Feuerwerk der Sinne auf Schloss Kapfenburg

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Sonntagsmatinee auf Schloss Kapfenburg

Musiker und Musikerinnen der JPO gestalten am Sonntag hinreißende Matinee

Lauchheim. Tango – das waren nicht nur die drei Schlussstücke der fünf jungen Musikerinnen und Musiker der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg – Tango war vor allem Bekenntnis, denn „tango = ich berühre“ war Intention und Vision der fünf jungen Künstler zugleich. Berührend war das Programm, das sich die fünf am Sonntag auf der Kapfenburg selbst auf den Leib geschneidert hatten und das elektrisierend Spannung zwischen Evergreen und hochemotionalen Stücken aufbaute.

Wozu ein Orchester, wenn Jörg Hoffmann das Akkordeon auspackt? Ihm gelang die Ouvertüre zu Rossinis „Die diebische Elster“ sehr frisch, mitunter schien eine lebhaft-italienische Tarantella zu beflügeln. Der Wechsel zwischen Diskant und Bass und zahlreiches Echo im Decrescendo machten das erste Stück der Matinee zu einem echten Amuse gueule. Komplett anders war Albinonis Sonata IV: Philipp Mosers Geige und Anna-Luisa Kächeles Cello „sangen“ ein hochemotionales Duett, wobei die Schönheit von Harmonien voll ausgekostet wurde und auch im Allegro das Tempo zugunsten eines instrumentalen „Belcanto“ zurückgenommen wurde. Romantik pur kredenzten Jörg Hoffmann, Anna-Luisa Kächele und Philipp Moser in Mendelssohns Klaviertrio d-moll. Die Klavierfiguren perlten wunderschön, Akzentuierungen waren klar herausgearbeitet. Zunächst gab das Klavier die Richtung vor, bis im weiteren Verlauf Pizzicati drängender wurden und schließlich alle drei Musiker in leidenschaftlicher Romantik nachdrücklich gestalteten. Ganz bestimmt zu den Höhepunkten des Konzerts gehörte die Gesangseinlage von Anna-Luisa Kächele mit „Je veux“ von Zaz. Mit Baskenmütze und einem Maximum an Légèreté gestalteten Hoffmann und Kächele das moderne Chanson. Anna-Luisa Kächele wartete nicht nur mit einer im besten Sinne voluminösen Stimme auf, sondern spielte auch noch eine simple Tröte meisterlich. Ihr stand Jörg Hoffmann bei seiner selbst begleiteten Gesangseinlage „Regentropfen-Tango“ in nichts nach: Man fühlte sich bei seinem Vortrag an die herrlichen Gesangstalente der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Nach einem Albeniz-Tango mit etwas Kompetenzgerangel der Tanzenden versammelten sich alle vier Streicher, nun erstmals auch Cosima Hermann (Violine) und Jakob Rüttinger (Cello), zu einem atemberaubend leidenschaftlichen Libertango von Piazolla. In allen Lagen und von allen Musikern gemeinsam wurde ein Feuerwerk der Emotionen abgebrannt. Ein ohnehin beherztes Tempo konnte noch gesteigert werden, Glissandi befeuerten die prickelnde Sinnlichkeit zusätzlich. Selbstredend schenkten die jungen Musiker dem Publikum eine Zugabe von Piazolla: Dieses Mal war sogar das Akkordeon inmitten der Streicher dabei. Ein Konzert, das man mit einem begeisterten „Wow!!“ kommentieren möchte.

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