Hacker übergibt an von Woellwarth

+
Brasst scho' spielte Lieder von Robbie Williams, Bruno Mars und den Lucky Chops.
  • schließen

Mit Gästen aus Kultur, Politik und Wirtschaft wurde offiziell der Wechsel in der Amtsdirektion der Internationalen Musikschulakademie Schloss Kapfenburg vollzogen.

Lauchheim

Nun ist er offiziell vollzogen - der Wechsel in der Akademiedirektion von Schloss Kapfenburg. In einem kurzweiligen Festakt hat Erich W. Hacker im Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal den Stab an seinen Nachfolger Moritz von Woellwarth übergeben.

Rund 90 Gäste aus Kultur, Politik und Gesellschaft nicht nur aus der Region waren am Donnerstag nach Lauchheim gekommen. Darunter auch Justizministerin Marion Gentges - wenn auch in ihrer Funktion als Präsidentin des Landesverbandes der Musikschulen Baden-Württemberg.

„Ich freue mich, Sie mitten in der Festivalwoche zu einem so wunderschönen Ereignis begrüßen zu können“, so Stiftungsdirektor Klaus Pavel. Ob es das auch für Erich W. Hacker gelte, zweifelt Pavel scherzend an: „Aber altersbedingt ist irgendwann der Punkt da“, weiß der Landrat a.D.

Fest verwurzelt in der Region

Klaus Pavel dankt einer langen Reihe von Menschen, die die Internationale Musikschulakademie mit aus der Taufe gehoben haben, die sie tatkräftig und finanziell unterstützen und fördern. Das zeige, wie fest diese in der Region und darüber hinaus verankert sei, so Pavel, bevor er Erich W. Hacker die Bühne überlässt.

„Da steh' ich nun, ich armer Tor, und alles kommt mir seltsam vor“, zitiert Erich W. Hacker in Teilen Goethe bewegt und nimmt sich Zeit für eine kurze Atempause, als hinter ihm eine Leinwand herunterfährt. Auf dieser wird kurz darauf ein Video von Mitarbeiterin Franziska Groß zu sehen sein, das die wichtigsten Ideen, Projekte und Stationen Hackers in Szene setzt. Er selbst blickt zurück auf seine Anfänge, als er mit einer Halbtagskraft, einer „ Praktikantin aus Frankreich“, - startete.

Lange her ist das - im Jahr 2021 ist es ein Stab von 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen der Akademiedirektor dankt für ihren „Idealismus, die Liebe zur Musik und Kultur“. Allen voran seiner Frau Gislinde Betz, seiner Familie, Franziska Groß und Heike Wild. Er dankt Uwe Renz von der JPO für die jahrelange Zusammenarbeit beim in situ, Walter Weber von der JVA für nachbarschaftliches Miteinander, für das Vertrauen der Gremien, die Wertschätzung der Arbeit auch durch die Gäste der Kapfenburg, dem Land für die Unterstützung. Seinem Nachfolger wünscht er Biss, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen. Brauche er Hilfe, stehe er bereit: „Ich stehe jederzeit mit guten Ratschlägen zur Verfügung.“

Experimentierfreude und Mut

Jugend musiziert, Accelerando, Tagungen und Seminare, Ausstellungen, Bildung und Gesundheit, das Restaurant Fermata, all das sei während Hackers Zeit entstanden, so Pavel: „Erich Hacker war immer ein Macher“, er habe experimentiert und Mut bewiesen, so Pavel, der zusammen mit dem Stiftungsvorstand und Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes der Musikschulen Baden-Württembergs, Matthias Hinderberger, als Dank für all das Erich W. Hacker mit seiner Frau auf eine Reise in die Elbphilharmonie schickt.

Er habe schon lang darüber nachgedacht, wie es nach Hacker weitergehe, so Hinderberger. Vernetzung, Kenntnisse der Betriebswirtschaft, regionaler Gepflogenheiten, der Musikschullandschaft, in der Gastronomie - Qualitäten, die Hacker mitgebracht habe, würden auch den neuen Akademiedirektor auszeichnen: „Wir sind überzeugt, wir haben die richtige Person gefunden“, so Hinderberger mit Verweis auf dessen Vita. Diplomierter Musiker, Filmstudium, Arbeit in der Gastronomie, die Leitung der Musikschulen in Altensteig und Ellwangen, die Vernetzung in der Region, die Erfahrung, Events zu organisieren. „Er bringt alles mit, was wir uns als Verantwortliche wünschen und lässt uns wieder ruhig schlafen.“

