Klezmer an der Rems

  • Weitere
    schließen
+
Mames Babegenush aus Dänemark überzeugten das Gmünder Publikum mit ihren Klezmer-Klängen.
  • schließen

Mit Mames Babegenush reisen jiddische Melodien durch den Remspark.

Schwäbisch Gmünd. „Klezmer in concert“ präsentierte die dänische Gruppe „Mames Babegenush“ auf der Remsparkbühne. Die sechs Musiker der Live-Band freuten sich sichtlich über den Auftritt bei der Europäischen Kirchenmusik in Gmünd. Nach der Corona bedingten Zwangspause genießen Publikum und Künstler wieder ein kleines Stück Normalität mit gebotener Vorsicht.

Mit dem Klezmer-Konzert feierten die Veranstalter der literarisch-musisch-politischen Reihe 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Die 2004 in Kopenhagen gegründete Band hat sich von Anfang an der jiddischen Klezmer-Musik verschrieben. Spontane Auftritte auf öffentlichen Plätzen verwandelten die Atmosphäre in begeisternde Parties der Lebensfreude. Sie wurden bekannt und traten bei der Klezmer-Community in der Carnegie Hall in New York auf, gewannen in Amsterdam den Publikumspreis für die beste Live Performance. Das Ensemble blieb seinen Wurzeln der Live Musik treu, obwohl es mittlerweile auch mit CDs reüssiert hat.

„Wir spielen jüdische Musik und mischen sie mit allem, was wir gut finden“, erklärt Klarinettist Emil Goldschmidt nach dem Intro das gemächlich Fahrt aufgenommen hat und mit Staccato-Tönen von Cimbalom und Flügelhorn lebhaft geworden ist. Lebensfreude strömt unmittelbar von der Bühne ins Publikum. Morton Ærø schlägt mit Klöppeln auf sein Hackbrett, das zur Familie der Zimbeln gehört. Daneben bedient er sich dem klassischen Schlagwerk. Sein unvergleichlicher Sound bildet zusammen mit dem Kontrabass von Andreas Møllerhøj eine tragende Textur für Bläser und Akkordeon.

Auf die Grundierung von Drums und Bass setzt Bo Rande beim Wiegenlied Night Light mit dem Flügelhorn eine Melodielinie in ruhigem Duktus. Verhalten dringen unvermeidliche Stadtgeräusche der Blaulichtflotte herüber. Dämmerung bricht herein. Gegen die Abendkühle, die von der Rems heraufwehte, hatten die Veranstalter mit Decken vorgesorgt.

Das Akkordeon von Nicolai Kornerup beginnt das Intro bei der moldawischen Komposition „Strannik“. Die Klarinette gesellt sich dazu. Beide treten in Dialog. Das Flügelhorn spielt ein Solo auf der Bassgrundierung bis der Saxofonist Lukas Rande die Melodie aufgreift und der Klarinettist in hohen Lagen jubiliert.

Einflüsse aus der Türkei

Den Song „Bosporus“ hat Akkordeonist Nicolai Kornerup geschrieben. Er zollt Tribut an den Einfluss der türkischen Musik auf die jiddische Musik. Zugleich hat der Komponist die Erfahrungen einer Tournee in Istanbul mit guter Musik, gutem Essen und dem Gefühl von ungebundener Freiheit einfließen lassen. Orientalische Klänge umarmen das Publikum. Mit einem beeindruckenden Cimbalon-Solo endet das Stück. Seine Komposition „Wien“ spiegelt leise und besinnlich den Sonnenaufgang über der Donau wider. Bläser und Akkordeon verzaubern mit Soli auf einem sicheren Basso continuo-Gerüst.

Jiddische Musik ist eng verbunden mit Hochzeitsmusik. Zum Tanz lädt Moderator und Klarinettist Emil Goldschmidt mit Körpersprache ein. Der traditionelle „Svatben Jok“ ein klassischer Hochzeitstanz verbreitet ausgelassene Feststimmung. Freudig spritzig ist der Rhythmus. Akkordeon und Bläser wechseln sich ab. Schnelle Läufe liefert das Saxofon, der Klarinettist dreht sich im Tanz.

Das Geheimnis des eigenwilligen Bandnamens lüftete EKM-Festival-Leiter Klaus Stemmler in der Begrüßung. Natürlich hat es mit Essen zu tun. Mames Babegenush ist Jiddisch für Mutters Auberginensalat.

Helga Widmaier

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL