Larissa Wagenhals - ein Gesamtpaket für die Bühne

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Die Gmünderin Larissa Wagenhals ist aktuell als Artistin beim Theater Aalen als Ensemblemitglied von „Die Bekenntnisse von Hochstapler Felix Krull“ zu sehen.
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Die Schwäbisch Gmünderin hat „Physical Theatre“ studiert. Was sich dahinter verbirgt und welche Rollen sie am Theater der Stadt Aalen spielt.

Aalen

Ich tanze eigentlich, seitdem ich denken kann“, sagt Larissa Wagenhals. Der Tanz ist es auch, der die gebürtige Schwäbisch Gmünderin über viele Wege dorthin gebracht hat, wo sie weit mehr macht, als nur das. Larissa Wagenhals tanzt, singt, spielt Geige und spielt aktuell gleich zwei Rollen in der Inszenierung der „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am Theater der Stadt Aalen. Man kann wohl sagen: Sie ist ein Gesamtpaket für die Bühne.

Treffen kann man sie im Kulturbahnhof. Dort probt sie, dort spielt sie. Im leeren Foyer hat sie in einem der Sessel Platz genommen. Mit überschlagenen Beinen, aufmerksamen Blick und ab Sekunde eins präsent.

Präsenz gehört zu ihrem Leben dazu. Larissa Wagenhals steht nicht nur mit den Ensemblemitgliedern des Theaters, sondern auch mit weiteren Absolventen der Academia Teatro Dimitri aus Verscio in der Schweiz auf der Bühne. Dort hat sie gelernt, wie man physisches Theater umsetzt. Das Rüstzeug dafür hatte sie schon im Gepäck, als sie dort ankam. Durch ihre Tanzausbildung bei Karren Foster und Sabine Widmann. Durch den Geigenunterricht an der Musikschule. Den Gesangsunterricht und als Mitglied der Musical-Kids. „Das hat sich so durchgezogen“, erzählt sie in einem Fluss. Während ihrer Zeit in der Theater-AG des Parler-Gymnasiums dockt sie immer mehr an am Traum von der Bühne. „Da habe ich die Idee gehabt, das professionell zu machen“, erinnert sich die 27-Jährige und lächelt breit, „ aber das alles zu verbinden.“ Sich für eines zu entscheiden, ist nicht das, was sie will.

Zunächst der klassische Weg

Musical fällt einem da spontan ein - doch Larissa Wagenhals schüttelt den Kopf. „Das engt meine ästethische Ausdrucksform zu sehr ein“, sagt sie. Daher geht sie zunächst nach dem Abitur den klassischen Weg - ohne zuvor zwischendurch noch kurz mit einem Biologiestudium zu liebäugeln. Drei Jahre bleibt sie in Berlin, spricht bei den Schauspielschulen vor - immer wieder. Es klappt nicht. „Es war der richtige Weg, aber nicht die richtige Tür“, sagt sie heute über die Zeit. Schließlich macht sie eine Freundin, die in einem Varieté arbeitet, auf das Teatro Dimitri aufmerksam. „Die sind cool. Die tanzen und machen Akrobatik“, ist der Satz der Freundin, der ihr Interesse weckt. Sie spricht, stets mit „vertrauensvoller“ Rückdeckung ihrer Familie, vor bei der Academia in der Schweiz. „Da hat es sofort Klick gemacht“, sagt sie. Über die Körperlichkeit ins Spiel zu kommen, über die eigene Phantasie und nicht über einen fremden Text, ist das, was sie will. „Es ist ein Weg, in den Moment des Fühlens und Wahrnehmens zu kommen, nicht in eine Zukunft, die ich nicht bekomme“, das fasziniert sie am Physical Theatre, erklärt sie.

