Figuren an der Grenze zum Abstrakten

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Rudolf Kurz (rechts) bedankte sich für die Vernissage-Feier in der Remise von Schloss Ellwangen. Foto: wi
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Ausstellung zum Jubiläum von Rudolf Kurz in Ellwangen mit Vortrag und Musik eröffnet.

Ellwangen. Im Schloss ob Ellwangen begrüßte der Vorsitzende des Kunstvereins, Roland Hasenmüller, an die 100 Gäste in der offenen Remise, wohin die Eröffnungsmatinee der Rudolf-Kurz-Ausstellung verlagert wurde. Bildhauerischen Werke des Ellwanger Künstlers sind seit Sonntag bis 18. September in den Räumen des Kunstvereins zu sehen.

Ziemlich genau vor zehn Jahren gab es schon mal eine Werkausstellung von Rudolf Kurz, ebenfalls zum runden Geburtstag wie jetzt zum 70, ebenfalls gemeinsam organisiert von Kunstverein und Stadt und auch mit dem Tübinger Theologen Professor Karl Josef Kuschel als Vernissage-Redner.

Kuschel ist mit Rudolf Kurz befreundet, der Theologe und Publizist begleitet das Schaffen des bildenden Künstlers seit langem. Seine Rede am Sonntagvormittag hat Kuschel konzentriert auf vier Themen.

Zuerst: Der Gekreuzigte wird als Torso dargestellt, was ihn sehr stark beeindruckt habe: „Die Schlachthäuser unserer Zeit verstümmeln auch ihn,“ so Kuschel. Eine Version dieses Gekreuzigten-Torso ist in der Ausstellung zu sehen. Der Auftrag die Erinnerung an die Opfer der industriellen Vernichtung sei ein weiteres Thema, das Rudolf Kurz gemeinsam mit seinem Sohn beispielhaft und mit großer Kunst in der Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen bearbeitet hat.

Ökumenische Kraft der Kunst

Drittes Thema: Glasarbeiten, mit denen Kurz sich unter anderem der Bewahrung von „Lebenszeichen in dunkler Zeit“ widmet, etwa in der Kirche in Horb-Hohenberg mit Zeichnungen von Edith Stein, Johann Babtist Sproll, Eugen Bolz und anderen auf Glas.

Als viertes Thema wies Kuschel auf die vielen Werke für, an und in Kirchen hin, die Rudolf Kurz gestaltet hat. Als Beispiel interpretierte er die Tür der evangelischen Stadtkirche in Langenburg, auf der in Bronze der brennende, aber nicht verbrennende Dornenstrauch materialisiert ist. Dass der katholische Bildhauer die Tür einer evangelischen Kirche gestaltet hat, sah Kuschel auch als einen Hinweis auf die ökumenische Kraft von Kunst und Künstler.

Im luftigen Ambiente der Remise rahmte ein Duo die Veranstaltung. Jörg Wildmoser (Geige) und Alex Bayer (Kontrabass) brachten sanften und  auch sehr schwungvollen Jazz und als Crossover das Beethoven-Thema „Freude schöner Götterfunken“ in klassischer Manier und in gleicher Besetzung in einer virtuosen Jazz-Fassung. 

Die Ausstellung im Residenzgebäude sieht man nur Skulpturen, aus dem Stein gearbeitet, auch Collagen unterschiedlicher Materialien. Die meisten Werke sind bezeichnet: Hängender Torso, Sitzende Figur, Torso. Die Stücke sind figürlich und konkret zu erkennen, wenn man sich darauf einlässt; die Grenze zum Abstrakten ist nahe. ⋌

⋌⋌Rainer Wiese

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