Kunst, die man sich aus der Nähe erschließen muss

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Der Kunstpreis der VR Bank Ostalb geht 2022 an Anna Ingerfurth.
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Die VR-Bank Ostalb hat ihren 18. Kunstpreis an die Stuttgarter Künstlerin übergeben.

Aalen. Sie mag es lieber kleinformatig, auch wenn vor dem kleinen Sitzungssaal im Rathaus Aalen mit „Man muss sich nur trauen jeden Zweifel auszuräumen“, ein sehr großes Werk von Anna Ingerfurth an der Wand zum genaueren Hinsehen einlädt. Die imposanteste Arbeit der Ausstellung „Formen des Erwartens“, die am Sonntagvormittag mit der Übergabe des 18. VR-Kunstpreises und der Musik von Swing Affairs an die Stuttgarter Künstlerin eröffnet wurde.

Man freue sich riesig, dass eine solche Veranstaltung wieder uneingeschränkt möglich sei, begrüßte der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Kurt Abele die rund 70 Gäste, darunter auch den Gmünder Bürgermeister Julius Mihm und Mitglieder der Jury. Der Kunstpreis sei ein fester und wichtiger Bestandteil des künstlerischen Geschehens in der Region, so Abele weiter. Erstmals vergebe man nun statt 4000 Euro nun 5000 Euro Preisgeld.

Aalens OB Brütting hob in seinem Grußwort hervor, wie stark die Kunst von Anna Ingerfurth die Ausstellungsräume der Galerie bereichere. Er dankte der VR-Bank für diesen Beitrag zur Kunst- und Kulturförderung in der Region. Dieser zeige auch, dass Kunst und Kultur nach einer Zeit des Stillstandes nicht als überflüssiger Luxus abgetan werde. In den Arbeiten der Künstlerin sehe er auch, dass man Subjekt und Objekt in Beziehungen zwischen Menschen nicht vertauschen solle.

Die Kunsthistorikerin Dr. Sabine Heilig gab dann einen tieferen Einblick in das Werk der 1969 geborenen Künstlerin. Mitunter erinnere es an den Realismus von Edward Hopper. Ingerfurth arbeite aber mit warmen, weichen Pastelltönen und Ornamenten. „Sie führt den Betrachter ganz nah an ihre Arbeiten heran“, so Heilig. Fordere ihn durch die kleinen Formate dazu auf. So würden sich Blick und Gedanken fokussieren, Assoziationen hervorrufen. Besonders sichtbar sei das auf den Bildern, die die Künstlerin auf MDF-Vollmaterial gemalt habe. Menschen als Platzhalter für den Umraum, ohne erkennbare Aktivität, in erwartender Haltung. „Rätselhaftigkeit als Stilmittel“, so Heilig.

Die Künstlerin selbst wollte, nachdem sie den Preis mit einer Urkunde und dem Pleurer-Raben in Empfang genommen hatte, nicht viel sagen. „Ich habe mich entschieden, Malerin zu werden“, sagt sie. Deshalb wollte sie nicht viele Worte machen, bedankte sie sich.

Die Ausstellung ist bis zum 24. August in der Galerie im Rathaus zu sehen.

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