JPO: starke Premiere des Sommerprojekts 2022

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Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
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Beste sinfonische Musik und ein politisches Statement: Wie die Junge Philharmonie Ostwürttemberg unter Chefdirigent Uwe Renz am Samstag in der Aalener Stadthalle ihre Sommertournee beginnt.

Aalen Aus der City weht der Sound der Reichsstädter Tage herauf, im großen Saal der Stadthalle spielt die Junge Philharmonie Ostwürttemberg einen symphonischen „Sommernachtstraum“. Vor großem Publikum beginnen die jungen Musikerinnen und Musiker ihre Tournee durch Ostwürttemberg, ihr Sommerprojekt 2022, eine Tradition zum Auftakt des Kulturlebens nach den Ferien.

Chefdirigent Uwe Renz hat das Programm mit kleinen und großen Werken der Romantik mit dem JPO in einer guten Woche auf Schloss Kapfenburg einstudiert, wie immer in langen Tagen geprobt und gearbeitet. Die Mühen haben sich gelohnt.

Auftakt mit Mendelsohn-Bartholdys Konzertouvertüre op. 85, kurz, aber breit gefächert vom wuchtigen Anfang, der nach Trauermusik schmeckte, bis zur volksfestlichen Musik, die auf ein Stadtfest, auf einen Jahrmarkt passen könnte. Das JPO zeigt seine nahezu perfekte Orchesterkultur in allen Belangen. Es ist heuer sehr gut besetzt, auch in den Bläsergruppen. Die Streicher haben sich in einer warmen Tonalität gefunden. Uwe Renz dirigiert exakt und charismatisch zugleich.

Das hübsche Intermezzo aus der Oper Cavalleria Rusticana von Pietro Mascagnis folgt. Das Orchester ist in aufmerksamem Kontakt mit seinem Dirigenten. Renz hält den Tutti-Klang im dezenten Pianoforte, die Harfe, gespielt von der Preisträgerin Magdalene Haller, ist mit ihrer Hauptrolle in dem Stück durchweg gut zu verstehen – eine Delikatesse im Detail, ein Beleg für den Gestaltungswillen des Dirigenten und der Umsetzungsfähigkeit des Orchesters.

Die Streicher wispern pianissimo, wenn Alexander Borodin die Karawane in der „Steppe Mittelasiens“ ziehen lässt. Die Sinfonische Dichtung verlangt eine differenzierte Interpretation, um den meditativen Klangflächen Kraft und Spannung zu geben. Renz gelingt das mit kontrollierter Dynamik, das Stück wird zu einer Etüde in Mezzopiano.

Die Tondichtung Finlandia von Jean Sibelius (op.26) wird zum musikalischen Statement. Das Werk wurde komponiert als Protest gegen den russischen Zar Nikolaus II., der die Autonomie Finnlands 1866 einschränken wollte. Die Bürger von Finnland widerstanden mit einer breiten Protestbewegung, Sibelius stellte sein Werk in diese Bewegung, Finlandia wurde zur Hymne der finnischen Freiheit vom Moskauer Despoten. Im siebten Monat der russischen Aggression gegen die Ukraine und des Widerstandes des ukrainischen Volkes dagegen darf die Aufführung von Finlandia in Aalen  politisch verstanden werden. Das Stück handelt von Verteidigung und Sieg, von Zuversicht und Freiheit. Das JPO musiziert die inoffizielle finnische Nationalhymne mit ganz großem symphonischen Sound, ein bewegendes Ereignis.

Nach der Pause die Sinfonie Nr. 8 von Antonin Dvorak (G-Dur, op.88), eine bunte Mischung vieler Ideen, musikalischer Themen en masse und bunter Facetten, beste Gelegenheit für ein Orchester zu zeigen, wie es musikantisch aufspielen kann. Die vier Sätze erklingen in ihren Eigenarten differenziert. Alle Stimmgruppen des Orchesters haben Gelegenheit, sich in ihrem profilierten Können zu zeigen. Die Komposition entzieht sich der akademischen Strenge in die Beliebigkeit. Diese Schwäche wird in der Interpretation von Uwe Renz zu einem starken Stück sinfonischer Unterhaltung.

Das Publikum dankt mit langem, jubelndem Applaus. Keine Zugabe nach den vier kleineren Werken und den vier Dvorak-Sätzen. 

Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
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Premiere des Sommerprojektes der JPO in der Aalener Stadthalle.
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