„Frankenstein“ emotional inszeniert

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Beim Aalener Stadttheater öffnet sich wieder der Bühnenvorhang - mit einer Neuproduktion.

Aalen.Beim Aalener Stadttheater beginnt in der nächsten Woche die Saison. Mit Corona-Auflagen, aber immerhin öffnet sich wieder der Bühnenvorhang. Er freue sich, dass das Theater wieder zum Thema in der Stadt werde, betont Intendant Tonio Kleinknecht. „Wir sind wieder da und versichern zugleich, das Theater ist für alle Besucher ein sicherer Ort.“

Dank Corona-Hygieneregeln mag man anfügen, derweil Dramaturgin Tina Brüggemann bereits zur ersten Premiere am 2. Oktober entführt. Passend zu den für alle nach wie vor schwierigen Zeiten? Immerhin soll es Horror pur sein: „Frankenstein“! Die beiden Theatermacher Jonathan Giele und Marco Kreuzer winken ab, denn was sie inszenieren wollen, ist keine Adaption von James Whales Schwarz-weiß-Film von 1931 und schon gar nicht Ishiro Hondas Frankenstein Filmserie, sondern, wie Giele versichert, ein eng an die Originalvorlage angelehntes Theaterstück. Danach versucht Victor Frankenstein mit zweifelhaften Methoden den Tod zu besiegen. Er erschafft aus Leichenteilen eine lebendige Kreatur. Doch dann erschrickt er selbst vor seiner Schöpfung und verleugnet sie mit tödlichen Folgen für alle, die ihr begegnen.

Die englische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte 1818 erstmals ihren Roman. Darin erzählt sie die Geschichte des jungen Wissenschaftlers Viktor Frankenstein, der heimlich einen künstlichen Menschen erschafft. Der erfolgreiche Schauerroman habe rasch einen großen Einfluss auf Literatur und Populärkultur gehabt, weiß Marco Kreuzer. Bei der Inszenierung wird er insbesondere für auf vier Leinwänden zu sehenden Videoprojektionen verantwortlich zeigen, die das Publikum in die unterschiedlichsten Szenen entführen und zugleich für Atmosphäre sorgen werden. Eine gewisse Referenz an die alten Scherenschnittfilme will Giele dabei nicht verhehlen, ohne allerdings allzu viel zu verraten. Auch dass durchaus ein bisschen Horror mitschwingen werde.

Während Tina Brüggemann alles unter der Überschrift „Ästhetischer Zugriff“ bündelt, wird es den drei Schauspielerinnen und Schauspielern Margarete Lamprecht, Alice Katharina Schmidt und Arwid Klaws überlassen sein, die Intention der beiden Regisseure überzeugend auf die Bühne zu bringen. Ein bisschen Horror ja, aber kein Schocker - ein kleiner Nebeneffekt wie auch die gerne auf die Bühne gehievte Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft.

Marco Kreuzer gibt die Richtung an: „Es ist eine wahnsinnig emotionale Geschichte, von Menschen, die versuchen, das Richtige zu tun, aber dran scheitern.“ Eine Ambivalenz, die Jonathan Giele noch erweitert, etwa unter anderem um Einsamkeit und Anerkennung. Herbert Kullmann

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