Kundige Hände widmen sich Schumann ganz ohne Schmus

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Beflügelt mit Schumann auf Schloss Kapfenburg: Johanna Summer und Florian Uhlig.
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Lauchheim

Wieso Schumann?“ fragt zu Beginn des ersten Accelerandokonzertes in diesem Jahr auf Schloss Kapfenburg am Donnerstagabend Akademiedirektor Moritz von Woellwarth die Interpreten Johanna Summer und Florian Uhlig. Bevor sie jedoch auf den Tasten des Flügels die Antwort geben, versuchen sie es mit Worten.

Die junge Pianistin hat als Kind Schumanns „Kinderszenen“ gespielt. Damit habe sich für sie eine Tür zu dem Komponisten geöffnet. Der nach eigenen Worten bekennende „Schumannomane“ Florian Uhlig erklärt, wie im Zusammenhang mit dessen 200. Geburtstag 2010 die Idee entstanden war, dessen gesamtes pianistisches Werk aufzunehmen. Bis heute sind daraus 18 Cds geworden.

Geschmeidig und brillant

Der in Lübeck lehrende Professor hat also seinen Schumann intus. Das spürt das Publikum im gut besetzten großen Saal bei jedem Ton, den er anschlägt. Meist markant, häufig geschmeidig, aber immer ohne jeglichen romantischen Schmus. Brillant, wie er die typischen Staccati ziseliert. Die „Kinderszenen“ packt Uhlig zwischen das luftige und wohl nur selten aufgeführte Allegro h-moll op. 8. Gleiches gilt für die „Intermezzi op. 4“, die bei dem Solisten ebenfalls in besten Händen sind. Das Feuerwerk des ersten Teils kontrastieren Komponist und Interpret mit einem langsamen Satz, bei dem Uhlig mit seinen wissenden Händen in sich hinein zu hören scheint.

Wie der Klavierprofessor dann die „Kinderszenen op. 15“ auf den Tasten charakterisiert ist höchste Kunst der kurzen Prägnanz. Angefangen „Von fremden Ländern und Menschen“ - dessen Wohlklang sich man als Lebenswirklichkeit für die Ukraine wünscht - bis zum abschließenden „Der Dichter spricht“. In der Mitte der Welthit - die „Träumerei“. „Zum Augenblicke dürft‘ ich sagen…“, fällt mir Goethe ein. Doch schon ist sie ausgeträumt.

Mit Liebe zur Improvisation

Vor Florian Uhlig hatte seine junge Kollegin Johanna Summer ihre Einstellung zu dem Romantiker zum Klingen gebracht. Der anerkannten Jazzpianistin fließt die Liebe zur Improvisation durch die Adern wie das Blut. Deshalb dreht sie mit kundigen Händen ihr Melodienkaleidoskop, um immer wieder neue Musikfarben zu entdecken. Jazzelemente fügt sie mit Rhythmus und Modulationen ein. Wobei Klassik und Jazz nicht immer nahtlos ineinanderfließen. Ihr Rezept gerät an seine Grenzen, als sie den „Hasche-Mann“ und die „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“ aufeinandertreffen lässt. Sie finden nicht zusammen. Schön dagegen, wie sie immer wieder wunderschönen innigen Passagen dramatische Cluster entgegensetzt. Herzlicher Beifall dankt beiden Interpreten.

Zur Zugabe setzen sich Johanna Summer und Florian Uhlig gemeinsam an den Steinway zu einem kurzen Schumann zu vier Händen.

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