Jeanine Lang: Regisseurin, Drehbuchautorin, Aalenerin

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Jeanine Lang.
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Die 23-Jährige studiert in Stuttgart Audiovisuelle Medien. Worum es in ihrem Film „Kairos“ geht und welche Ziele sie für die Zukunft hat.

Aalen. Ein Aalener Eigengewächs ist sie, gerade mal 23 Jahre alt und bereits Filmemacherin. Zwar wurde Jeanine Lang in Kalifornien geboren, aufgewachsen ist sie aber im Grauleshof. Aktuell studiert sie an der Hochschule der Medien in Stuttgart Audiovisuelle Medien mit dem Schwerpunkt Film, Drehbuch und Regie - ihren ersten längeren Film hat sie aber fast ausschließlich mit sehr vielen Helferinnen und Helfern vor Ort in Aalen gedreht. Am Samstag, 16. Juli feiert die Film „Kairos“ Premiere im Kino am Kocher.

Geschichten erzählen und schreiben, das hat Jeanine Lang schon immer gern gemacht. „Schon im Kindergarten habe ich gesagt, dass ich Schauspielerin und Schriftstellerin werden will“, erinnert sie sich. Schreiben konnte sie da noch nicht - sie drückte Älteren Stift und Papier in die Hand, um ihre Geschichten auf Papier zu bringen. Dafür klappte es mit dem Verkleiden und kleine Aufführungen schon ganz gut. „Das ist dann auch so geblieben“, sagt die 23-Jährige, die ihr Abitur im Ellwanger St. Gertrudis-Gymnasium machte. Sie spielte unter anderem in den Clubs des Theaters der Stadt Aalen, ihre erste Hauptrolle in „Tschick“ war Tschick. Dass es nach dem Abi in Richtung Schauspiel ging, war ihr früh klar. „Dass es ja auch Regie und Drehbuch gibt, wurde mir erst ein wenig später bewusst.“ Dass das alles zusammengehen kann, hat die Studentin bereits beweisen. 2018 wurde ihr Kurzfilm „Abszission“ mit dem Jugendfilmpreises 2019 des Filmbüros Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Es geht um verpasste Chancen

Viel Freiraum für Kreativität, das sei das, was ihre Eltern ihr immer gegeben hätten, sagt Jeanine Lang. Ein Resultat davon ist nun also auch „Kairos“, ein Film, in dem es, „grob gesagt, um verpasste Chancen und den Umgang damit geht “, wie die Drehbuchautorin und Regisseurin es zusammenfasst. Kein Studienprojekt, sondern völlig losgelöst und dank Crowd-Funding und Sponsoren realisiert.

Protagonistin ist Anna, die ein isoliertes Leben in der Großstadt führt , wie die Drehbuchautorin erzählt. „Dann bekommt sie die Möglichkeit ein anderes Leben zu führen, im Moment zu leben. Bis ihre Vergangenheit sie einholt.“ Den Impuls für ihre Geschichte habe aber keine Person gegeben, sondern ein Ort. Ein urbaner Garten in Bad-Cannstatt, den sie bereits 2019 besuchte. Natürlich stecke ein wenig von ihr selbst auch in dem Film, aber er dürfe das eigenen Leben nicht widerspiegeln, sagt Jeanine Lang. „Sonst ist man ja nicht offen für Kritik.“ Sie selbst habe bisher in Filmen immer entweder eine Verbindung zu den Menschen, den Orten oder auch der Geschichte gehabt. „Man braucht Distanz, aber auch eine gute Mischung aus Herzblut und Identifikation“, sagt sie dazu.

40 Minuten lang ist „Kairos“ geworden, gedreht wurde im August 2021 innerhalb von zwei Wochen, meist in Aalen und Drumherum. Mit 20 Menschen im Kernteam, die in der THG-Turnhalle schliefen. „Wir sind meist zurückgekommen, wenn die Sonne schon wieder aufging und haben dann nur ein paar Stunden geschlafen“, erinnert sich die 23-Jährige, die zuletzt ihr Praxissemester in Leeds gemacht hat. Gedreht wurde digital mit zwei Kamera - eine Low-Budget-Produktion mit einem Etat von 7000 Euro. „Das Team hat Unglaubliches geleistet“, sagt die Regisseurin.

Unterstützt worden sei das Projekt vom Kulturamt der Stadt Aalen, Menschen, die beispielsweise ihren Garten als Drehort zur Verfügung stellten, der OVA, die sogar einen Busfahrer samt Bus für den Dreh schickte.

Drei der Darsteller im Film sind in Aalen bekannt. Arwid Klaws und Margarete Lamprecht vom Theater, sowie Michael Kausch. Andere wurde gecastet - stammen aus Köln, Berlin und Mannheim. Alle seien sehr professionell und präzise gewesen.

Filmfestivals im Blick

Vor der Premiere ist die junge Filmemacherin „positiv aufgeregt“, wie sie sagt. Natürlich sei nicht alles perfekt, sagt sie. „Aber es sind nur Kleinigkeiten, ich bin total zufrieden damit“, freut sie sich auf den 16. Juli. Natürlich sei es spannend zu erfahren, wie die Geschichte beim Publikum ankommt.

Auch nationale und internationale Festivals hat die Filmcrew natürlich im Blick. „Da muss man aber eine Strategie entwickeln“, sagt die junge Filmemacherin. „Wenn man eine Leidenschaft hat, dann kann man Berge versetzten, da hat man die Energie.“

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