Fotografien, die von Leben erzählen

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Im Künstlergespräch mit den Kuratorinnen Nadja Masri (l.) und Silke Schwab-Krüger (r.): Die Künstler und Künstlerinnen Toby Binder, Magdalena Stengel, Eva Zanetti, Alina Simmelbauer, Jana Sophia Nolle und Natalia Kepesz. Nicht vor Ort waren Rebecca Samps
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Die Ausstellung „Lebenswelten“ des Kunstvereins Ellwangen stößt auf große Resonanz. Zur Eröffnung sind sechs der acht Ausstellenden zugegen und sprechen über ihre Werke.

Ellwangen

Als Kunstvereinsvorsitzender Roland Hasenmüller zur Begrüßung anhob, entfuhr ihm ein „Wow“: Zur Vernissage der neuen Ausstellung „Lebenswelt - Acht fotografische Positionen“ in den Räumendes Kunstvereins im Schloss tummelte sich am Sonntagmittag eine Menge an Menschen, wie es seit zwei Jahren nicht mehr der Fall war.

Vor ziemlich exakt zwei Jahren hatte man eine geplante Vernissage aufgrund der aufkommenden Pandemie in letzter Minute abgesagt. Nun freue er sich über das Treffen „in echt und mit Augenkontakt“, so Hasenmüller. An Impfnachweis und Maskenpflicht sei man schließlich längst gewöhnt. Eine Ausstellung mit Fotografien, die Lebenswelten zeigten, könne aktueller nicht sein mit Bezug auf die uns alle treffenden Veränderungen durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine.

Bürgermeister Volker Grab lobte das museumspädagogische Begleitprogramm, das die Kuratorinnen Nadja Masri und Silke Schwab-Krüger erstellt haben. So gibt es ein Booklet mit viel Wissenswertem für Jugendliche, ein Ausstellungsquiz für Kinder und einen Fotowettbewerb „Zeig uns deine Lebenswelt“, bei dem Kinder und Jugendliche ihre Werke bis zum 8. Mai einreichen können. „Kinder sehen vieles, was wir Erwachsenen nicht mehrwahrnehmen. Sie staunen noch über die Welt“, sagte Grab.

Zur Vernissage waren sechs der acht Ausstellenden persönlich angereist, aus Berlin, München oder Bremen, um ihre Arbeiten im Künstlergespräch vorzustellen. „Fotografie erzählt Geschichten, berührt uns. Und sie fordert unsere Bereitschaft, uns mit anderen Lebenswelten auseinanderzusetzen“, sagte Silke Schwab-Krüger. Die Ausstellung werfe viele Fragen auf, „die sich alle um uns drehen: Es geht um die Vielschichtigkeit des Menschen“, ergänzte Nadja Masri. „Nur wenn wir akzeptieren, dass wir unterschiedlich sind, können wir miteinander auskommen.“

Wie tiefgreifend das mancherorts nicht gelingt, beobachtete Toby Binder bei seinen Besuchen von Kindern in Belfast, Nordirland, wo zwischen Katholiken und Protestanten noch immer eine Kluft bestehe.

„Vielleicht schaffen es die Bilder, Stereotypen zu überwinden“, sagte Magdalena Stengel über ihre Arbeit „+/- 100“, bei der sie Hundertjährige besucht und fotografiert hat, die agil, witzig und lebensfreudig wirken. Jana Sophia Nolle hat sich mit Obdachlosigkeit beschäftigt. „Wir können mit unserer Fotografie auf Themen hinweisen“, sagte sie.

Für Eva Zanettin, die in „Womanhood“ Identitätsfragen nachgeht, ist es wichtig, mit den Menschen, die sie fotografiert, eine „reale Beziehung einzugehen“, um Vertrauen zu bilden. Ihre Fotos seien wie ein Spiegel, sich selbst zu erkennen.

Alina Simmelbauer ging in ihrer Arbeit „Garcias Tochter“ auf Spurensuche in ihrer eigenen Vergangenheit, machte ihren Vater in Kuba ausfindig, der als Vertragsarbeiter in den 80er-Jahren in der ehemaligen DDR gelebt hatte. Natalia Kepesz besuchte für ihre Arbeit „Niewybuch“ Kinder in Polen, die in einem Ferienlager im Militärcamp Krieg spielten. Den spielerischen Ansatz hält sie für falsch: „Denn so lernen die Kinder früh, Krieg als mögliche Lösung zu verstehen.“

Sybille Fendts Arbeit „Holzbachtal, nothing, nothing“ und Rebecca Sampsons „Apples for Sale“ erweitern das Spannungsfeld der Ausstellung um die Dimension „Migration“. Damit gibt „Lebenswelt – Acht fotografische Positionen“ reichlich Anlass, zu hinterfragen, zu beobachten und zu diskutieren.

Öffnungszeiten: Samstag 14 – 17 Uhr, Sonn- und Feiertag 10.30 – 16.30 Uhr, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 22. Mai, Mehr dazu unter www.kunstverein-ellwangen.de  

Die Kuratorinnen Silke Schwab-Krüger (l.) und Nadja Masri vor Bildern Rebecca Sampsons "Apples for sale".
v.l.: Die Kuratorinnen Nadja Masri, Silke Schwab-Krüger und Kunstvereinsvorsitzender Roland Hasenmüller.
Im Künstlergespräch mit den Kuratorinnen Nadja Masri (l.) und Silke Schwab-Krüger (r.): Die Künstler und Künstlerinnen Toby Binder, Magdalena Stengel, Eva Zanetti, Alina Simmelbauer, Jana Sophia Nolle und Natalia Kepesz. Nicht vor Ort waren Rebecca Samps
Bilder von "Niwybuch", Arbeiten von Natalia Kepesz
Großer Andrang herrschte bei der Vernissage von "Lebenswelt - Acht fotografische Positionen", der neuen Ausstellung des Kunstvereins Ellwangen.

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