Hermann Bausingers Werke: „Ein Genuss, das zu lesen.“

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Der Leiter der Stadtbibliothek Michael Steffen stellt Hermann Bausingers Werk und sein wissenschaftliches Wirken vor.

Aalen

Ich bin etwas aufgeregt, weil hier im Saal vermutlich Menschen sind, die besser über Hermann Bausinger Bescheid wissen, als ich“, sagt Michael Steffel. Mit dem 1926 in Aalen geborenen Kulturwissenschaftler und Germanisten hat der Leiter der Stadtbibliothek diesmal einen prominenten Sohn der Stadt als Thema des Literaturtreffs gesetzt. Und weil Bausinger, der am 24. November 2021 in Reutlingen verstorben ist, auch ein „Wortgewaltiger“ sei, sei der Literaturtreff diesmal auch Teil der gleichnamigen Reihe.

Gespräche in der Badehose

Sollte Steffel auch aufgeregt sein, man merkt es ihm nicht an. Launig gewinnt er seine rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer im Paul-Ulmschneider-Saal schnell mit ein, zwei persönlichen Anekdoten über Bausinger. Er erzählt, dass er diesen 2016 kennengelernt habe als Fahrer vom Bahnhof und Hotel und zurück - irgendwann dazwischen aber mit ihm und dem Mitglied der Schubart-Preis-Jury Denis Scheck bis zur Sperrstunde im Wirtshaus gesessen hat. Dass er ihn 2019 im Thermalbad getroffen habe und man sich dort in der Badehose über die Badekultur unterhalten habe. „Auch darüber hatte er was zu sagen“, so Steffel. „Qualität und Quantität, beides findet man bei Bausinger“, in „Wort und Schrift“, so Steffel, der bei einer Abfrage im Bibliothekskatalog 952 Treffer zu Bausinger erzielt hatte. Als Verfasser, Herausgeber, Autor von Vorworten und Aufsätzen.

Steffel skizziert Bausingers Leben kurz nach. Der Sohn eines Bankbeamten war als 17-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen worden. Amerikanische Kriegsgefangenschaft, 1946 Rückkehr, anschließend Abitur am Schubart-Gymnasium. Danach nimmt Bausinger sein Studium in Tübingen auf - Germanistik, Anglistik, Geschichte und Volkskunde. Staatsexamen und Promotion 1952. Das Thema: „Lebendiges Erzählen“. Ein Thema, das Bausinger neben der Volkskunde sein ganzes Leben lang begleitet habe, so Steffel. Bei dieser sei es Hermann Bausinger um Alltagskultur gegangen, nicht um den „Dreschflegel und die Sense am Scheunentor“. Bausinger habe „Kritik an der verengten Perspektive“, der Rückwärtsgewandtheit und dem Hängen an Relikten der Vergangenheit unter Missachtung der sozialen Bezüge in der Volkskunde geübt.

Comics und Schlager als Thema

Stattdessen habe Bausinger eine andere Herangehensweise gehabt. Auch mit der Einführung soziologischer Methoden habe er die Volkskunde zur „Empirischen Kulturwissenschaft“ gemacht, zu einer eigenständigen Disziplin statt Hilfswissenschaft. Bei der Bausinger sich auch mit Comics, Schlagern und Trivialliteratur befasst habe.

Einige Werke Bausingers hat Steffel mitgebracht, die er seiner Zuhörerschaft ans Herz legt. „Berühmte und Obskure“, die „Schwäbische Literaturgeschichte“ und sein letztes Werk: „Vom Erzählen“ etwa. Bausinger habe stets mit Hintersinn und Ironie geschrieben. „Es ist ein Genuss, das zu lesen“, so Steffel.

Michael Steffel stellt im Literaturtreff in der Stadtbibliothek Aalen das Leben und Werk des 2021 verstobenen Hermann Bausinger vor.

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