Liebessehnsucht in der Klosterkirche

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Das Sollazzo Ensemble im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik im Kloster Lorch. Foto: hie
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Das Sollazzo-Ensemble mit einem besonderen Programm.

Lorch. Mit „Liebes-Obsessionen der Ars Nova“, Musik und Texten zur höfischen und geistlichen Liebessehnsucht in der Musik des 14. Jahrhunderts brachte das Sollazzo-Ensemble aus Basel Musik und Gesang an einen Ort, der nicht besser passender dafür hätte sein können: das Kloster Lorch.

Liebe war damals streng geregelt: „Ein treuer Liebender ist stets und ohne Unterlass erfüllt von seinem Gedanken an die Geliebte“, so Capellanus in „De amore“ aus dem Jahr 1190. Das erfüllten die Interpreten mit ihrer Kunst und Hingabe in ihrem Programm.

Sie füllten die Klosterkirche mit ungewohnten Klängen. Psalterium, Organetto, Fiedeln, eine Sopranistin und ein Tenor woben ein zartes Gespinst aus Tönen und Worten, das alles andere vergessen ließ. Sehnsüchtig „Freund, wann seh ich euer zartes Antlitz wieder“, nachdenklich, fast meditierend „Tief in Gedanken“, heiter und fröhlich das Solo von Carine Tinney, die auch in höchsten Lagen das Durchsichtige, Faszinierende ihrer Stimme nicht verlor.

Liebesselige Schluchzer in einem stürmischen Liebesduett, in dem Tenor Victor Sordo zarte Töne ansang, um sie dann anschwellen zu lassen. Dann rein instrumentale Stücke. Franziska Fleischanderl wusste mit Fingern oder Plektum dem Psalterium variantenreiche Klänge zu entlocken. Begleitet von Leiterin Anna Danilevskaia und Natalie Carducci auf der Fiedel. Dazu ein Organetto mit großem Seitenbalg, von Roger Helou exzellent gespielt.

Stimmen und Instrumente brachten eine wunderbare Klangwelt in eine Umgebung, wie sie passender nicht hätte sein können. Die Architektur der Klosterkirche mit den Bildern von Barbarossa und Konradin wurde eins mit dem, was das Sollazzo Ensemble mit „Nuit et Jour“ an Klängen entstehen ließen.

„Das war ein Konzert am passenden Ort!“, war die Publikumsmeinung. Etwas, das Katharina Lampe freute, denn, wie sie bestätigte, ist das eine der großen Herausforderungen beim Festival Europäische Kirchenmusik.

⋌Gise Kayser-Gantner

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