Licht, Schatten und eine Runde Rauchbier fürs Publikum

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Licht und Schatten: Norbert Götz erzählt die wechselvolle Geschichte Bambergs beim Internationalen Schattentheaterfestival.
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Mit welchen Mitteln Norbert Götz  beim Internationalen Schattentheaterfestival in Schwäbisch Gmünd die Geschichte Bambergs erählt.

Licht und Schatten: Norbert Götz erzählt die wechselvolle Geschichte Bambergs beim Internationalen Schattentheaterfestival.
Licht und Schatten: Norbert Götz erzählt die wechselvolle Geschichte Bambergs beim Internationalen Schattentheaterfestival.

Schwäbisch Gmünd

Sogar der Geschmack von Rauchbier ist sinnlich zu erleben an diesem Abend im Prediger Schwäbisch Gmünd. Vor fast ausverkauftem Haus zeigt dort Norbert Götz vom Theater der Schatten Bamberg am Mittwochabend beim Festival einmal mehr, was seine Kunst vermag. "Licht und Schatten - die Geschichte einer Stadt" ist ein Gesamtkunstwerk aus starken Bildern, begleitet von passenden Klanggebilden und einem Erzähler, der in den Bann zieht. Auch mit einer guten Portion Humor. So macht Stadtgeschichte Spaß.

Es sind nicht weniger als 1000 Jahre spannende Bamberger Stadtgeschichte, die Götz vor seinem Publikum aufschlägt. Erzählt auch aus einem dicken Buch, das vor ihm auf einem hohen, breiten Tisch auf der Bühne im Prediger steht. Flankiert ist dieser Tisch von zwei Leinwänden. Zappenduster ist es im Saal - nur das Gesicht von Götz ist mit einer kleinen Lampe ins Licht gesetzt. 

Erzählung für alle Sinne

Mehr Licht ist auch nicht nötig, um die wechselvolle Geschichte von Bamberg mit den Mitteln des Schattentheaters zu erzählen. Götz hat die meisten vor sich auf dem Tisch liegen. Handpuppen, deren Konturen schwarz auf weiß ganz scharf auf den Leinwänden zu erkennen sind. Wie etwa den von Heinrich II. und Kunigunde, die beide später heiliggesprochen werden. Heinrich vor Scherenschnitten einer Reihe geistlicher Würdenträger, bei denen er für seine Sache wirbt. Die Errichtung des Doms zeigt Götz, indem er kleine Holzmodelle Zug um Zug ineinandersteckt, bis der Dom auf der Leinwand komplett wird. Licht und Schatten lassen es sogar zu, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer mit ihren Augen sogar ein paar Momente im Innern des imposanten Bauwerkes wandeln können. Zu all dem zwitschern aus dem Off mal die Vögel, murmeln Geistliche, singen Mönche, hört man später, als es um die Hexenverbrennung geht, das Knistern des Feuers, knarren beim Mord an König Philipp die Dielen, als der Täter sich seinem Schlafgemach nähert.  Geschichte mit allen Sinnen.

Eine Runde Rauchbier für alle

Auch dem Geschmackssinn. Denn nach rund einer Stunde wechselvoller Stadtgeschichte zwischen Licht und Schatten, gehen im Saal die Lichter an. "Natürlich könnte man die Geschichte der Stadt auch ganz anders erzählen", sagt Norbert Götz und greift zu einer Flasche Bier. Bamberg ist auch Bierstadt - mit einer hohen Brauereidichte. Überlieferungen zeugen davon, dass ein Bamberger im Jahr 1439  durchschnittlich je 440 Liter Bier jährlich trank. Und so gibt Götz mithilfe des Schattentheaterteams, als es darum geht, für alle die möchten, eine Runde Rauchbier aus. Reihe um Reihe werden kleine Gläser und Flaschen verteilt. Diejenigen, die probieren, schmecken und riechen den Rauch des Gerstensaftes ganz deutlich. "Jedes Bier im Mittelalter war ein Rauchbier", weiß Götz. Und auch, dass die Engländer schließlich dafür sorgten, dass es irgendwann auch Bier gab, dass nicht nach Rauch schmeckte. 

Dann galoppiert Götz weiter durch die Bamberger Geschichte. Hexenwahn - beklemmend dargestellt durch den "Junius-Brief", den er vorliest. Ein kleiner Auszug aus E.T.A Hofmanns "Undine" mittels Guckkastenbühne - Hofmann war zeitweise Kapellmeister in der Stadt. Der fränkische Dialog eines Papierpuppenpaares, in dem es um barocke Kleidung geht sorgen, für Lacher. Die dunkle Zeit der NS-Herrschaft, als dessen Bild Götz Stacheldraht auf den Leinwänden projiziert, erneut für Beklemmung. Schließlich Wiederaufbau nach dem Krieg und die Auszeichnung der Stadt als Weltkulturerbe. "Bamberg ist großartig", sagt Götz zu seiner Heimatstadt. Großartig auch seine Inszenierung über deren Geschichte. Viel Applaus lockt ihn danach gleich mehrmals vor sein Publikum. 

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