Kulturverzicht ist in Gmünd kein Thema

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Ein Thema wie ein Heimspiel: Silber gehört seit fast 150 Jahren zur DNA des Museums im Prediger. 1876 ist es von den ansässigen Silberwarenfabrikanten gegründet worden.
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Bei der Eröffnung von „Timeless Silver“ spricht Oberbürgermeister Richard Arnold über den Stellenwert der Kultur.

Schwäbisch Gmünd

Die Gäste kommen aus Schwäbisch Gmünd und aus dem ganzen süddeutschen Raum, um bei der Eröffnung einer nicht alltäglichen Ausstellung dabei zu sein: Bei „Timeless Silver“ im Museum im Prediger dreht sich alles um die visuellen Eigenschaften von Silber, Besucherinnen und Besucher sehen dabei Meisterwerke der historischen und der zeitgenössischen Silberschmiedekunst.

Es ist ein Handwerk, das heute nur noch wenige ausüben, wie Fred Matzke vom gleichnamigen Kunsthandel in Grünwald bei der Ausstellungseröffnung sagt. In Gmünd gehört Silber seit fast 150 Jahren zur DNA des  Museums im Prediger. 1876 von den ansässigen Silberwarenfabrikanten nach dem Konzept des Londoner Victoria and Albert Museums als Kunstgewerbemuseum gegründet, ist das es die älteste kunstgewerbliche Vorbildersammlung im deutschen Südwesten. Für Museumschef Dr. Max Tillmann ist das der  Ausgangspunkt für die Ausstellung „Timeless Silver“.  Die neue Schau zeige in sechs thematisch gegliederten Kapiteln  über 80 Meisterwerke der Silberschmiedekunst in ei-nem epochenübergreifenden Dialog.  

Exponate erzählen Geschichten

Hinter diesen Exponaten stehen Geschichten. Egal, ob es dabei um einem um 1400 vermutlich in Burgund gefertigten, höfischen Löffel handelt, um kirchliches Gerät oder höfisches Tafelsilber. Ein Ausrufezeichen setzt das eigens für die Ausstellung konzipierte Raumensemble des Frankfurter Künstlers Rolf Poellet.

Oberbürgermeister Richard Arnold bricht vor den vielen Eröffnungsgästen eine Lanze für die Kultur. In Zeiten multipler Krisen gerate die Kultur unter Druck und Manche vermittelten den Eindruck, Kultur sei ein Luxus, eine verzichtbare Freizeitfreude, bei der man den Rotstift ansetzen könne. „Für mich ein klares Nein“, so Richard Arnold. „Kultur ist Bildung und die brauchen wir.“ Sie sei auch ein klarer Standortfaktor, zahlreiche Arbeitsplätze hingen daran. Sie bestimme die Qualität eines Wirtschaftsstandorts und spiele eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Firmen am Ort zu halten oder neue zu gewinnen. „Wenn es der Kultur gut geht, geht es Schwäbisch Gmünd gut“, sagt das Stadtoberhaupt. Wichtig sind  Arnold auch die Begegnung bei kulturellen Ereignissen, die Gespräche. Diese Gespräche förderten auch den Zusammenhalt der Stadtgemeinschaft.

Eines der Unternehmen, das mit der Kultur in Gmünd groß geworden ist, ist das Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie (fem). Dessen früherer Leiter Dr. Andreas Zielonka schätzt die Ausstellung ganz besonders, weil sie im Jahr des 100. Geburtstags des fem stattfindet. In der Geschichte des Forschungsinstituts spiele die Gold- und Silberbranche eine wichtige Rolle. Was hinter dem fem steckt, das sehen Besucherinnen und Besucher der Ausstellung auch an einer Videowand in der Ausstellung.

Museumsdirektor Tillmann taucht mit den Gästen der Vernissage ein in die besonderen Eigenschaften des Silbers und verortet sie in der Zeit. Zu den ausgesuchten Stücken zählen auch zwei Objekte aus dem Kirchenschatz des Heiligkreuzmünsters, den das Museum bewahrt: ein seltenes Kreuzreliquiar in Form eines Kalvarienbergs aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, das vermutlich in Ulm gefertigt wurde sowie eine zwischen 1695 bis 1700 in der Werkstatt des Augsburger Goldschmieds Michael Mair hergestellte Strahlenmonstranz.   

Bis 10. April 2023 im Museum im Prediger

Die Ausstellung „Timeless Silver“ ist bis 10. April 2023 im Museum im Prediger zu sehen. Sonntags sind um 15 Uhr öffentliche Führungen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein 200-seitiger Katalog erschienen. 

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