Klamauk und Getöse auf der Kapfenburg

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Stenzel und Kivits
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Das niederländische Duo Stenzel und Kivits unterhält das Publikum mit Slapstick und Schabernack.

Lauchheim

Doch, man kann sich amüsieren über die Herren Stenzel und Kivits und ihr „unmögliches Konzert“, wie sie das Programm nennen, mit dem die beiden Holländer durch Europa touren. Das Publikum am Donnerstagabend auf Schloss Kapfenburg jedenfalls war in großen Teilen hörbar begeistert und fand den Klamauk zum Lachen.

Stenzel ist Tenor mit entwickelter Singtechnik, Kivits ist Pianist mit Händchen für rabiaten Jazz, der im zweiten Teil des Konzerts ausführlich zu Gehör kam. Vorher und nachher Klamauk der drastischen Art und Witze und viel Gerät. Kleine Maschinen, die einen Notenständer auffalten und sich zur Musik im Kreise drehen oder angetrieben von einer Bohrmaschine den Takt zu Gesang und Piano rasseln. Eine Beethovenbüste, die mit dem Kopf wackeln kann, eine Sektkorkenkanone, ein antiquarischer Plattenspieler.

Mittelpunkt der Materialschlacht ist der Flügel, elektronisch und in Leichtbauweise, der in der dritten Nummer mit einem Bein über die Bühne hängt und von zwei Männern aus dem Publikum leicht zurückgehoben wird. Später wird das Instrument auf den Kopf (Tastatur) gestellt, der Boden entkleidet, eine fest verbaute Hammond-Tastatur wird sichtbar und mit elektrischen Orgeltönen hörbar.

Dann sitzt der Pianist auf dem Flügel, der Sänger tanzt oben drauf Pirouetten zum Gesang. Das schwarze Gerät wird hochkant gestellt zur Rutschbahn für den Tenor im Frack. Und solcherlei Slapstick in atemloser Folge.

Nennen wir es Schabernack, was die beiden Herren musikalisch treiben. Die Idee ist immer die Verfremdung berühmter Musik, Klassik-Schlager wie der Türkische Marsch und die Fünfte, lustig allemal und gekonnt und mit banalem Kalkül vorgetragen. Nur die Jazznummer im zweiten Teil ist länger als drei Minuten. Die Musiker springen auf und über die Instrumente, verbeugen sich oft und immer vier Mal synchron zum Publikum. Das lässt sich ein auf die Artisten, singt mit, wo die es wollen, spielt im Dialog mit, wo es aufgefordert wird. Stenzel und Kivits haben auf ihrer Homepage Persiflagen auf die Klassik angekündigt, sie persiflieren mit ihrem fast zweistündigen Gesamtwerk sich selbst und die ehrenwerte Gattung der Musikclowns.

Das Publikum bedankte sich nach etlichen geplanten Zugaben mit heiterem Applaus.

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