Elias Opferkuch: Für ihn zählen nicht nur die Siege

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Elias Opferkuch hat einen internationalen Wettbewerb gewonnen. Eingespielt wurde sein Beitrag auf Video, in einem zweiten Beitrag als Finalist musste er dann ohne Pause und Schnitt spielen.
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Der Pianist Elias Opferkuch hat einen internationalen Online-Wettbewerb gewonnen. Was das bedeutet, wie diese Wettbewerbe ablaufen und welche Pläne er verfolgt.

Lübeck

Sich weiterentwickeln und messen. Gewinnen. Manchmal dabei auch nicht der erste sein. Das gehört seit vielen Jahren zu seinem Musikerleben. Nun hat sich der aus Aalen stammende Pianist Elias Opferkuch erneut einen Preis erspielt. Beim internationalen Aegio-Piano-Wettbewerb in der Artist Category der 19 bis 31-Jährigen. Ein internationaler Online-Wettbewerb, an dem Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt teilgenommen haben. Elias Opferkuch spielte seinen Wettbewerbsbeitrag in Lübeck ein, wo er momentan im Bereich Kammermusik studiert.

„Zur Zeit finden viele Wettbewerbe online statt“, sagt der 25-jährige Pianist. „Für mich sind diese Wettbewerbe eine Möglichkeit, Ziele zu haben.“ Ansprüche an sich selbst zu entwickeln, Fortschritte zu erleben. Auf Konzertbühnen kann das Elias Opferkuch wegen der Corona-Pandemie wie fast alle seiner Kolleginnen und Kollegen aktuell nicht. Allerdings stehen für ihn schon zwei weitere Wettbewerbe an, auf die er sich vorbereitet. „Im Juni fliege ich nach Verona und im Juli nach Barcelona.“ In Verona werde sein Beitrag vor Ort aufgezeichnet, in Barcelona spielt er dann beim Maria Canlas-Wettbewerb vor kleiner Jury tatsächlich mal wieder live. „Es ist einer der wichtigsten Wettbewerbe in Spanien“, erklärt Elias Opferkuch dazu.

Online-Wettbewerbe: die Vor- und die Nachteile

Herausforderungen sind die Wettbewerbe alle, ob nun online oder live vor der Jury, sagt der Musiker. Auch wenn diese Herausforderungen jeweils etwas anders sind. Für den Aegio-Wettbewerb spielte Elias Opferkuch zunächst erst einmal 20 Minuten ein. Am Stück, ohne Schnitt. „Dann wurden die drei Finalisten ausgewählt“, erklärt er. Für dieses Finale spielte der Pianist dann eine Stunde am Stück. Wiederum ohne Schnitt. Kein Zwischenapplaus, kein kurzes Durchatmen, wie bei einem Livekonzert. Ludwig van Beethovens Klaviersonate op. 101, die Dante-Sonate von Franz Liszt und die „Drei Sätze aus Petruschka“ von Igor Strawinsky. Anders als beim Konzert, könne man eine Aufnahme zurückspulen. Fehler seien damit, anders als beim Konzert schnell vergessen, hier verewigt. „Für mich war Beethoven am heikelsten. Denn bei Beethoven hört man jeden Fehler“, sagt Opferkuch. Online schwinge immer die Möglichkeit mit, ein Stück einfach noch mal zu wiederholen: „Das ist vor allem auch eine mentale Herausforderung. Wenn die ersten beiden gut gingen und man macht beim dritten einen Patzer, dann muss man sich schon überlegen, spiele ich weiter oder fange ich noch einmal von vorne an“, erklärt Elias Opferkuch. Das ginge beim Konzert natürlich nicht.

Den Plan A trotz „riesiger Konkurrenz“ weiter verfolgen

Offenbar lief die Handyaufnahme ohne jeden Schnitt im Klassenraum der Lübecker Musikhochschule mit einem von einem Freund geliehenen Mikrofon aber sehr überzeugend. Elias Opferkuch setzte sich damit gegen die anderen Wettbewerbsteilnehmer aus der ganzen Welt, besonders aus dem asiatischen Raum, durch.

Dass es so viele Online-Wettbewerbe gibt, ist neu. Für Musikerinnen und Musiker wie Elias Opferkuch sind sie eine zusätzliche Chance, sich so auch international einen Namen zu machen. „Man hat dadurch viele Möglichkeiten, kann sich Flug und Hotel sparen“, sagt der Pianist. „Aber ich freue mich auch, wenn das vor Ort wieder losgeht.“ Denn trotz der Vorteile der Online-Wettbewerbe - der Kontakt mit anderen Musikerinnen und Musikern, mit den Jurymitgliedern, fehlt. Kontakte zu knüpfen, ist wichtig, weil daraus auch Engagements resultieren, erklärt Opferkuch. Diese und Preise von Bedeutung, wenn man eine internationale Karriere anstrebt. Denn die Konkurrenz ist riesig, sagt Opferkuch.

Mit einem Engagement verbunden sei auch der Aegio-Wettbewerb. „Zumindest stand das auf der Website“, sagt der Gewinner. Wie und wo er spielen wird, weiß er aber noch nicht.

Früh geht es los: zwischen neun und zehn Stunden Spielen am Tag

Sicher dagegen ist, dass Elias Opferkuch in zwei Wochen seine Bachelor-Prüfung in Lübeck absolvieren wird. „Das läuft in Präsenz und mit ganz viel Abstand“, sagt er. Zweimal eine dreiviertel Stunde lang muss er dafür vorspielen. Beethoven, die Dante-Sonate, Schumann, Tschaikowski. „Aber auch kleinere und modernere Stücke gehören dazu“, sagt Elias Opferkuch. Etwa neun bis zehn Stunden täglich übt er für all das. „Immer zwei Stunden am Stück, dann gibt es 15 Minuten Pause. Ich fange morgens früh an, damit ich abends früher entspannen kann.“ Anstrengend sei das Spielen vor allem für den Kopf, nicht für die Finger. Und stehe ein Wettbewerb an, schalte der Körper ohnehin in den Wettbewerbsmodus um. „Dann ist man noch konzentrierter“, sagt Elias Opferkuch.

Nach seinem Bachelor geht es für den Musiker mit dem Masterstudium weiter. Und damit dem Plan A einer Karriere als Pianist. Denn einen Plan B, den hat er im Moment nicht. „Wenn man einen Plan B hat, dann verfolgt man den Plan A nicht mehr mit voller Kraft. Auf den möchte ich mich fokussieren“, erklärt der junge Musiker dazu. Auch mehr Wettbewerbe stehen auf dem Programm. „Es ist eine gute Möglichkeit, sich voranzubringen. Es geht nicht nur ums Gewinnen“, sagt Elias Opferkuch. „Es geht auch darum, sich weiterzuentwickeln.“

Das Wettbewerbsvideo von Elias Opferkuch sehen Sie online unter www.schwaepo.de und www.tagespost.de

„Für mich sind diese Wettbewerbe eine Möglichkeit, Ziele zu haben.“

Elias Opferkuch, Pianist

Gebürtiger Aalener: Der Pianist Elias Opferkuch

Elias Opferkuch, geboren 1996 in Aalen, studiert derzeit Klavier bei Professor Konrad Elser an der Musikhochschule Lübeck.

Im Alter von von elf Jahren debütierte Elias Opferkuch als Solist bei der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg unter der Leitung von Uwe Renz. Danach führten ihn Konzertreisen mit dem 1. Klavierkonzert von P.I.Tschaikowsky durch Deutschland, Ungarn und Italien.

Er war Schüler von Professor Fedele Antonicelli, Professorin Marisa Somma, Professor Volker Stenzl, sowie Jungstudent von Professor Thomas Duis an der Hochschule für Musik Saar. Elias Opferkuch ist Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe und erhielt Sonderpreise unter anderem von der Deutschen Stiftung Musikleben, der Hindemith-Stiftung, der Harald-Genzmer-Stiftung und der Freunde Junger Musiker e.V. München. Außerdem wurde er mit einem Carl-Heinz Illies-Stipendium der Deutschen Stiftung Musikleben gefördert.

Die Wettbewerbe im Netz:
https://premioalkan.org/news; https://mariacanals.org/en/concurs/germany.html;
AEGIO International Piano Competition: https://www.aegioipc.com/internationalcompetiton

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