Grenzen und Grenzüberschreitungen

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„Swimming with medusa“ von Anne Pincus.
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Die Ausstellung „spaces“ beim Kunstverein KISS im Schloss Untergröningen ermöglicht es, Kunst auch räumlich zu erfahren. Zahlreiche Installationen laden zum Erleben ein.

Abtsgmünd-Untergröningen

Ein paar Monate im Home Office gesteckt? Allein? Ohne viel Kontakt? Wie viele andere? Wenn ja, dann könnte Ihnen dieses Kunstwerk fast den Atem rauben. „The family“ heißt Isaac Cordals Installation, die aktuell in der Ausstellung „spaces“ beim Kunstverein KISS im Schloss Untergröningen zu sehen ist. Begrenzter Raum – Abstand. Isolation. Fast körperlich spürbar.

Nach „sweet nothing sweet“ ist „spaces“ eine weitere Werkschau von Kuratorin Heidi Hahn, die mehr ist als nur eben dies. Auch in „spaces“ wird die Kunst in Räumen erfahrbar, ihr Erleben zum Erlebnis, das nicht nur wie Cordals Arbeit den Atem raubt. Es geht ums Visionäres, Virtuelles, aber auch um das Reale.

Vierzig nationale und internationale Kreative zeigen eindrucksvoll auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und in 30 Räumen auch, wie sich Kunst als ein Spiegel der Zeit und technischer Möglichkeiten verändert hat. Da ist beispielsweise Tim Berresheims „Le Suaire Digital III“. Was wie das zweidimensionale Abbild einer Skulptur scheint, kann dreidimensional, fast greifbar in den Raum wandern. Ein beiliegendes Tablet macht es mittels einer App möglich. Das Kunstwerk wird zu einer Art Hologramm. Vis-à-vis eine Roboterinstallation aus dem „robotlab“ des ZMK Karlsruhe, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von der Marsoberfläche akribisch nachzeichnet. Ein Künstler, der nie ruht, den Stift nie ablegt, was kein Mensch vermag. Kann Künstliche Intelligenz Kunst schaffen? – eine Frage, mit der man sich im 21. Jahrhundert noch auseinandersetzen wird.

Die Zukunft als Raum – „outerspace“. Unterwegs dort sind schon seit Jahrzehnten fiktive Figuren wie Luke Skywalker, Prinzessin Leia, der Terminator, Darth Vader oder gar R2-D2 und K-3-PO. Erstere in einer „Ahnengalerie“ von Mark Taschowsky vereint. Zweitere aus dem 3D-Drucker in Echtgröße. Ein Fest für Fans, Ikonen der Zukunft längst vergangener Zeit. Hier die Erde, da das Weltall. Grenzüberschreitungen.

Die Grenze des Körpers hin zur Seele überwindet dagegen die Tirolerin Susanne Kircher-Liner beispielsweise mit ihrem großformatigen Öl-Acryl-Gemälde „Tod meines Vaters“ – eine Arbeit, die durch die direkte Auseinandersetzung mit Fleisch und Geist gleichermaßen verstört und fasziniert. Direkt körperlich eintauchen in Räume – auch das kann man im Untergröninger Schloss. Jeongmoon Chois „Drawing in space“ etwa ist eine begehbare Installation, ebenso Margaret Marquarts „Boundless Space“, eine Art Spiegelkabinett, im Innenraum mit Neonröhren verkleidet, die durch ihre Anordnung und ihre Farben für den Eindruck schier unendlicher Weite sorgen. Die Unterwasserwelt der in München und Melbourne arbeitenden Anne Pincus mit dem Titel „Swimming with Medusa“ – Quallen aus Perlonfaden und Silberdraht in einem abgedunkelten Raum – wirken da wie ein Gegenentwurf.

Das „Irdische“, auch das ist Teil der Ausstellung. Fast archaisch wirken Simone Fezers „Verhausungen“, Konstruktionen aus Rohhaut, Stoffen, Holz, die unter der Decke zu schweben scheinen. Die Schaltschränke im Raum „Alles unter Kontrolle“ von Stefan Bircheneder, perfekt nachgebildet – die Illusion eines realen Ortes, den es so nicht mehr gibt.

„Räume werden definiert und zugleich wieder aufgehoben“, schreibt die Kuratorin im Vorwort zum Ausstellungskatalog.

Auch wenn sie diesen Satz dort in einen anderen Kontext gestellt hat: Er passt zur Aufhebung mancher Begrenzungen.

Tankstellen im Dunkel sind ein Planet für sich.“

Heidi Hahn, „spaces“-Kuratorin

„spaces“ im Schloss Untergröningen

Die Ausstellung „spaces“ im Schloss Untergröningen beim Kunstverein KISS ist bis Sonntag, 1. August, zu sehen. Geöffnet Samstag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Auf der Homepage www.kiss-untergröningen.de informiert der Verein aktuell, ob es Änderungen aufgrund von Covid-19 kommt. Momentan sind keine Nachweise (getestet, geimpft, genesen) nötig. Es gelten weiterhin die AHA-Regeln und Maskenpflicht. Kontaktnachverfolgung via Luca-App.

Isaac Cordals „The family“ ist eine Arbeit, die aus 18 betonverkleideten Hasenställen, dahinter Menschen, die an ihren Arbeitsplätzen isoliert wirken.
Einblick in Jeongmoon Chois „Drawing in space“.
Simone Fezers „Verhausungen“ vermitteln den Eindruck, unter der Decke zu schweben.

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