Lehre und spontaner Ausdruck

Moritz von Woellwarth selbst fächert sein Verständnis von seiner Aufgabe anhand eines Hölderlingedichtes auf. „Ganz wunderbare Gedanken, die meine Haltung zur Kapfenburg beschreiben“, sagt er über die letzten Verse in „Lebenslauf“. Der Satz „alles prüfe der Mensch“ sei ein Impuls, die Dinge und Gegebenheiten nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Lehre und Forschung hätten auf der Kapfenburg genauso ihren Platz, wie der spontane Ausdruck und die Einübung von Gegenwärtigkeit. „Sagen die Himmlischen“ stehe für lenkende Hand, aber auch dafür, dass man nicht alles bis ins Letzte lenken könne. Ungewollte Veränderungen, Naturgewalten würden aufzeigen, dass man aufeinander und auf die Umwelt achtgeben müsse. Aus einer privilegierten Gesellschaft heraus bedeute dies Verantwortung, Tradition, Fortschritt, aber auch Teilen und Solidarität, schafft der neue Akademiedirektor aktuelle Bezüge. Zugänge zu Ressourcen wie Bildung und Digitalität müssten inklusiv sein, nicht exklusiv. „Die Stiftung erhält Schloss Kapfenburg nicht zum Selbstzweck und das Land Baden-Württemberg hat zu Recht hohe Erwartungen an die Inhalte dieser Institution“, so von Woellwarth. 119 Tage sei er im Amt, so von Woellwarth, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten ihn dabei begleitet. „Das ist das, was mich trägt und weitertragen wird.“

Ministerin Gentges dankte Erich W. Hacker für die „wertvolle Arbeit“. Sie freue sich, dass nun mit Moritz von Woellwarth erneut ein hochkompetenter und engagierter Akademiedirektor als Nachfolger gefunden wurde. „Allzeit eine glückliche Hand“, wünschte die Ministerin. Integration, Inklusion, die Umbaupläne, die Themen würden nicht ausgehen. Sie freue sich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Ein Video und mehr Fotos von der Stabübergabe sehen Sie auf www.schwaepo.de und www.tagespost. de online.

Ich stehe jederzeit mit guten Ratschlägen zur Verfügung.“

Erich W. Hacker, Akademiedirektor a.D.

Impulse von Professorin Dr. Annette Limberger

Sich mit und durch Musik gesund zu erhalten, auch das hat sich Stiftung Schloss Kapfenburg zum Auftrag gemacht. Einen Impulsvortrag hielt da zu beim Festakt Professorin Dr. Annette Limburger von der Hochschule Aalen. Sie arbeite auch in der Fachrichtung kindliche Hörstörungen. Musik sei hier Medizin, und sie hoffe, dass Schloss Kapfenburg den Bereich Musik als Therapie noch weiter voranbringen werde. Musik sei beispielsweise wichtiger Bestandteil onkologischer Therapie, allein unter dem Stichwort „Musik als Medizin“ gebe es in wissenschaftlichen Datenbanken mehr als 6000 Einträge. „Offenbar ist das Thema brandaktuell“, so Limburger. Ob bei Parkinson-, Schlaganfall-, oder Intensivpatienten - Studien würden darauf hinweisen, dass Symptome sich bessern, Verweildauern etwa auf der Intensivstation mit klassischer Musik signifikant verkürzt werden könnten. Musik verbessere kognitive Fähigkeiten, schule das Hörverständnis, sei ein wichtiger Schlüssel in der Medizin. Sie müsse aber auf jeden Fall Spaß machen. „Da darf keine Note im Zeugnis stehen“, so die Wissenschaftlerin. „Machen Sie Musik, tanzen sie, singen sie.“

„Die Stiftung erhält Schloss Kapfenburg nicht zum Selbstzweck, und das Land hat zu Recht hohe Erwartungen an die Inhalte dieser Institution.“

Moritz von Woellwarth, Akademiedirektor
Stiftungsvorstand Klaus Pavel, Akademiedirektor Moritz von Woellwarth, Marion Gentges, Ministerin für Justiz und Migration Baden-Württemberg, Erich W. Hacker, Akademiedirektor a.D., Stiftungsvorstand Matthias Hinderberger (v.l.)
Professorin Dr. Annette Limburger
Stehender Applaus für Erich W. Hacker bei der Stabübergabe im Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal.

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare