„Figure Humaine“ feiert französische Liedkunst

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Wie der Stuttgarter Kammerchor in Schwäbisch Gmünd sein fünfjähriges Bestehen feiert.

Schwäbisch Gmünd. Der Stuttgarter Kammerchor „Figure Humaine“ feierte in Schwäbisch Gmünd sein fünfjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass zelebrierten die Sänger mit ihrem Chorleiter Denis Rouger ein Jubiläumskonzert, das das Publikum verzückte.

2016 gründete der Dirigent den Kammerchor Figure Humaine. Seither trat er auf namhaften Festivals mit Konzerten auf. Unter anderem eröffnete er mit seinem Chor 2018 das Europäische Kirchenmusikfestival in Gmünd.

Statt eines voluminösen Programmheftes, das nicht rechtzeitig zum Konzert ausgeliefert wurde, hatten die Veranstalter kurzerhand ganz zeitgemäß einen QR-Code zur Verfügung gestellt, der Programm und Liedtexte einsehbar machte. Verzichten mussten die Konzertbesucher leider auf die Moderation der SWR2-Radiojournalistin Katharina Eickhoff, die erkrankt war. Also stand der Abend fast vollständig im Bann der Musik, Musikgenuss pur ohne verbindende gesprochene Überleitungen.

Der erste Teil des Konzerts war dem französischen Kunstliedgut aus dem 19. und 20. Jahrhundert gewidmet. Henri Duparc eröffnete mit einer Einladung zu einer Reise. Unter den Händen von Katharina Schlenker brandeten musikalisch die Meereswellen auf. Der Bösendorfer brachte das Rauschen des Meeres lautmalerisch zu Gehör.

Eine ca. 150 Jahre spätere Komposition der „L’invitation au voyage“ von Yves Castagnet leitete den zweiten Teil des Abends ein. Sie weckte Sehnsucht, zu reisen.

Dem Chor gelang es, die Erdenschwere zu überwinden. Ein Gesamtklang betörte das Auditorium, so dass es gelingen konnte, Sorgen und Mühsal zu vergessen und sich ganz dem erhebenden Gesang hinzugeben. Und das, obwohl die Lieder eine traurige Stimmung verströmten. Ein „melancholischer Abend am Meer“ von Camille Saint-Saëns, „Liebestraum“ und „das Lied des Fischers“ von Gabriel Fauré oder Duparcs Chanson triste, das die gedrückte Stimmung bereits im Titel enthält.

In George Bizets Adieux verzaubert der Sopran von Hannah Gries. Faurés Dschinnen mit Staccatogesang und einfühlsamem Dialog zwischen Piano und Teilen des Chores im Wechsel lassen aufhorchen. Hannah Gries brilliert in Clara Schumanns „stiller Lotosblume“ und „Warum willst Du andre fragen“. Zum frohlockenden Duett finden sich Sopran und Alt von Sera Amir-Karayan in Jacques Offenbachs Baccarolle, dem einzigen heiteren Beitrag des Abends.

Den besonderen Ohrenöffner bildeten die geistlichen Gesänge des 1957 geborenen Stuttgarter Komponisten Axel Ruoff in zeitgenössischer Musiksprache. Zur Uraufführung kam dessen Feuerreitervertonung nach Mörike. Farbige Pianobegleitung, bedrohlicher Rossgalopp enden in der Brandkatastrophe der Mühle und. Großartig gesungen!

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