Wespels Wort-Wechsel

Gelöbnis und Gelübde

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Manfred Wespel

Prof. Manfred Wespel über feine Unterschiede von loben und geloben.

Das schwäbische Sprichwort „Net gschempft isch globt gnuag“ weist auf den lobfaulen Charakter von Schwaben hin, denn Lob ist ein wichtiges Mittel für ein gedeihliches Miteinander, sei es in der Schule, der Ausbildung, dem Beruf oder im privaten Bereich unter Freunden oder in der Ehe. Loben bedeutet in erster Linie, eine Leistung, ein Verhalten anzuerkennen, positiv zu beurteilen, sogar zu preisen und zu rühmen, wie es etwa im Wort „Gotteslob“ zum Ausdruck kommt. „Eigenlob stinkt.“ Dazu hat „loben“ immer schon die Bedeutung „feierlich versprechen“, wofür heute „geloben“ steht. Ein Gelöbnis ist ein meist öffentliches feierliches Versprechen, etwa bei der Verpflichtung von Rekruten. Der religiöse Kontext ist bei einem Gelübde bestimmend, vor allem das Ordensgelübde bindet sehr stark; man nennt es auch Profess (von lateinisch profiteri: offen bekennen, versprechen). Schon im Altertum gab es das religiöse Gelübde und die damit verbundenen Weihegaben. Vom lateinischen votum (Gelübde) ist unser Wort „Votiv“ abgeleitet, und vor allem in Wallfahrtskirchen oder Votivkapellen kann man zahlreiche Votivtäfelchen sehen. Auch die Verlobung ist ein feierliches Versprechen, den Bund der Ehe einzugehen. Aber manches Gelübde wurde schon gebrochen, und nicht jede Verlobung führt zu einer Hochzeit.

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