Lars Reichow - der Entertainer mit Piano, Polemik und Liebesliedern

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Reichow begeistert das Publikum in der Stadthalle.
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Lars Reichow versorgt sein Publikum mit Chansons, Kabarett und herzhafter Unterhaltung.

Aalen. Er springt auf die Bühne, der Mund weit offen für das späte „Guten Abend“, ein Arm hoch, in der anderen Hand das große Tablet, von dem er seine Texte ablesen wird, grauer Anzug, dunkles T-Shirt: Lars Reichow kommt in Aalen an und wird wie ein Star begrüßt, wie einer, den man kennt, auf den man sich freut. Der verkleinerte Saal der Aalener Stadthalle ist voll, die Menschen jünger als bei klassischen Veranstaltungen.

Lars Reichow ist Kabarettist, Chansonnier, Pianist, Kulturkritiker, zorniger Polemiker. In Aalen zeigt er seine Kunst gut zwei Stunden lang mit Nummern, die der Reichow-Fan kennt, aber immer wieder gerne hört, und mit Liedern und Texten, die neu sind, das große Lied vom „Ich“ zum Beispiel, das seiner Show am Freitagabend den Titel gibt. Der Refrain behauptet, „ich bin ein Egoist, ich denke immer nur an mich“, der Strophentext beleuchtet die nazistischen, skurrilen, die höchst persönlichen und auch die nur zu verständlichen Macken des Egoisten. Selbstironie, kritische Schärfe, unverblümte Darstellung der Typen sind die Zutaten der Reichow-Nummern, bei den Liedern kommt das bestens gespielte Jazz-Piano dazu und das sängerische Engagement. Alles zusammen wird ein Kunstwerk. Und kann als kluge Unterhaltung und Meinungsbildung in Erinnerung bleiben.

In den kleineren Nummern kann Lars Reichow polemisch werden. Die Machthaber, die Betrüger des Volkes, die Despoten und Staatsterroristen, die Antisemiten und Coronaleugner bekommen nicht nur ihr Fett weg, sie werden beschimpft, angeprangert, als das benannt, was sie aus Reichows Sicht sind: Verbrecher allzumal.

Die andere Seite des Entertainers: der Alltag mit seinen Skurrilitäten und Slapsticks, aufgespießt mit Witz und überraschenden Wendungen, dargebracht mit viel ironischer Selbsterkenntnis und genauester Beobachtung, des erotischen Friseurs zum Beispiel, des „Wischmobs“ Johnson, der England mit „Trump and cicumstances“ und völlig unfähig regiert. Reichow, könnte man am Freitag zu hören meinen, ist politischer geworden, bitterer vielleicht auch, in jedem Fall ist er meinungsfreudig und bedient mit seinen exponierten Urteilen die Stimmung seiner Fans. Es wird reichlich applaudiert, herzlich, jubelnd, mit Pfiff und Bravo.

Ins politische und philosophische Kabarett sprenkelt Reichow Kalauer („Die Schotten sind dicht“) und wie ein roter Faden feinsinnige Lieder auf die Liebe und die Zweisamkeit und die Sehnsucht und auch die Dankbarkeit für erwiderte Liebe. Aber auch Frivoles wie das Lied auf die viele Frauen, denen sich der Held erotisch genähert hat wie „Rebecca aus Reichenbach“, „Mareike aus Abtsgmünd“ und welche der schönen Ostälberlinnen mehr ihm eingefallen sind …

Rainer Wiese

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