Kunstverein Aalen: was die neue Vorsitzende Ines Mangold-Walter plant

+
Ines Mangold-Walther ist die neue Vorsitzende des Kunstvereins Aalen.
  • schließen

Die Kulturwissenschaftlerin hat im August 2021 die Nachfolge von Artur Elmer angetreten. Über das Ausstellungsjahr 2022, neue Kooperationen und Herausforderungen. Von Dagmar Oltersdorf

Aalen

Privat oder beruflich – Ines Mangold-Walter hat sich der Kultur verschrieben. Im August 2021 wurde die 40-jährige Kulturwissenschaftlerin von den Mitgliedern des Aalener Kunstvereins zur Nachfolgerin des ehemaligen Vorsitzenden Artur Elmer gewählt. In Interview mit Dagmar Oltersdorf spricht Ines Mangold-Walter über den Neustart beim Kunstverein im Alten Rathaus am Marktplatz, neue Kooperationen und den Schwerpunkt des Programms für das Jahr 2022.

Frau Mangold-Walter, wie haben Sie sich denn eingefunden in Ihren neuen Aufgabenbereich?

Ines Mangold-Walter: Die letzten Monate waren gekennzeichnet durch die Übergabe und die Überlegung, in welche Richtung es weitergehen soll. Fakt ist: der Kunstverein ist sehr gut aufgestellt, auch finanziell. Er hat 500 Mitglieder und das Renommee ist hervorragend vor allem auch durch die Ausstellungen, die Herr Elmer in den vergangenen Jahrzehnten mit den vielen aktiven Mitgliedern des Vereins auf die Beine gestellt hat. Seine letzte Ausstellung, die Rembrandt-Ausstellung, war wie ein Paukenschlag, mit dem er sich verabschiedet hat. Etabliertes und Bestehendes wird also natürlich auch unter meiner Vorstandschaft aufrechterhalten.

Was gehört denn da dazu?

Da ist natürlich die Ausstellung „Kunst von uns“. Viele Mitglieder des Vereins sind hauptberuflich Künstlerinnen und Künstler oder sind nebenberuflich in diesem Bereich tätig. Da ist es wichtig, allen auch eine Plattform zu bieten. Auch der Kunstmarkt gehört dazu. Wie bisher sollen bei den Ausstellungen aber auch die Arbeiten von überregionalen Künstlerinnen und Künstler gezeigt werden. Wir werden immer wieder auch neue Positionen und Entwicklungen zeigen, bekannte und unbekannte Namen nach Aalen holen. Wir haben etwa Kontakte nach Leipzig an die HGB. Es wird eine Ausstellung geben mit den Absolventen des Kurses von Professor Christoph Ruckhäberle, einem sehr renommierten Professor der Neuen Leipziger Schule. Darüber freue ich mich riesig. Alle Ausstellungen im Jahr 2022 werden unter dem Motto „Dialog“ stehen.

Warum dieses Motto für Ihr erstes Jahr als Vorsitzende?

Kunst und Kultur waren in der Pandemie ausgehebelt, sind aber sehr wichtige Eckpfeiler für den Dialog in unserer Gesellschaft und für die Demokratie. Das war fatal und ich finde es ganz wichtig, diese Komponente der Kunst in den Vordergrund zu stellen. Beginnen werden wir mit einer Ausstellung zweier Fotografen im Mai, die künstlerisch in einen Dialog treten. Sara Förster und Ulrich Bernhardt - beide etabliert, sie aus Bremen, er aus Stuttgart - setzen sich nicht vornehmlich mit ihren Motiven, sondern vor allem auch mit der Materialität der Fotografie auseinander. Der Faktor Zeit spielt in ihren Arbeiten ebenfalls eine Rolle. Überregionale Positionen nach Aalen zu holen, ist von jeher auch ein Grundansinnen des Kunstvereins.

Dazu gehört auch der Schwerpunkt mit außereuropäischer Kunst?

