Feuer und Eis, kalt und warm: So jazzt das ADHD-Quartett

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ADHD aus Island eröffneten den Gschwender Musikwinter 2021. Mit Omar Gudjonsson an der Gitarre und dem Bass, seinem Bruder Oskar am Saxofon, Magnus Trygvason Eliassen am Schlagzeug und David Por Jonsson an den Keyboards, der Gitarre und dem Bass.
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Das ADHD-Quartett aus Island ist zu Gast beim Gschwender Musikwinter. Die ungewohnte Musik gefällt nicht allen.

Gschwend

Vor genau einem Jahr startete der 34. Gschwender Musikwinter mit dem Enrico Rava Quartett und Jazz aus dem Süden. Danach versank der Musikwinter im Live-Stream.

Dieses Jahr begann die traditionelle Gschwender Kulturveranstaltung mit coolem Jazz aus dem hohen Norden. Das ADHD-Quartett um die Brüder Omar (Gitarre, Bass) und Oskar Gudjonsson (Saxofon) mit Magnus Trygvason Eliassen am Schlagzeug und David Por Jonsson (Keyboard, Gitarre, Bass) brachten einen Jazz, der in Rhythmus, Riffs und Sound verschlungene Pfade geht.

Die Musik ist, wie man sich Island vorstellt. Gegensätzlich wie Feuer und Eis. Mal kalt, dann wieder in warmen melodiösen Strömen, mal thermisch angeheizt, dann wieder das Knacken und Brechen des Eises im Wintermeer aufnehmend. Das Quarett ließ seine Musik sprechen, spielte in einem Stück, ohne Pause, kommunizierte ausschließlich durch die Musik. Eine ungewohnte Musik. Von den Begeisterungsstürmen des Publikums, von denen im Programm geschrieben wird, war – zumindest in der ersten Stunde – nichts zu vernehmen. Obwohl so manche Besucherin sich mit geschlossenen Augen, Gedanken verloren und vielleicht sogar träumend, der Musik hingab, verließen andere nach einer Stunde den Gemeindesaal in Gschwend.

Wie stellt man sich isländische Jazzer vor? Das war eine der Fragen, die sich vor dem Konzert auftat. Sind es Wikinger, die mit ihren Instrumenten umgehen wie ihre Vorfahren mit Lanze und Schwert?

Tatsächlich erinnern die Brüder und Gründer der Band Omar und Oskar Gudjonsson äußerlich, mit ihren wilden Bärten, ein wenig an die wilden Gesellen. Omar trug Mokassins an den Füßen, seine Strümpfe hatte er über die Hosenbeine gezogen. Mit der Gitarre stand er keinen Moment ruhig, sondern schritt mit wippenden Knien über die Bühne, als wate er durch hohen Schnee. Oder wandele vorsichtig über die zarten Flechten, bemüht, sie in ihrem Frühjahrswachstum nicht zu stören. So klang auch die Musik. Mal wie Wildwasser, das zur Schneeschmelze dem Meer zuströmt, mal wie ein winterlicher Eisdom. Dann wieder ein ausbrechender Geysir, danach ein Lavastrom, der sich mit den anrollenden Brechern des Nordatlantiks vermengt. Irgendwie naturbelassen andererseits melancholisch. Im wilden, nicht vorhersehbaren Wechsel.

Die kleine Tournee der Band endete am Samstag in Gschwend. Bereits am Sonntag saß das Quartett im Flugzeug nach Reykjavik.

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