Festival Schloss Kapfenburg: Joss Stone wärmt nicht nur die Herzen

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Joss Stone beim Festival Schloss Kapfenburg am Sonntagabend.
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Die englische Soulsängerin beschließt das Festival Schloss Kapfenburg bei herbstlichen Temperaturen. Warum das die Stimmung nicht störte und es ein großartiger Abend war.

Lauchheim. Ist das ihr Ernst? Als Joss Stone am Sonntagabend Viertel vor Zehn die Festivalbühne im Schlosshof der Kapfenburg betritt, hat sie ein schulterfreies Abendkleid an. Da ist es dem Publikum kollektiv schon mindestens einen Kittel und eine Leihdecke kälter geworden. als noch bei der Vorband The Velvet Rocks. Doch kaum hat die englische Soulsängerin die ersten Takte gesungen, wird es gefühlt wieder einige Grad wärmer als die von der Wetter-App vermeldeten 13.

Nicht nur, weil sie eine großartige Stimme hat. Von Anfang an sucht die Sängerin den direkten Kontakt mit dem Publikum. 500 Musikfans sind es diesmal, anders als beim Konzert mit Tim Bendzko, sitzen alle an Tischen. Dort frierend zu verharren, ist aber schnell keine Option mehr. Joss Stone lobt die „lovely scene“, lädt ein zu „singing und dancing“ - mit vollem Körpereinsatz. Der grammygeadelte Weltstar steigt, wie meist barfüßig bei den Konzerten, zu „Super Duper Love“ von der Bühne mitten in die verzückte und das Handy zückende Menge. Die bildet schnell eine Traube um die Sängerin, die zwischen Wolle und Fleece ein wenig wie von ein einem anderen Stern wirkt.

Joss Stone beim Festival Schloss Kapfenburg am Sonntagabend.

Erklinge dazu nicht diese irdisch-kraftvolle Soulstimme, von der man sich sofort im Hier und Jetzt getragen fühlt und die so gar nicht zu dieser ununterbrochen lächelnden Frau zu passen scheint. Die live viel präsenter und noch viel wandelbarer klingt, als bei Studioaufnahmen mit dem digitalen Glätteisen gebügelt.

Ich liebe diese Burg.“

Joss Stone, Soulsängerin

Ein bisschen Reggae mit „Harry's Symphony“, mehr Herz mit Balladen wie „Victim of a foolish heart“ und eine fast überbordende Menge an groovigem Soul sorgt für stetigen Jubel nach den Songs. Während sich manche aufgeheizt schon wieder aus der Decke schälen, lässt sich die Sängerin eine Tasse Tee reichen, erzählt zu den sphärischen Klängen von Christian Lohr am Keyboard von einer wunderbaren Pflanze, die man auch trinken könne. „Winter is coming“, sagt sie und auf Deutsch: „Ich liebe diese Burg“ „Game of Thrones“-Kenner dürften wissen, was die Sängerin, die als Schauspielerin auch ein paar Folgen bei den „Tudors“ mitspielte, damit meint. Ganz nah dran ist Joss Stone auch an ihren Fans, als sie eine Frau aus dem Publikum ein paar Takte aus „Shallow“ singen lässt, um gleich danach gelassen zu erzählen, das sie selbst es nicht so gut hinbekommen habe.

Joss Stone beim Festival Schloss Kapfenburg am Sonntagabend.

Muss sie ja nicht. Dafür gibt es Lady Gaga. Für den guten, alten Soul momentan aber vor allem auch Joss Stone. Auch ein wenig versöhnen will sie mit ihrer Musik in einer Zeit, in der sich die Menschen immer voneinander geteilt hätten, sagt sie„Walk with me“ ist neu, fast ein Gospel, in dem sie Gemeinsamkeiten beschwört. Die sie im Schlosshof auch spielend schafft.

Dann stellt die Sängerin, die erst Anfang des Jahres Mutter geworden ist, noch einmal ihre großartige stimmliche Bandbreite in den Dienst von Soulklassikern wie „This is a mans world“ und „I say a little prayer“. Verführerisch, rotzig, fordernd, klagend, schmeichelnd, all das vermag sie in eine einzige Liedzeile zu verpacken. Um gleich darauf zurückzutreten, damit die herausragende Band noch einmal zeigen kann, was sie drauf.

Joss Stone beim Festival Schloss Kapfenburg am Sonntagabend.

„Right to be wrong“ das Lied, mit dem sich Joss Stone nach fast zwei Stunden Konzert verabschiedet. Alles richtig gemacht, beweist der Applaus. Vermutlich auch die Sache mit dem Kleid.

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