Es spukt im Schloss Untergröningen

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Pure Ironie: „Such a lovely place“ von Robert Matthes.
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Mit „Fantasma“ hat KISS-Kuratorin Heidi Hahn eine wahrlich fantastische Schau an Bildern, Plastiken und Installationen zusammengestellt.

Abtsgmünd-Untergröningen. Es spukt in Untergröningen. Schuld daran ist Heidi Hahn. Die Kuratorin des Kunstvereins KISS hat ein „Fantasma Gebräu“ zusammengemischt, das einem die Sinne rauben kann. Zumindest sie zu verwirren vermag. Die Ausstellung mit rund 200 Arbeiten von 30 Künstlerinnen und Künstlern wird am Donnerstag, 7. April, eröffnet.

     „Es spukt in Untergröningen“, steht auf der Flasche mit dem leicht trüben „Fantasma Gebräu“. Ob ein Schluck daraus die Sinne weitet, oder wie ein LSD-Trip das geistige Auge auf Fantasmen aller Art öffnet, werde ich vorsichtshalber erst testen, wenn diese Vorschau geschrieben ist. Ob sich bei einem Gang durch die Flure und Räume des Schlosses das versprochene „Gänsehaut-Feeling“ eingestellt hat? Ja! Nicht nur weil die Bilder, Plastiken und Installationen sich immer wieder als Trugbilder, als Illusion, als mythische Symbole erweisen. Ständig dröhnt, klappert, schlägt etwas auf und zu - eine ebenso befremdliche wie nervende Kakophonie.

Augen und Ohren müssen auf der Hut sein, damit das Gehirn bei der Stange bleibt. Ein besonders begnadeter Radaubruder ist der Franzose Daniel Depoutot. Er lässt nicht nur Skelette ihre grotesken Totentänze aufführen, sondern „El Diavolo!“, eine dunkelrote Liegestuhlkonstruktion, die sehr an ein Folterwerkzeug erinnert, laut klappen - sofern jemand auf einen Schalter am Türrahmen drückt. Das Unheimliche müssen wir schon selbst in Gang setzen. Wie es eben in allen seinen hier gezeigten Ausformungen eine Kopfgeburt ist. Fantasie verwandelt sich in Realität, die prägende Metamorphose dieser Schau des Grotesken und Absurden, des Schaurigschönen und schön Schaurigen.

Wie alles durcheinandergerät und zuvor nicht Gesehenes zusammenfügt zeigen exemplarisch die ironiegesättigten brillanten Fotocollagen von Uwe Ditz. Das gilt ebenso für das großformatige Tafelbild „Such a lovely place“ von Robert Matthes. Der an der Universität Duisburg-Essen lehrende Maler hat sich dazu vom Schicksal des französischen Jesuitenpredigers Nicolas Beauregard inspirieren lassen, der nach der französischen Revolution im Schloss Untergröningen seine letzte Zufluchtsstätte gefunden hat. Auf dem Bild sitzt er als Leidensgestalt links in einer Kammer, um die herum sich ein farblich und formal überbordendes Treiben eines fantastischen, ambivalenten Figurenarsenals tummelt. Lust und Schrecken gehen Hand in Hand.

   Viel gäbe es noch zu erwähnen; wie die gehäkelten schwarzhumorigen Märchengestalten von Patricia Waller, die hoch begehrte großformatige Ölmalerei von Anna Bittersohl, für die vor allem der Malprozess selbst wichtig ist, oder die monumentalen, landschaftlichen, einfach atemberaubenden Papiercollagen der Basler Künstlerin Sabine Hertig. Nicht zu vergessen die fesselnde holografische Installation des Abtsgmünders Daniel Bengesser, und die Lichtrauminstallationen des Pioniers Manfred P. Kage. Wären da noch die beiden Augen, die einen aus der Schwärze des Katalogcovers so intensiv wie unergründlich ansehen. Sie hat Richard Allrich aus München fotografiert.

 

Info: Die Ausstellung FANTASMA wird am Donnerstag, 7. April, 19.30 Uhr eröffnet. Sie ist bis 31. Juli Sa 14-18 Uhr, So + Feiertag 11-18 Uhr geöffnet. Sie wird durch ein großes Begleitprogramm ergänzt, Näheres dazu auf www.kiss-untergroeningen.de       

„Promises“ - eine Fotocollage von Uwe Ditz, in der er die Realität konterkariert.

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