Literarischer Abend mit Retro-Gemüt und Musik

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Die „Nacht der Poet:innen“ auf Schloss Kapfenburg. Der Abend hat Tradition und wurde moderiert von Jess Jochimsen.
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Zwei SWR-Sendungen wurden auf Schloss Kapfenburg bei der „Nacht der Poet:innen“ aufgenommen. Wer dabei zu Gast war.

Lauchheim-Hülen

Schon oft auf Schloss Kapfenburg, also Tradition, also Kult: Die „Nacht der Poet:innen“ mit Jess Jochimsen (Moderation and more) und Sascha Bendiks (Musik). Am Donnerstagabend mit drei literarischen Gästen: Martina Brandl, Ella Carina Werner und Lea Streisand.

Jochimsen ist als Moderator mehr als der Ansager seiner Gäste. Er bringt eigene poetische Beiträge, Lieder, Gedichte, Kurzprosa, und er gestaltet die Veranstaltung sendereif fürs Radio. Zwei Sendungen zur Nachtzeit werden aufgenommen, erster und zweiter Teil des Abends, unterbrochen durch Erfrischungen und nach der Pause anmoderiert wie zum ersten Mal. Jochimsen gelingt das Multitasking mit Charme und Chuzpe. Er liest zudem aus seinen satirisch durchhauchten Büchern Kultur- und Medienkritisches und zeigt Haltung: „Lasst Euch impfen“.

Sascha Bendiks war auch schon oft auf der Kapfenburg und andernorts in der Region zu hören. Zuhörerinnen und Zuhörer mit Qualitätsgedächtnis dürften sich wundern und wohl auch bewundern, wie sich der Gitarrist, Sänger, Komponist entwickelt hat. Am Donnerstag war ein bester Sänger mit Bandbreite vom Chanson bis zur Rock-Ballade zu hören. Wenn er zum Beispiel sein Lied, vom Warten auf die richtigen Zeiten und auf die Sensation zelebriert, dann ist das eine musikalische Sensation.

Während des effektheischenden Openings von Jess Jochimsen sitzen die drei Literatinnen in den Polstern der Sitzgruppe, checken die Handys und putzen die Brillen. Martina Brandel hat den ersten von je zwei Auftritten. Sie liest Unterhaltsames, eher liebevolle als satirische Beobachtungen nahe stehender Personen, durchwachsen von mehr oder minder kruden Feminismen über Prostata und Wechseljahre. Ella Carina Weber erzählt Szenen mit „Onkel Bernhard“ und einigem „Zackbumm“ und vielen oft zitierten und immer noch unterhaltsamen Paraphrasen. Das feministische Schwadronement der verblichenen 68er Jahre hat sich in ihren veröffentlichten Texten verfangen, aus denen sie zitiert.

Ein bisschen frech

Lea Streisand bringt Milieuschilderungen aus dem Berliner Klischeekosmos, ein bisschen frech allemal und gut ausgedroschen mitten im Mainstream, wie er sich zwischen Prenzlauer Berg und irgendwo bewegt hatte. Eine Performance mit Retro-Gemüt – wie die ganze Veranstaltung.

Der Rieger-Konzertsaal war fast voll. Das Publikum zeitweise amüsiert und artig im Applaus.

Die beiden Teile der Nacht der Poetinnen sind auf SWR 2 zu hören am 3. Dezember und am 7. Januar, jeweils um 22 Uhr.

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