Ingo Hug: „Es ist wichtig, dass einer beginnt“

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Ingo Hug, künstlerischer Leiter des Aalener Jazzfestes, das am ersten Juliwochenende in den Aalener Stadtgarten lädt.
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Am 2. und 3. Juli, wird das Aalener Jazzfest den dortigen Stadtgarten bespielen. Der künstlerische Leiter Ingo Hug erzählt, warum man das wagt und wo die Schwierigkeiten liegen.

Aalen

Die Geschichte des Aalener Jazzfestes ist eine Erfolgsgeschichte. Eine, in der auch viele bekannte Namen vorkommen. Allen voran Miles Davis, der vergangenen März vor genau 30 Jahren in Aalen sein letztes Konzert außerhalb der USA gespielt hat. Sie ist aber auch eine Geschichte, die über manche Risiken erzählt. Nun gehen die Macher des Festivals erneut ein solches ein. Am Freitag, 2., und Samstag, 3. Juli, lädt der Verein Kunterbunt zum zweiten Teil des 29. Aalener Jazzfestes in den Stadtgarten. Auf der Bühne werden Milow und Marla Glen stehen. Namen, wenn auch keine Superstars. Ein Wagnis angesichts gerade erst gelockerter Corona-Verordnungen. Welcher Aufwand, welches Risiko, aber auch, welcher Geist dahintersteht, darüber sprach Dagmar Oltersdorf mit dem künstlerischen Leiter des Festivals Ingo Hug.

Herr Hug, viele andere haben auch 2021 ihre Musikfestivals abgesagt. Warum tut sich der Verein Kunterbunt das an?

Ingo Hug: Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen. Es ist wichtig, dass einer beginnt. Wir freuen uns, wenn wir das gut hinbekommen, mit ausreichend Besuchern, freuen uns, wenn es schön wird und Mut und Lust macht, auf das, was noch kommt: beispielsweise das Kapfenburg-Festival oder das Galgenbergfestival. Es gibt noch viele, die bei eine vorsichtige Haltung haben.

2020 Jahr gab es bereits ein Festival im Stadtgarten gemeinsam mit dem Verein der Kulturfreunde Galgenberg. Diesmal ist es anders ...

Wir sind alleiniger Veranstalter, haben allein die Verantwortung und das Risiko. Aber Teile der Galgenbergfreunde arbeiten dennoch mit dem ein oder anderen Gewerk vor der Bühne mit. Das haben wir so abgesprochen. Im letzten Jahr konnten wir mit Auf- und Abbau alles in vier Tagen gemeinsam umsetzen. Vier Tage, in denen es mehr oder weniger durchgehend geregnet hat. Damit haben wir auch die Bedenken des Grünflächenamtes zerstreuen können. Jetzt hoffen wir natürlich auf vier Tage Sonnenschein.

Vermutlich auch, weil sich das Virus da offenbar schlechter verbreitet?

Wir produzieren draußen. Da hat man mit den Aerosolen weniger Schwierigkeiten. Und es sind ja peu à peu immer mehr geimpft. Das Hygienekonzept, das wir vom vergangenen Jahr haben, ist sehr umfassend beschrieben und umgesetzt worden. Es hat gezeigt, dass wir alles tun, um Ausbrüche zu vermeiden. Wir sind gut vorbereitet, aber natürlich kann uns im schlechtesten Fall alles um die Ohren fliegen.

Das Wetter ist nicht planbar, so wie einiges im Moment noch nicht. Wie geht man mit sich ändernden Inzidenzen und Verordnungen um?

Wir machen seit 30 Jahren Konzerte hier. Klar ist das bei schönem Wetter leichter. Aber der Termin ist diesbezüglich Anfang Juli besser als Ende August. Es wird dann viel kumulieren, es sind Ferien, viele fahren in den lang vermissten Urlaub. Wir sind jetzt in der Situation, dass wir von Tag zu Tag arbeiten und es nehmen, wie es kommt. Wenn eine neue Verordnung herauskommt, dann gleichen wir unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen an. Wir hätten gerne mehr Vorlauf für den Ticketverkauf gehabt. Wenn das Wetter gut bleibt, läuft aber die Tageskasse auch nicht schlecht.

