des Gmünder Kunstvereins „Zukunftsgeflüster, Zeitenwende, Weltenwandel“. Der Kunstverein will, so Klaus Ripper, „ein bewusstes Hinterfragen von Denk- und Gesellschaftsmustern in Zeiten des Wandels und des Umbruchs in die Arbeit einbringen“.

Die Ausstellung "Aus einer stilleren Welt" mit Werken von Linda Berger und Simone Distler geht bis 5. Dezember. Zu sehen in der Galerie des Gmünder Kunstvereins im Kornhaus. Geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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