Lissi, der Krieg und ihr Beauty-Studio

+
Lydia Zikeli in Marisa Wendts Bühnenstück "Goldzombies".
  • schließen

„Goldzombies“, ein Präventionsstück von Marisa Wendt - wie das Stück der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb Premiere im Theater auf der Aal feiert.

Aalen. „Hallo, hier bin ich wieder“ – mit einem strahlenden Lächeln in die Kamera begrüßt Lissi, dargestellt von Lydia Zikeli, ihre Follower. Die 16-Jährige gibt Schminktipps auf ihrem eigenen Beauty-Kanal. Zeigt, wie ein sexy Abend-Make-up gelingt oder ein Gute-Laune-Glitzer-Make-up aussieht. Auf den ersten Blick eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch nach und nach wird deutlich, dass Lissi ihre Videos nicht unter normalen Umständen dreht. In ihrem Land herrscht Krieg.

„Lidschattenversorgungsengpass“

Da gibt es schon mal einen „Lidschattenversorgungsengpass“ und man muss sich mit Margarine helfen. Oder Fliegeralarm und Stromausfall zwingen Lissi zur Unterbrechung ihrer Tutorials. Aber Lissi verliert nicht den Mut, sie ist gut drauf, wenn sie online ist. Vor der Kamera erzählt sie der digitalen Fangemeinde im Plauderton von ihrem Leben. Der Vater Soldat, der Bruder geflohen, der Cousin ums Leben gekommen. Ganz nervös wird sie, wenn sie von ihrer heimlichen Liebe zu Scott berichtet.

Lissis "Studio"

Lissis „Studio“ hat Bühnenbildnerin Andrea Lingel in den überdimensionalen Rahmen eines Smartphones platziert. Hier stehen Spiegel und Schminktisch, im Hintergrund befindet sich eine Garderobenstange mit bunten Kleidern, denn Lissi wechselt gern ihre Outfits (Kostümberatung: Max Barth).

Bei Anschlag verletzt

Die Situation spitzt sich zu. Lissi wird bei einem Anschlag verletzt und trägt ein Pflaster auf der Wange. Sie demonstriert ihren Followern nun, wie man ein Anti-Splitterwunden-Make-up ins Gesicht zaubert.

Schauspielerin Lydia Zikeli zeigt eine starke und verletzliche Lissi gleichermaßen. Besonders eindrücklich sind die Szenen, wenn sie aus ihrem Beauty-Studio heraustritt und die ungeschminkte  Realität unmittelbar erlebbar wird:  die unruhigen Nächte, die Angst vor Angriffen und Bomben. Das ist bedrückend und beklemmend.

Viertes Präventionsstück

„Goldzombies“ in der Regie von Ben Retetzki ist das inzwischen vierte Präventionsstück im Programm der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb. Das Stück von Marisa Wendt entstand 2017 und könnte kaum aktueller sein. Es gibt Einblick, wie junge Menschen mit den Schrecken des Krieges konfrontiert sind und versuchen, dennoch ein Leben in Würde zu führen.

Die Produktion ist gut geeignet, um mit Schülerinnen und Schülern über die Themen Krieg, Identität und Verarbeitung von Druck ins Gespräch zu kommen, auch wenn die 75 Minuten Spieldauer etwas zu lang erscheinen.

Lydia Zikeli in Marisa Wendts Bühnenstück „Goldzombies“ Foto: opo

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Kommentare