Ist das nicht alles ziemlich aufwendig?

Wir dürfen nicht vergessen. Das jetzt im Stadtgarten ist das 29. Aalener Jazzfest, Part 2, auch für die Sponsoren und Förderer. Wir haben den Stream gemacht. Der war durchaus aufwendig, aber wir haben null Einnahmen generiert. Auch der Aufwand im Stadtgarten ist enorm. Wir haben lange versucht, einen Toilettenwagen zu bekommen, die stehen aber alle vor den Impfzentren. Jetzt haben wir mit enormen Mehrkosten drei ergattert. Es gibt Hygienebestimmungen, da kann man nicht einfach einen Bauwagen hinstellen. Und 400 Meter auf die Toilette in der Schule zu gehen, das ist nicht zumutbar. Wir beißen in den sauren Apfel. Es ist eine Entscheidung. Wir haben auch schon ein Spiegelzelt hingestellt, immer wieder neue Spielorte gefunden. Und wenn wir die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr nicht gehabt hätten, hätten wir uns dreimal mehr überlegt, ob wir das machen. Nur deshalb ist alles in der Kürze der Zeit umsetzbar.

Die Kurzfristigkeit betrifft auch die Künstler. Wie flexibel geht es da denn? Oder haben die ohnehin keine Auftritte?

Milow spielt im Moment schon sehr viele Shows in den Beneluxstaaten und macht auch Strandkorbkonzerte. Marla hat Shows, aber erst nach dem Jazzfest und hat im März 2020 ein super Album herausgebracht, ist in absolut guter Verfassung. Die Freude ist groß.

Ein Blick in die Zukunft ...

2022 wird ein schwieriges Jahr werden, dann, wenn es viele Konzerte geben soll. Viele Gewerke sind nicht mehr vorhanden. Bühnentechniker etwa haben vorher ja etwas gelernt, viele sind zurück in den Beruf. Arbeiten von 9 bis 5, fünf statt sieben Tage. Die Preise steigen jetzt schon, Veranstalter kommen nicht auf die schwarze Null. Und aus der Förderung ist man schnell raus, da wurde viel mit heißer Nadel gestrickt von Beamten. Man kann vom Ochsen eben keine Milch erwarten. Auch wir haben alles beantragt, was geht, aber keine Zusagen bekommen. Und der Stadtgarten ist dann doch ziemlich klein. Das Festival wird ein Minusgeschäft werden. Es gibt noch eine Bundesförderung, aber die können wir erst danach beantragen.

Wird es ein 30. Aalener Jazzfestival geben?

Wir denken schon an den Runden, da war schon einiges angeschoben, manches wurde wieder abgesagt. Bobby McFerrin etwa ist schwer erkrankt. Wir arbeiten dran und hoffen, dass wir von weiteren Varianten des Virus verschont werden. Das Aalener Jazzfest steht für was, aber nicht nur für die Big Names. Es gibt begrenzte Kapazitäten. Und wenn die Stadthalle bisher stehend ausverkauft war, dann waren in den allermeisten Fällen wir daran beteiligt. Wir werden versuchen, das 30. Aalener Jazzfest durchzuführen. Aber die Anpassung an die Normalität geht sukzessive.

Programm 29. Aalener Jazzfest im Stadtgarten

Die Zeiten sind die konkreten Angaben für den Beginn der Konzerte. Die Einlasszeiten sind auf der Homepage kurz zuvor auf der Homepage www.aalener-jazzfest.de und in dieser Zeitung zu lesen. Die Karten gibt es ebenfalls auf der Homepage und in Hugs Weinkontor in der Bahnhofstraße 78 in Aalen.

Open Air im Stadtgarten Aalen
Freitag, 2. Juli, 19 Uhr: Roman Spilek feat. Kim Hofmann Acoustic Trio, danach Milow.
Samstag 3. Juli, 17 Uhr: Rumba-Lotte, Marla Glen, The Legendary Ghetto Dance Band.

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