Außereuropäischen Kulturen eine Plattform zu bieten, über das Identifizieren von Gemeinsamkeit, kennen und verstehen lernen, das halte ich bei den derzeitigen rechtsnationalen Tendenzen für besonders wichtig. Das wird also sicherlich weiter dazugehören.

Sie sind Regionalmanagerin Kultur beim Landratsamt. Inwieweit wird das in das Programm des Kunstvereins hineinwirken?

Die Anbindung an die Region soll auch über das Rahmenprogramm möglich sein, etwa durch Kooperationen mit anderen Kulturträgern wie beispielsweise dem Kino am Kocher. Bei einer dieser Kooperationen werden wir einen Film der aus Aalener stammenden Filmemacherin Sonja Baeger zeigen, für den der Aalener Komponist Edgar Mann die Musik gemacht hat. „Herz aus Stein“, heißt die Dokumentation über die Schaffung von drei Monumentalskulpturen durch den Künstler Stefan Rinck. Dazu bieten wir ein Werkstattgespräch mit der Filmemacherin und dem Künstler an. Kooperieren werden wir auch mit der Jugendkunstschule. Kulturelle Bildung und bildungsbenachteiligten Kindern Kultur nahezubringen ist eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt. Mit dem Künstler Stefan Heller etwa, der auch bei uns Mitglied ist, bieten wir einen Workshop an, bei dem Interessierte einen Animationsfilm machen können. Jessica Rühmann, die ja an der HfG in Gmünd studiert hat, wiederum bietet eine Mappenberatung an. Wieder geben wird es auch die Kunstreisen in Kooperation mit der OVA - in diesem Jahr unter anderem zur Art Karlsruhe und zur Documenta in Kassel. Ausbauen werden wir auch weiterhin die Bibliothek im Obergeschoss, diese mehr beleben. Diese soll nicht nur während der Ausstellungen nutzbar sein.

Gibt es auch inhaltlich Neues?

Wir werden auch verstärkt neue Kunstformen zeigen, um die nachfolgenden Generationen noch besser einzubinden. Ganz klar zeigen wir weiterhin klassische Bildhauerei und Malerei, aber auch die Performancekunst und Installationen werden mehr Raum bekommen. Vielleicht gelingt uns hier auch eine noch bessere Anbindung in die Innenstadt. Viele Menschen sagen: Kunst, davon verstehe ich nichts. Es geht aber erstmal nicht um das Verstehen, sondern darum, die eigenen Empfindungen und das eigene Wahrnehmen in den Mittelpunkt zu stellen. Das wird oft verkannt. Auch deshalb ist Kunst oft nur einem kleinen Zirkel zugängig. Da müssen wir noch mehr machen. Und 2023 steht dann auch schon mit dem Jubiläum die nächste Herausforderung an. Der Kunstverein Aalen wird dann 40 Jahre alt.

Tipp: In Kooperation mit dem Kino am Kocher zeigt der Kunstverein dort am Mittwoch 16. März, 20.15 Uhr und Sonntag, 20. März, um 15 Uhr den Film „In den Uffizien“.

Steckbrief:Ines Mangold Walter

  • Ines Mangold-Walter hat u. a. Empirische Kulturwissenschaften in Tübingen studiert und sich dabei auf Kunst und Kultur und das Ausstellungswesen fokussiert. Nach ihrem Studium und Auslandsaufenthalten in London, wo sie bei einem Theater und einer Galerie arbeitete, kehrte sie 2011 nach Aalen zurück und ist seitdem Vorstandsmitglied im Kunstverein Aalen. Bei der Kreissparkasse Ostalb war sie zunächst fünf Jahre lang verantwortlich für die umfangreiche Kunstsammlung mit 1500 Werken und organisierte dort auch Ausstellungen. Seit 2016 ist sie beim Ostalbkreis für den Kulturbereich zuständig und bekleidet dort seit 2019 das Amt der Regionalmanagerin Kultur. 2021 organisierte sie den Ostalb-Kultursommer.

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Mehr zum Thema

Kommentare