Künstlerinnen durchschauen ihre Stadt

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Freuen sich über eine gelungene Ausstellung: (v.l.) Christina Faber, Silke Schwab-Krüger, Roland Hasenmüller.
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Kunstverein und SI-Club Ellwangen stellen im Schloss Arbeiten von elf Frauen aus, die Traditionen und Identitäten hinterfragen.

Ellwangen

Zeitgenössische Kunst in der Kleinstadt, das allein kann schon eine mühsame Suche sein. Noch schwieriger wird es, wenn explizit das Schaffen von Frauen gefragt ist. "Bekommen wir überhaupt genug Arbeiten, um die Räume im Schloss zu bespielen", bangte man beim Ellwanger Kunstverein und beim Serviceclub Soroptimist International, als 21 Frauen um aktuelle Arbeiten mit Blick auf Ellwangen angefragt wurden.

Das Ergebnis ist die Ausstellung "Durchschaut". Man kann ab Sonntag, 9. Oktober sehen, hören, erleben, was 11 Frauen geliefert haben und wird überraschende Einsichten in die Facetten des Heimatbegriffs erleben. Von der Hommage bis zur Kritik reicht die Bandbreite. Frau reibt sich beispielsweise an männlich dominierten Traditionen wie Bürgergarde und "Pennäler Schnitzelbank". Silke Schwab-Krüger hinterfragt das martialische Auftreten und das Frauenbild, das diese Gruppe vermittelt. Ihre vertikal geteilten Arbeiten richten den Blick auf Aspekte wie Diversität, Persönlichkeitsrechte, Fake News.

Weniger kritisch, aber nicht weniger beeindruckend ist die "Wand" aus über 70 Einzelbildern von Diana Charlotte Wild, die Leintücher (gekauft bei der AWO in Ellwangen) mit Naturmaterialien gefärbt hat. Für jedes einzelne Tuch sind Ort, Zeit und Umstände festgehalten. Wer vor dieser Arbeit steht, sieht sozusagen die Ellwanger Naturlandschaft als Konzentrat, überwältigend und doch so fragil und vergänglich. 

Mit Frauen der Vergangenheit, Hexenverfolgung und Justiz, befasst sich die Konzeptkünstlerin Ines Tartler, filigrane Lasuraquarelle nach Meditation auf dem Schönenberg zeigt Hanne Dittrich, Eva Gentner beschäftigt sich mit Karlheinz Knoedler und wie er und die Stadt sich gegenseitig geprägt haben. Stephanie Gelse blickt auf die "Schwarze Schar" in Scherenschnitten und Faltungen: das Martialische "zusammengefaltet". Amelie Jack packt die Stadt und ihre vielen Traditionsgruppen auf einen Kleiderständer: ein Blick und man weiß alles.

Margret Köder und Veronika Spang verweisen mit einer Kollage auf ihre "Land Art": in die Bäume im Wäldchen beim Schützenhaus haben sie Weidenringe als vergängliche Kunst eingezogen.

Ein Raum ist verdunkelt zum Kinosaal: Hier ist der Film "Fannys Augen" zu sehen, in dem Beate Rothmaier und Christine Hunold der Ellwangerin Fanny Imle (1878-1965) nachspüren. Die Anarchistin, Sozialistin, Philosophin publizierte zu Gewerkschaften und Arbeiterbewegung.

Kuratorin Silke Schwab-Krüger berichtet, man sei von der großen Resonanz auf die Anfrage überrascht gewesen. Anlass für die Kooperation mit dem Kunstverein sei die Gründung von Soroptimist International vor 100 Jahren, erklärt die Ellwanger Club-Präsidentin Christina Faber. Und der Vorsitzende des Kunstvereins, Roland Hasenmüller, freut sich über eine weitere gelungene Ausstellung auf dem Schloss.

Kunst-Basar zur Vernissage

Zur Vernissage am 9. Oktober um 11 Uhr in der "großen Stallung" auf Schloss Ellwangen spielen die Cellistinnen Iris Mack und Amelie Brune. Dr. Sabine Heilig spricht. Zudem veranstaltet der SI-Club von 10 bis 16 Uhr im Schlosshof einen Basar für Kunst und Handwerk. Künstlerbedarf, Materialien und Werkzeuge aus mehreren Nachlässen suchen einen neuen Wirkungs­­ort zur Entfaltung. 

Extrem zusammengefaltet: Stephanie Gelse beschäftigt sich mit den Verslisten der "Schwarzen Schar".
Meditation zu Ellwangen: Lasuraquarell von Hanne Dittrich.
Kleiderstange mit den Uniformen, Kostümen von Ellwanger Traditionsgruppen von Amelie Jack.
Der Blick auf die Textilbilder von Diana Charlotte Wild, im Vordergrund eine Installation von Eva Gentner.
Scherenschnitt von Stephanie Gelse.
Land-Art im Schützenwäldle von Margarethe Köder und Veronika Spang.

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