Im sicheren Schloss in die weite Welt

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Kathrin Sälzle bereichert das Saxophonquartett mit differenzierter Stimmgewalt.
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„Saxofourte“ nimmt sein Publikum auf der Kapfenburg mit in unbekannte Saxofonsphären.

Lauchheim. Mit der Familie eine Reise ins Unbekannte zu unternehmen, ist schon kühn. Mit „Saxofourte“ als Scout kann jedoch nichts schief gehen. Zumal die Kapfenburg schon ein sicheres Schloss darstellt.

Simon Hanrath, der im Quartett das Tenorsaxophon spielt, hat in seiner launigen Anmoderation Familie und Reise unter einen Hut gebracht. Und damit die Kurzvorstellung des Ensembles zu Beginn durch Akademiedirektor Moritz von Woellwarth ergänzt. Er ist mit Veronika am Alt verheiratet, Thomas (Sopransax) und Kathrin Sälzle (Gesang) sind bayerisch-schwäbische Grenzgänger und Daniela Wahler am Baritonsaxofon unterrichtet unter anderem an der Musikschule Aalen. Die ganze Truppe wiederum ist weltweit unterwegs.

Diese Reiselust spiegelt sich auch in ihrem Programm wider. Sie beginnen es mit der für sie arrangierten Orchestersuite Nr. 2 von J. S. Bach und beenden es mit einem herrlich intimen Song von Tom Waits, in den sich die Publikumsfamilie richtig hineinkuscheln kann.

Das für die arrangierte Streichquartett „Company“ des US-amerikanischen Pioniers der „Minimal Music“, Philip Glass, fesselt mit seiner meditativen Aura, bevor „Saxofourte“ in einer Kurztour durch Leonard Bernsteins „Westside Story“ deren Ohrwürmer zum Glänzen bringt. Glänzen gibt ein Stichwort für die Qualität des Ensembles. Sein Klang ist immer ausgewogen, in harmonischer Balance, auf Feingliedrigkeit und Transparenz bedacht. Dabei kann man mit den Tröten röhren wie ein Hirsch.

Das überlassen die Bläser Kathrin Sälzle. In den Adern der Frau mit dem so schwäbischen Namen scheint südamerikanisches Blut zu fließen, denkt man unwillkürlich bei ihrer Interpretation des Tangos „Vivo, en San Telmo“ des in München lebenden argentinischen Komponisten Luis Borda.

Ein Block mit Titeln von Bordas großem Landsmann Astor Piazzolla mit dem „Libertango“ darf nicht fehlen. Mit „Rubini is coming“ und „Brave Enough“ erweist das Ensemble seiner Hamburger Kollegin und Komponistin Katharina „Tini“ Thomsen seine Referenz, wobei Kathrin Sälzle hauchzart und mit geballter Power den emotionalen Gehalt der Songs auslotet.

Keine Frage, diese Bläser können auch Beatles. Nur die Sängerin scheint ausnahmsweise mit dem „Feeling“ der Klassiker wie „And your bird can sing“, „Penny Lane“ und „Honey Pie“ nicht ganz klar zu kommen. Ganz anders beim letzten Titel von Elena Goulding. „Burn“ fegt als souliger Feuersturm über die Köpfe. Da verwundert es einen fast nicht mehr, dass „Saxofourte“ und Kathrin Sälzle noch mit dem „Thunderstruck“ der australischen Hardrocker AC/DC zuschlagen. Die Familie ist bei diesem Ausflug in die unbekannte Saxofonwelt nicht zugrunde gegangen. Wolfgang Nußbaumer

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