Hologramm: Wie Musiker Daniel Bengesser sich selbst vervielfacht hat

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Daniel Bengessers Holo-Band. Der Musiker mal vier.

Der Abtsgmünder Musiker, Komponist und Technikfreak hat mit seiner Frau eine Hologramm-Band geschaffen, die live zu erleben ist.

Abtsgmünd-Hohenstadt

Ihn gibt es gleich fünfmal. Der Musiker und Technik-Tausendsassa Daniel Bengesser hat einen Weg gefunden, mit sich selbst in einer richtigen Band zu spielen. Bengesser singt, spielt die E-Gitarre, Bass und Schlagzeug – gleichzeitig wohlgemerkt und mit einem richtig fetten Rocksound. Seine Band ist die Solo-Holo-Band „The Double Twins“. Geschaffen hat sie Bengesser mit seiner Frau Vanessa Kurbel-Bengesser in jahrelanger Arbeit.

Fußkalt ist es im Januar im Eiskeller in Hohenstadt, doch das ficht die beiden ganz offensichtlich nicht an. Seit Jahren schon arbeiten die Bengessers dort – auch dank der Hilfe der Familie Adelmann – tüftelten daran, eine Idee wahr werden zu lassen.

Daniel Bengesser macht Musik, seit er zwölf Jahre alt ist. Damals faszinierte den heute 40-Jährigen die verbogene zwölfsaitige Westerngitarre seines Vaters. Eine Begeisterung, die ihn nicht mehr losließ. Heute spielt er Gitarre, aber auch Schlagzeug und Bass. „Ich bin seit 25 Jahren Musiker“, sagt er. Dabei ist er immer geblieben, auch wenn er zwischendurch Jobs hatte, bei denen er in 24 Stunden schon mal quer durch die Republik fahren musste. Spielte in Bands mit anderen. „Aber Bands lösen sich auf. Man wird älter, bekommt Kinder, das ist dann nicht mehr so einfach“, sagt der dreifache Vater. Nicht nur, weil es deshalb immer schwerer wird, gemeinsame Probentermine zu organisieren. Sondern auch, weil Bengesser, der schon immer auch komponiert, auch ein wenig „perfektionistisch“ ist, wie seine Frau ergänzt. „Es muss ja menschlich und musikalisch passen“, sagt sie. Das dürfte mit sich selbst nicht so schwierig sein.

Auch Michael Jackson und die Gorillaz arbeiteten mit Hologramm

Rund sieben Jahre ist es her, da fand der Abtsgmünder ein Video auf YouTube, das zeigte, wie man „ganz einfach mit einem Smartphone und einer CD ein Hologramm machen kann“, sagt Bengesser. „Da dachte ich, das müsste auch in Groß gehen.“ Bengesser, der sich während seines Musikerlebens nicht nur einige Instrumente, sondern unter anderem auch Tontechnik, Mastering, Mischung und und und „draufgeschafft hat“, wie er sagt, tüftelte daraufhin an seinem eigenen Konzept für eine Holo-Band nach demselben Prinzip – mit sich selbst als Musiker. Das erste Mal funktionierte es nicht besonders gut, er suchte nach anderen Wegen. Die gibt es natürlich. Bengesser weiß, er hat das Hologramm nicht erfunden. Die Anfänge der Technik liegen bereits im 19. Jahrhundert – Professor John Henry Pepper hatte seinen „Ghost“ 1862 in London mittels einer schrägstehenden Glasscheibe zum Leben erweckt. Tupac, Michael Jackson, die Gorillaz – auch in der Musik wurde schon mit Hologrammen gearbeitet. Jüngstes Beispiel: Abba wird Konzerte mit den eigenen Hologrammen geben – in einem eigens dafür gebauten Gebäude.

Musik von Daniel Bengesser, die Kunst von Frau Vanessa

Bengesser backt da zwar kleinere Brötchen. Aber auch er hat mittlerweile in jahrelanger Arbeit zusammen mit seiner Frau ein mobiles System entwickelt, mit dem er sich in seiner vierköpfigen Band mit ganz unterschiedlichen Musikercharakteren zum Leben erweckt. „Wir mussten uns sogar einen eigenen Rechner zusammenbauen, damit er leistungsstark genug ist“, erklärt Vanessa Kurbel-Bengesser. Sie ist diejenige, die organisiert, aber auch die comicartigen Zeichnungen in den Holo-Auftritten fertigt – Raumschiffe, giftgrüne Pflanzen und sogar Esel in die realen Bilder einbaut. Eine Mammutaufgabe: „Jetzt weiß ich, warum Disney so viele Zeichner braucht“, sagt Daniel Bengesser.

Lange verhandeln musste er über die Folie, über die projiziert wird und die eigentlich nur in Tonnen abgegeben wird. „Nun haben wir zweihundert Meter davon“, grinst Bengesser. Ein Material übrigens, das wie „eine Diva“ zu behandeln sei. Falten, Löcher, all das vertrage diese professionelle und hauchdünne Folie überhaupt nicht. „Schon das Aufrollen dauert ewig“, sagt Vanessa Kurbel-Bengesser.

Aufrollen mussten die Folie die Bengessers und die Helferinnen und Helfer, die sie haben, durchaus schon einmal. Die Holo-Band hatte bereits einen Auftritt im Aalener Frapé.

Zu einer Weltpremiere aber geht es für Bengesser und seine „Bandkollegen“ im Mai. Im Schloss Untergröningen wird er, der auch als Solomusiker unterwegs ist, zusammen mit der Holo-Band live auf der Bühne im Schloss Untergröningen stehen. Samt seinem Special Guest Steffen Köble. Die Ausstellung dazu beim Kunstverein KISS heißt Fantasma. Passend eigentlich zu einem, der gleich mehrfach vor Ort in nur einer Band spielen wird.

Zu sehen ist die Band Holo-Double-Twins bei der Fantasma-Nacht am 21. Mai im Schloss Untergröningen um 20 Uhr. Special Guests: Daniel Bengesser, Steffen Köble (Eintritt 18 Euro).

Ein Video und mehr Fotos von der Holo-Band sehen Sie online auf www.schwaepo.de und www.tagespost. de

Daniel Bengessers Holo-Band. Der Musiker mal vier.
Daniel Bengessers Holo-Band. Der Musiker mal vier.
Daniel Bengessers Holo-Band. Der Musiker mal vier.
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Daniel Bengessers Holo-Band. Der Musiker mal vier.
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Vanessa Kurbel-Bengesser und Daniel Bengesser vor dem Eiskeller in Hohenstadt. Dort ist die Heimat der Holo-Band.

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