Körpertricks der übersinnlichen Art

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Sieben Schattenspieler und Tänzer schaffen mit ihren Körpern Figuren bis hin zu ganzen Erzählungen und Welten.
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Erstmalig tritt das renommierte Kölner Schattentheater-Ensemble Mobilé in Gmünd auf und zaubert einen allumfassenden Bilderreigen auf die Leinwand.

Schwäbisch Gmünd

Als die ersten Zeichentrickfilme vor gut hundert Jahren zu sehen waren, muss dies beim Zuschauer wie ein Wunder gewirkt haben. Ähnlich erging es den Zuschauern am Samstagabend im Stadtgarten: Was die Mobilés mit ihren Moving Shadows im Stadtgarten boten, erinnerte an einen animierten Film.

Nur waren die sich ständig verändernden Bilder nicht gemalt oder aus Knetmasse geformt, auch nicht computeranimiert – die sieben Schattenspieler und Tänzer schaffen mit ihren Körpern Figuren bis hin zu ganzen Erzählungen und Welten.

Musik- und Filmgeschichte, sogar die ganze Menschheitsgeschichte erzählen die bewegenden Schatten, was bei den Zuschauern immer wieder für Verblüffung sorgt. Als der Elvis-Song „Love me tender“ erklingt, schwebt zunächst sein angedeuteter Gesichtszug über die Leinwand. Mehrere Körper legen sich am Boden über- und untereinander. Was im ersten Moment wie ein großes Menschenknäuel wirkt, geht geschwind in eine Art Scherenschnitt über, der klar als Gesichtsprofil der Rock- und Poplegende zu erkennen ist.

Fließend löst sich das Bild auf, und innerhalb von Sekunden bringen sich vier der Tänzerinnen und Tänzer unverkennbar als Beatles in Pose und interpretieren allein mit ihren Schatten „I Want to Hold Your Hand“ – magisch. Weitere Auftritte haben Mozarts Königin der Nacht, und man fragt sich, wie es einem Menschen gelingt, einen übergroßen Reifrock abzubilden. Oder stecken mehrere Schatten dahinter. Geheimnisvoll bleibt es bis zum Ende, wie sie entstehen.

Pfiffig werden als Nächstes Highlights der Filmgeschichte nachgestellt. Der Galgen bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ geht nahtlos in Karl May-Romantik mit Wigwam über. Unvergesslich sodann der kurze Roadtrip zu Easy Rider, drei Körper werden zu Motorrädern und schon brettern drei Moving Shadows dem weiten Horizont entgegen – grenzenlose Freiheit und grenzenlose Verwandlungskunst. Auch das Tierreich mit Pinguinen, Löwe, Giraffenfamilie und vielen mehr ist für die Kölner Truppe eine reizvolle Spielwiese.

Ihre Körper bilden auch die Interieurs, etwa Sitzgruppe mit Couchtisch, ab und gehen selbst in Wörter und Sprache über: Am Ende schreiben sie ein graziles „Danke Schwäb. Gmünd“ in drei Bildern auf die Leinwand, und das Publikum ist hingerissen. Zwei Stunden Begeisterung, Spannung und Überraschungsmomente, dafür erntete die Truppe mit Regisseur Stefan Südkamp nach vielem Zwischenapplaus am Ende tosenden und stehenden Applaus. Welcher Kraftakt und welches präzise Zusammenspiel hinter der Bühne nötig war, verriet der Making-of-Film, der nach der Zugabe gezeigt wurde. Einfach spitze!

Sieben Schattenspieler und Tänzer schaffen mit ihren Körpern Figuren bis hin zu ganzen Erzählungen und Welten.
Sieben Schattenspieler und Tänzer schaffen mit ihren Körpern Figuren bis hin zu ganzen Erzählungen und Welten.

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