Filmjournalist Knut Elstermann in Gmünd: Kinder auf Augenhöhe mit dem Film

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Knut Elstermann ist am Freitag zu Gast beim Kinder-Kino-Festival.
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Knut Elstermann kommt an diesem Freitag zum Kinder-Kino-Festival nach Schwäbisch Gmünd. Der Filmjournalist berichtet über junge Darsteller bei der DEFA.

Schwäbisch Gmünd. In Schwäbisch Gmünd dreht sich in dieser Woche beim 28. Kinder-Kino-Festival (Kikife) alles um den Kinderfilm. Wie immer suchen die Veranstalter auch den Blick über den Tellerrand hinaus. Zu Gast ist am Freitag der Berliner Filmjournalist und Buchautor Knut Elstermann.

Was macht einen guten Kinderfilm aus?

Elstermann : Er sollte nicht von oben herab und belehrend sein. Er sollte die Kinder nicht unterschätzen, sondern einen Dialog auf Augenhöhe führen, um gemeinsam die Welt zu entdecken.

Es geht um das Buch „Früher war ich Filmkind: die DEFA und ihre jüngsten Darsteller“. Sie haben 14 junge Darstellerinnen und Darsteller befragt. Was hat Sie dabei am meisten beeindruckt?

Bei der DEFA gab es die Regel, dass Kinder nur einmal eine Hauptrolle spielen dürfen. Kinderstars sollte es nicht geben. Nach der herausgehobenen Position im Film mussten sie wieder zurück ins „normale“ Leben. Diese Vorgabe ist nicht ganz schlecht.

Gibt es Beispiele?

Bei den meisten Kindern gab es keine Probleme. Ich erinnere mich an den Film „Dicke Tilla“. Die Hauptdarstellerin Carmen Sarge ist heute Pastorin, zeigt den Film gelegentlich in ihrer Gemeinde. Nur einmal war es anders. Für die Darstellerin von „Sabine Kleist - 7 Jahre“ ist die Filmcrew zur Ersatzfamilie geworden. Das hat sie danach nicht so gut verkraftet.

Wie unterscheiden sich DDR-Produktionen von West-Produktionen?

Die DEFA war ein ein Planbetrieb, von den 16 Kinofilmen im Jahr mussten 4 bis 5 Kinderfilme gedreht werden. Das gab den Mitwirkenden eine große Sicherheit und eine Kontinuität des Kinderfilms überhaupt. So was gibt es im Westen nicht und es ist manchmal traurig, was hier als Kinderfilm läuft.

An welche DDR-Produktion erinnern Sie sich gerne, an welche weniger?

Die DEFA hat das Genre des realistischen Märchens gepflegt. „Moritz in der Litfaßsäule“ ist ein DDR-Kinderfilm aus dem Jahr 1983. Regie führte Rolf Losansky, der schon mal beim Kinderkinofestival in Schwäbisch Gmünd war. Moritz beschließt in diesem Film, von zu Hause auszureißen. Er findet Unterschlupf in einer Litfaßsäule. Dort wohnt eine sprechende Katze. Ein interessanter Kinderfilm.

Seit Anfang der 90er sind Sie selbst Filmkritiker beim RBB und MDR Worauf achten Sie als Jurymitglied beim 28. Kikife ganz besonders?

Ich freue mich schon auf Schwäbisch Gmünd und das Kinder-Kino-Festival. Man sieht ja nicht oft so eine geballte Ladung an Kinderfilmen. Das Kinderpublikum zu erleben ist auch schön, die jungen Leute haben einen nicht unkritischen Blick.

Sie haben Erfahrungen vor und hinter der Kamera gesammelt, sind als Filmkritiker gefragt. Was macht am meisten Spaß?

Ich bin ja Filmjournalist und moderiere gerne Gespräche mit Filmemachern. Ich habe eine Reihe von Fernsehdokumentationen gemacht, schreibe gerne, auch Bücher. Das neueste Werk “Im Gespräch: Knut Elstermann befragt ostdeutsche Filmstars“ ist vor dem Hintergrund „75 Jahre DEFA“ entstanden.

Beim Kikife dreht sich alles um Kinder und die Filme für sie. Was geben Sie dem jungen Publikum mit auf den Weg?

Ich freue mich erst einmal, wenn Leute kommen, wenn Interesse am Ost-West-Geschehen besteht. Tipps für die Kinder bringe ich nicht mit, das wirkt zu schulmeisterlich und ich denke, Kinder haben eine starke Medienkompetenz.

Lesung: „Früher war ich Filmkind: die DEFA und ihre jüngsten Darsteller“ am Freitag, 22. Oktober um 17 Uhr im Brazil-Kino im Rahmen des Kinder-Kino-Festivals. Der Eintritt ist frei. Der Filmjournalist Knut Elstermann hat 14 einstige Filmkinder befragt: wie sie zum Film kamen, wie die Arbeit mit den Regisseuren aussah, vor allem aber, wie ihr Leben nach dem Film verlief. Bilder von den Dreharbeiten erlauben einen Blick hinter die Kulissen, und zahlreiche Filmfotos erinnern an Filme, die Millionen Zuschauer bewegten.

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