Hohe Gesangs- und Organistenkunst erfüllt den Kirchenraum

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Endlich wieder zu Gast in Neresheim: Der Kammerchor der Royal Academy of London. Foto: uss

Konzert Der Kammerchor der Royal Academy of Music zu Gast in der voll besetzten Abteikirche in Neresheim.

Neresheim. 

Weit gespannt hat der Kammerchor der Royal Academy of Music aus London bei seinem Konzert am Samstag in der voll besetzten Abteikirche Neresheim sein Programm. Von der gelehrten Nonne Hildegard von Bingen bis zum modernen Schotten Sir James MacMillan.

Das hat allen Beteiligten eine Fülle von Möglichkeiten geboten, ihre hohe Gesangs- und Organistenkunst zu zeigen. Dabei den gesamten Kirchenraum nützend und dem von Pater Albert Knebel zu Beginn zitierten Psalmvers gerecht werdend: „In der Schönheit der Heiligkeit“. Der Benediktiner interpretiert ihn so: „Mit der Musik Gott verehren“. Gleichzeitig schildert er „die schöne Erfahrung, die Menschen mit Gott machen.“ Beide Interpretationen prägen den Auftritt der jungen Briten bei diesem Jubiläumskonzert.

1991 war die Royal Academy zum ersten Mal zu einer Werkwoche auf dem Ulrichsberg zu Gast. Corona bedingt musste das Konzert um ein Jahr verschoben werden. Umso größer waren jetzt die Erwartungen bei Publikum und Akteuren. Sie sind voll erfüllt worden.

Erwartungen werden voll erfüllt

Aus der Tiefe des von sieben Kuppeln gekrönten Raumes erklingt Hildegard von Bingens einstimmiges Marienlob „O viridissima virga“, gefolgt vom klangschönen, innig-hymnischen „Salve Regina“ der Benediktinerin Caterina Assandra (ca. 1580-1609). Das Orgelwerk „Magnificat in G“ des barocken Meisters Jean-Francois Dandrieu hört man als kontrastreiches Zwiegespräch zwischen schlichter Gregorianik und farbenreichem Orgelgesang.

Drei ausgefeilt komplexe Chöre von Jan Pieterszoon Sweelinck beenden den Blick der Royal Academy in die ferne musikalische Vergangenheit. Mit dem von Joshua Simoes interpretierten klanglich spröden Orgelwerk „Pacan“ von Kenneth Leighton müssen sich die Zuhörerinnen und Zuhörer auf weniger ohrgängige Kost einstellen. Immerhin gemäßigt modern erklingt Judith Weirs „Love bade me welcome“, zu dem sich die 21 Sängerinnen und Sänger mit ihrem Leiter Prof. Patrick Russill auf die Orgelempore begeben zur dezent registrierten Begleitung durch das Holzhay-Instrument. Klanglich hat der Ortswechsel keine neuen Perspektiven eröffnet.

Geballte Chorwucht

Eine Ahnung von kommenden Herbststürmen vermittelt James MacMillans „Tota pulchra es“. In der Antiphon geht der Organist Charles Maxtone-Smith im Zusammenspiel mit geballter Chorwucht an der Grenze zur Atonalität mit voller Kraft zur Sache.

Jeremy Ng gewährt mit den drei Sätzen des „Voluntary in D major“ des Mozartzeitgenossen Samuel Wesley an der Orgel notwendige Entspannung, um die Psalmvertonung „Ascribe unto the Lord“ von dessen Sohn Samuel Sebastian Wesley richtig genießen zu können. Sowohl die Frauen- als auch die Männerstimmen können in diesem schönen, gläubigen Gesang zur Orgelbegleitung durch Joshua Simoes nochmals mit ihrer makellosen Intonation glänzen.

Für den herzlichen Beifall bedanken sich die jungen Leute aus London mit einem wohlklingenden Chorstück.

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