Kraftvolle Klangexperimente vom Feinsten

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Jakob Bro tastet in "Uma Elmo" die breiten Entfaltungsmöglichkeiten seiner Gitarre aus.
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„Uma Elmo“ heißt das Konzert, das drei Musiker in Gschwend präsentieren.

Gschwend. Aus der sonoren Stimmlage des Teamchefs vom 35. Musikwinter ist verhaltener Stolz und jede Menge Optimismus herauszuhören. Immerhin kann Rainer Klein an diesem Abend bereits die zwölfte Veranstaltung ansagen und sich zusammen mit dem zahlreich erschienenen Publikum darüber freuen, dass es bisher keine pandemiebedingten Absagen gab. Außerdem vermeldet das Streaming-Angebot guten Sound und keinerlei Aussetzer.

Das Trio um den Dänischen Gitarristen Jacob Bro brennt an diesem Abend darauf, mit einem fulminanten Konzert in die Vollen zu gehen. Den kongenialen Mitspielern, dem Norweger Arve Henriksen (Trompeten) und dem Spanier Jorge Rossy (Percussion), ist deshalb die Spielfreude in jeder einzelnen Konzertminute anzumerken. Das erstaunlich homogene Dreigestirn dieser Solisten lässt deshalb an keiner Stelle den Eindruck zu, hier sei lässig improvisiertes Stückwerk im Angebot.

Für die Zuhörerinnen und Zuhörer ist anfangs dennoch anspruchsvolle Gewöhnung angesagt. Die drei Musiker beginnen ihre Stücke regelmäßig aus einem scheinbaren Nichts und nähern sich in langen Atemzügen kraftvolleren Klangexperimenten, die jedoch fast nie die akustische Schmerzgrenze erreichen. Gleich zu Anfang ist dies schon bei „Reconstructing a Dream“ zu erleben. So bringt sich zum Beispiel Jorge Rossy mit seinem Schlagzeug so gut wie an keiner Stelle als stupider Haudrauf ein, sondern dosiert subtil und nur mit gelegentlich aufblitzenden Drum-Markierungen. Auch Arve Henriksen agiert ohne Überheblichkeit und lässt nur dann wirklich aufhorchen, wenn er der Trompete oder deren kleiner Piccolo-Schwester unerwartete Klarinettentöne entlockt. Es kommt eben immer auf das Mundstück an. Auch vokale Einlassungen sind Henriksen nicht fremd. Manches erinnert in Spuren an den improvisierten Jojk der Samen in Lappland, mystisch verklärt und mit eindrucksvoller Strahlkraft.

Jacob Bro ist mit seiner sechssaitigen E-Gitarre hauptsächlich für die Harmonisierung zuständig, aber auch längere Melodiephasen breitet er genussvoll aus. Sein routinierter Tritt auf die diversen Sequenzer-und Soundschalter lotst die Zuhörer dann zwischen kraftvollen Bass-Sequenzen und ostinaten Loops mit unterlegtem Dauer-Hall hin und her. Es wimmelt von akustischen Überraschungen, die oft meditativen Charakter besitzen und mit langen Wiederholungspassagen das Publikum in ihren Bann ziehen.

Struktur entsteht bei den mit großer Geste entwickelten Stücken hauptsächlich durch das zögerliche Anschwellen und Abklingen der Dynamik und den wechselnden Einsatz der Instrumente, wobei klassische Instrumentalsoli nicht zu finden sind. Alles fließt in einer scheinbar unendlichen Schleife – allein die Widmung für den verstorbenen polnischen Trompeter Thomasz Danko („to Danko“) ist im Verbund mit anderen Stücken über 45 Minuten als spannendes Austasten von diversen, nahtlos aneinanderstoßenden Klangräumen zu erleben. ⋌Rainer Kollmer

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