Magische Momente mit Melody Gardot

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Melody Gardot beim Jazzfest in der Stadthalle Aalen. Die Sonnebrille trägt sie wegen einer Lichtempfindlichkeit nach schwerem Unfall.
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Wie die US-Sängerin am Samstagabend rund 800 Fans in der Stadthalle Aalen betört.

Aalen. Jeden Ton tariert sie fein und sorgsam aus, lässt ihn butterweich fließen und lässt ihn erst wieder los, wenn er seine ganz Schönheit entfaltet hat. Willkommen bei Melody Gardot - willkommen bei einem großartigen Konzert mit einer Ausnahmekünstlerin am Samstagabend beim 31. Aalener Jazzfest.

Streicher - die hört man auf dem Jazzfest nicht häufig. Doch die US-Sängerin hat gleich vier mitgebracht - dazu einen Kontrabassisten, einen Pianisten und einen Schlagzeuger. Ein Instrumentarium, das erwartbar gleichermaßen Bauch und Seele bedient. Und doch wird an diesem Abend eine bunte Wundertüte geöffnet, aus der Melody Gardot und ihre Musikerinnen und Musiker die unterschiedlichsten Spielarten des Jazz, Geschichten und Bilder zieht.

Fantastische Solisten

Zunächst das Bild, dass sie ihren Musikern zuhört. Immer wieder. Minutenlang. Auch, als sie vor die rund 800 Jazzfans im Saal tritt und erst einmal dem sentimentalen Solo des Kontrabassisten Christopher Thomas lauscht. „Wayfairing Stranger“ - die Sängerin wiegt in den tiefen Lagen jede Nuance. „C'est magnifique“ verleiht sie magische Leichtigkeit, indem sie mitunter fast flüstert und haucht. Der lässige Latin-Rhythmus des Schlagzeugers übertönt sie trotzdem keine Sekunde, der Streicherglanz, der ein wenig an alte Hollywood-Klassiker erinnert, ebenso wenig. Es flirrt. Magisch. Pianist Philippe Powell hat, franko-brasilianische Wurzeln, charmanten Akzent und beweist sich bei diesem Song mit zerbrechlicher Stimme als guter Sangespartner.

Wie die beiden sich kennengelernt haben, dass er selbst der Sohn des Gitarristen Baden Powell ist,  erzählt der Pianist und und Komponist, als er selbst zwischendurch in die Wundertüte greift. Erst habe er sich gesträubt, nun haben die beiden zusammen ein Album gemacht.

Neben ihm stehen weitere fantastische Musiker auf der Bühne. Lassen bei jedem Song spüren, wie gerne sie zeigen, was sie können. Wie Artyom Manukyan, der einem nach seinem Solo zu „Love Song“ staunend zurücklässt. Er hat mit seinem elektrifizierten Cello furios gezeigt, dass dieser klassische Klangkörper auch Jazzimpro kann. Melody Gardot wiederum folgt ihm fluffig scattend - Ruhe vor den nächsten Solo-Stürmen. Einen solchen entfacht langsam auch Jorge Bezzera - nach dem Wellenschlagen mit einer überdimensionierten Muschelkette und Klatschworkout mit dem Publikum.

Zwischendurch zeigt Melody Gardot auch schauspielerisches Talent. Erzählt von ihrem ersten Aufenthalt in Paris, spricht mit verteilten Rollen und unterschiedlichen Stimmen. Öffnet damit die Bühne für Straßenmusik mit Cello, Violine, Kontrabass und Trommel um den Bauch - „Les Etoiles“ und ein Hauch Klezmer. Dann wieder gibt sie dem Publikum ein wenig Unterricht im Chorgesang.

Das Publikum ist betört und will mehr. Also tritt sie noch einmal nach vorne. Ganz allein, mit roter Gitarre und dem Song „Baby I'm a Fool“. Ein letztes Mal Magie aus der Wundertüte.

Frank Chastenier Trio

Eingeleitet wurde er von Pianist Frank Chastenier, der mit seinen Wegbegleitern, dem Schlagzeuger Hans Dekker und Bassist Christan von Kaphengst, auf der Bühne feinsten klassischen Jazz zelebriert. Zum Beispiel sein Stück für die einsame Insel „Morning“ von Al Jarreau, „Angel Eyes“ als Hommage für die im August verstorbene Jazz-Legende Rolf Kühn oder auch Herbert Grönemeyers „Mensch“ - neu erlebbar in Chasteniers Interpretationen. ⋌Dagmar Oltersdorf

Frank Chastenier Trio
Melody Gardot
Frank Chastenier Trio
Frank Chastenier Trio
Melody Gardot
Frank Chastenier Trio
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Frank Chastenier Trio
Frank Chastenier Trio
Melody Gardot Foto: Benedikt Walther
Frank Chastenier leitet den Samstagabend in der Stadthalle Aalen mit feinstem klassischem Jazz ein. Fotos: Benedikt Walther

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