Herzgedanken und berührende Stimmen

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Sängerinnen und Sänger des Jungen Kammerchors Ostwürttemberg am Samstagabend bei einem Konzert im Prediger in Schwäbisch Gmünd. Foto: Hie
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Wie der Junge Kammerchor Ostwürttemberg in sein Winterprojekt 2022/23 startet.

Schwäbisch Gmünd. Als „Ein wundervoller zauberhafter Abend!“, beschrieb Matthias Jochner, Kulturamtsleiter in Heidenheim, das Auftaktkonzert für das Winterprojekt des Jungen Kammerchors Ostwürttemberg im Foyer des Prediger.

In „Herzgedanken“, entlehnt aus Johannes Brahms’ gleichnamigen Werk, geht es um Liebe, erläuterte Moderator Christian Glass, in einer musikalischen Reise durch Jahrhunderte und Europa, unter der Leitung von Maddalena Ernst und Thomas Baur.

„Come away, come sweet love“ ist ein englisches Lied aus dem 16. Jahrhundert von John Dowland, über die Kunst der Verführung. Schmeichelnd, mit zukunftssüßen Versprechungen. Gefolgt vom melancholischen Sehnen im Madrigal des Carlo Gesualdo de Venosa, das im harmonischen Endklang mündet.

Raffiniert die Moderation von Christian Glass. Einerseits erläuterte er Wesentliches zu Werk und Komponist, spickte es mit intimen Details. Brahms „verpackte“ in „All meine Herzensgedanken“ seine Liebe zu Clara Schumann. Das Lied, voll Herzblut fein abgestimmt in Stärke und Hingabe vom Chor interpretiert, eröffnete Hörwelten besonderer Art.

Ein Heidenspaß für die Männer, so Glass, über die Ausführung der Liebe in „Komm sei meine Decke“, die ins 20. Jahrhundert führte. Dissonant, mit harmonischen Sprengseln, vom reinen Männerchor farbenreich gesungen.

Dieser Chor macht vieles anders. Die Stimmen stehen nicht immer als Block beieinander, sie mischen sich. Das führe, wie Maddalena Ernst im Pausengespräch erläuterte, zu genauerem Hören und guter Gehörschulung. Überhaupt, dieser Projektchor strahlt hohe Motivation aus. Die mehr als 40 Mitglieder des Jungen Kammerchors im Alter von 13 bis 27 Jahren schätzen ihre Dirigentin, ihren Dirigenten, die sie mit schwungvollen Bewegungen durch die Lieder führen.

Dann Chor-Eigeninitiative. In einem Interimsstück bringen 14 Sängerinnen und Sänger einen Shakespeare-Text von Matthew Harris, zeitgenössischer Komponist, vertont, mit „Take, o take those lips away“ über den Schmerz enttäuschter Liebe. Ein bulgarisches Lied beschreibt, in der rauen ursprünglichen Stimmlage des Landes, wie junge Frauen sich nehmen, was und wie sie es wollen.

Ein Highlight der Lieder in sechs europäischen Sprachen kam aus Litauen: Doppelchörig mit vier mal vier Stimmen ausgeführt. Die reine A-cappella-Form des Chors wird durch Flöten und die feinen Klangstäbe des Chimes bei anderen Stücken ergänzt. Dazu gesanglich starke klangvolle Solopartien der Sopranistin Leonie Wiedemann.

Der Junge Kammerchor Ostwürttemberg und sein ausgefeiltes Programm sind ein Kleinod ganz besonderer Art, das beim Auftakt in Gmünd von den 200 Zuhörenden mit reichem Applaus  belohnt wurde. ⋌

⋌⋌Gise Kayser-Gantner

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