Drei Jahre dauert die Ausbildung in Verscio bei Locarno. Drei Jahrgänge gibt es dort - jeweils 14 in einer Klasse. „Es war anstrengend, sehr intensiv und vielseitig. Man versucht gleichzeitig, ein wahnsinniges Spektrum zu kultivieren“, sagt sie. Fast unmöglich sei es gewesen, die Flut an Eindrücken aufzunehmen. Mit dem Abschluss 2020 in „Physical Theatre“ hat sie eine Ausbildung, die eher für die „freie Szene“ attraktiv ist, wie Larissa Wagenhals sagt. Netzwerkarbeit sei wichtig, in die sie noch investieren muss. „Es ist vielleicht schwieriger, als über den klassischen Schauspielweg“, sagt sie und blickt nach oben. Anderseits hätte sie nie gedacht, als Schwäbisch Gmünderin über die Schweiz ein Engagement in Aalen zu bekommen.

Abschluss: Physical Theatre

Ein Engagement, das sie gefordert hat. Vor allem im Bereich Musik. Larissa Wagenhals spielt Geige in der Inszenierung, ein Instrument, das sie seit dem Teenageralter eher vernachlässigt hat. „Es war ganz viel Arbeit, für den Krull wieder auf ein gutes Niveau zu kommen“, sagt sie. Regisseur Tonio Kleinknecht habe allen Artisten viel Freiraum gelassen - „auch bei der Zirkusshow, wo wir uns austoben.“ Sie beispielsweise auch beim Jonglieren. Die Fitness für dieses Toben erhält sie sich eher „nicht so dogmatisch“, nicht mit Joggen und einem festen Programm, sondern mit Übungen, die übergreifend sind, „dass die Phantasie wach bleibt und man an der Präsenz arbeitet“, wie Larissa Wagenhals es beschreibt.

Der Krull selbst ist ihr anfangs über weite Strecken sympathisch, „wie er da doch seinen eigenen Weg findet. Ein Einzelgänger, der sich treu bleibt“. Am Ende ist es aber Krulls Umgang mit den Frauen, die diese Sympathie ins Gegenteil kehren, wie die 27-Jährige erklärt. Und ihre Figur, die Elinor Twentyman? „Am Anfang war das schwierig“, sagt sie. „Die Frauenfiguren im klassischen Theater tanzen immer so um die Männer herum und ich war zunächst unsicher, wie ich das mache.“ Schließlich sei sie den Weg der Karikatur gegangen. Ein Lied singt sie im Stück solo - ohne Musik. Auf Portugiesisch. Sie hat diese Sprache nicht gelernt. „Ich singe gerne Lieder in fremden Sprachen“, sagt sie. Es falle ihr nicht so schwer.

Im Moment lebt Larissa Wagenhals in Biberach, im Haus ihrer Großeltern. Ist das Engagement vorbei, wird sie zunächst wieder in der Schweiz arbeiten. „Ein Kollege hat zu mir gesagt, du bist einen Kopf kleiner, wir sollten was machen“, erzählt sie. „Da haben wir dann einen kleinen Gag kreiert.“ Aus dem Gag entstand das Clown-Duo Mario&Mela. Wäre die Gmünder Art nicht abgesagt worden, hätte man das Duo dort sehen können.

Nun hofft Larissa Wagenhals darauf, dass es noch klappt bei der nächsten Art. „Es wäre schön, in der Heimat mit was Eigenem aufzutreten“, sagt sie. Dann steht sie auf. Vor der Vorstellung die Steppnummer noch mal üben, ihr Lied noch einmal singen. Vielleicht auch ein wenig tanzen.

Die nächsten Vorstellungen des „Felix Krull“ sind an diesem Freitag, 11. Februar, 20 Uhr, und am Samstag, 12. Februar, 20 Uhr, im Kulturbahnhof Aalen. Mehr dazu lesen Sie auch auf unserer Freizeitseite 28. Larissa Wagenhals: www.duomariomela.com

Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Das Theater Aalen zeigt "Felix Krull" in einer Inszenierung von Tonio Kleinknecht.
Fest - bzw. Tanzszene
Das Theater der Stadt Aalen führt Bekenntnisse des Hochsstaplers Felex Krull auf.
Fest - bzw. Tanzszene

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