Körpersprache ist ihre Stärke

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Wenn am 26. Januar die Premiere „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ in Aalen über die Bühne geht, ist auch eine Artistengruppe dabei.

Aalen

Am 26. Januar feiert „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ Premiere. Fünf junge Leute, Absolventen der Accademia Teatro Dimitri, wirken in der Inszenierung mit. Die Accademia ist eine Schauspielschule in der Schweiz, sie wurde vom Clown Dimitri gegründet. „Sie ist aber keine Clownschule“, stellt Lou klar. Pantomime, Tanz, Stimme, Artistik, Akrobatik, Improvisation und Objekttheater, bei dem ein Gegenstand Ausgangspunkt der Kreation ist, stehen auf dem Lehrplan. „Eine interdisziplinäre Ausbildung, damit jeder seine eigene Sprache entwickeln kann“, sagt Larissa. Wobei Sprache hier nicht wortwörtlich gemeint ist, denn die Absolventen verstehen sich als Bewegungsschauspieler. „Die Sprache wird nicht primär zum Erzählen genutzt, sondern der Körper“, erklärt Mayra und Jeele ergänzt: „Kreation wird großgeschrieben.“

Die Studierenden der Accademia werden so ausgebildet, dass sie ihr Theater selbst machen können, denn die meisten sind später in der freien Kunstszene aktiv. Sie lernen, sich selbst zu schminken und wie ein Scheinwerfer funktioniert oder ein Mischpult zu bedienen ist. Bis hin zum Projektmanagement, wenn es darum geht, Gelder zu generieren.

Die Artisten sind auf Initiative von Tonio Kleinknecht, der den Roman von Thomas Mann in eine Bühnenfassung gebracht hat und Regie führt, nach Aalen gekommen. Vorher gab es Castings. Lennart etwa erzählt, er habe sich mit Pantomime, Tanz und Jonglage vorgestellt.

Welchen Part haben die fünf nun in der Inszenierung? Drei von ihnen treten in einzelnen Rollen auf. Als Team werden sie das Stück in gewisser Weise „bebildern“, ein Fest, eine Szene in der Schule oder im Museum darstellen oder die Sichtweise Krulls zeigen. Sogar eine Artistenshow, wie sie auch im Buch vorkommt, wird zu sehen sein. Inklusive Akrobatik am Trapez und an den Strapaten, das sind Bänder, die an der Decke befestigt sind.

Zur Vorbereitung auf die Produktion haben alle das Buch gelesen und die Textfassung von Tonio Kleinknecht mit Ideen zur Inszenierung. „Da war noch viel Freiraum“, sagt Jeele, der bei der Regie mitarbeitet. Das Artistenteam hat die Ideen aufgenommen und kreativ umgesetzt.

Seit Ende November proben die fünf in Aalen. Sie wohnen im Gästehaus Stütz oder in einer Theaterwohnung. Zeit, die Stadt oder die Umgebung kennenzulernen, haben sie nicht. Der Probenalltag am Theater beginnt um 8 Uhr und geht den ganzen Tag. Zudem brauchen die Artisten Zeit, ihre körperlichen und künstlerischen Fähigkeiten zu trainieren. Dazu gehören tägliche Warm-ups und Stretch-outs, um fit zu bleiben. Jonglage und Akrobatik müssen genauso geübt werden wie Gesang und Instrumente. Denn auch Akkordeon, Geige, Ukulele und Mundharmonika werden auf der Bühne zu hören sein.

Die Absolventen der Accademia sind zwischen 24 und 28 Jahre alt. Sie haben ihren Abschluss 2020 gemacht, mitten in der Coronapandemie. Manche haben sich seither mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten oder unterrichtet. Wie erleben sie die Arbeit an einem öffentlichen Haus im Vergleich zur freien Kunstszene? „Für alles, was man braucht, gibt es jemanden, der sich kümmert. Man muss nur wissen, was man will“, zeigt sich Larissa beeindruckt. Ein weiterer Unterschied ist etwa die klare Hierarchie; in der freien Szene werden Entscheidungen kollektiv getroffen. Wobei sich die Gruppe einig ist, dass es in Aalen nicht „klassisch autoritär“ zugeht. Jeele sagt: „Tonio (Kleinknecht) lässt sehr viel Freiraum, dass man gemeinsam kreieren kann.“ Die Artisten fühlen sich wohl am Theater und schätzen die familiäre Atmosphäre. „Hier wird man schnell mit offenen Armen empfangen“, meint Lennart.

Die Premiere „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ ist am Mittwoch, 26. Januar 2022, 20 Uhr in der Stadthalle Aalen. Weitere Termine sind im Kulturbahnhof geplant.

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