Furor und Felix Krull: zwei Premieren in Aalen

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Das Theater der Stadt Aalen führt die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull auf.
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Das Theater der Stadt Aalen zeigt zwei neue Stücke. Mit einem erfüllt sich der Intendant einen Wunsch.

Aalen. Mit zwei Premieren startet das Theater der Stadt Aalen ins neue Jahr. „Furor“ macht den Anfang am Samstag, 8. Januar, im Kulturbahnhof. In dem Stück geht es um drei Menschen, die sich im realen Leben wohl kaum begegnen würden. Altenpflegerin Nele Siebold erhält Besuch vom Bürgermeisterkandidaten Braubach. Der hat ihren Sohn angefahren, mit bleibenden Folgen. Obwohl unschuldig, bietet Braubach Hilfe an. Als der Paketbote Jerome dazustößt, kommt es zum Streit.

Das Autorenduo Lutz Hübner und Sarah Nemitz, bekannt durch „Frau Müller muss weg“, thematisiert in seinem Stück existenzielle Fragen des Zusammenlebens. „Gezeigt wird ein gesellschaftlicher Missstand und was unter der Oberfläche gärt“, beschreibt Dramaturgin Tina Brüggemann. „Ein Kammerspiel, sprachlich sehr klar in kurzen Sätzen formuliert“, sagt Regisseur Tonio Kleinknecht, „und ein Plädoyer, sich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu kümmern.“ Bereits im Februar 2021 war die Premiere von „Furor“ geplant, ursprünglich im Alten Rathaus. Damit das Publikum im Kubaa mittendrin im Geschehen ist, sitzen die Zuschauer gegenüber. Dazwischen spielen Manuel Flach, Anne Klöcker und Bernd Tauber.

Am Mittwoch, 26. Januar, feiern die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach dem Roman von Thomas Mann Premiere, in der Fassung von Tonio Kleinknecht. Der Intendant des Theaters, der hier auch Regisseur ist, erfüllt sich damit einen lang gehegten Wunsch. Denn in seiner Inszenierung wirkt eine Artistengruppe der Accademia Teatro Dimitri aus der italienischen Schweiz mit. Als Kind sei er oft im Tessin im Urlaub gewesen und habe den legendären Clown Dimitri und seine Schauspielschule bewundert, erzählt Kleinknecht. Daraus entstand die Idee: „Eigentlich wäre es toll, mit den Idolen meiner Kindheit zusammenzuarbeiten.“

Zumal Felix Krull die Akrobaten bewundere und deren scheinbare Leichtigkeit, mit der sie durchs Leben gehen. Warum also nicht Verbindung zur Schauspielschule aufnehmen? Gesagt, getan. Viele Absolventen hätten sich gemeldet, es gab Treffen zum Kennenlernen in Zürich, Locarno und Aalen. Derzeit sind drei Artistinnen und zwei Artisten zwischen 24 und 28 Jahren bei den Proben dabei. Der Fokus ihrer Ausbildung liegt auf der Körpersprache, sie sind geschult in Bewegungstheater, Akrobatik, Tanz und Pantomime.

Zur Geschichte: Als Verwandlungskünstler macht Felix Krull die Lüge zum Lebensprinzip. Er verlässt sein bankrottes Elternhaus, drückt sich vor dem Militärdienst und taucht in die Pariser Welt der Grandhotels ein. Er verführt Frauen, tauscht mit dem Marquis de Venosta die Identität und steigt in der Gesellschaft auf.

„Ich möchte über die Lust am Rollenspiel erzählen und das Gefühl, sich in der Lüge einzurichten“, erklärt der Regisseur. Die Artisten werden die Inszenierung „bebildern“, etwa die Innenansicht des Felix Krull sichtbar machen sowie Figuren und Gegenstände darstellen. Es spielen Arwid Klaws, Diana Wolf, Julia Sylvester gibt den Hochstapler Krull. Warum eine Frau in dieser Rolle? „Ich wollte weg von dem schönen jungen Mann, dem die Frauen zu Füßen liegen“, so Kleinknecht, „es ging mir um die Verführung allgemein.“

Zehn Spieltermine sind angesetzt, darunter eine Schulvorstellung. Die Baden-Württemberg Stiftung fördert die Inszenierung mit 40000 Euro. Beate Krannich

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