Mama mit weißblauen Blick 

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Luise Kinseher trifft mit ihrem Programm „Mama Mia Bavaria“ im Hüttlinger Bürgersaal auf.

Hüttlingen. „In Hüttlingen wird man nicht von Sehenswürdigkeiten erschlagen“ behauptet Luise Kinseher und kommt deshalb so gerne hierher. Das erfahren die Besucher ihres neuen Kabarettprogramms „Mamma Mia Bavaria“ in der Limeshalle im Rahmen des Kleinkunstfrühlings und stimmten ihr sogar zu. Dass die Hüttlinger und einige „Reigschmeckte“ über zwei Stunden gehirngewaschen werden, ließen sie anstandslos über sich ergehen. Kinseher ist die Mutter der weiß-blauen Kinder, mittlerweile in siebter Reinkarnation, wie sie zugibt.

Aber „liebe Kinder“ nennt die Künstlerin auch ihre Gäste und möchte alle umarmen. Stolz und selbstbewusst im Spaceshuttle in den Weltraum startend, bekleidet mit einem Armani-Raumanzug – so stellt sich die bayrische Vollblutschauspielerin Markus Söder vor. Dass Bayern das Zeug dazu hat, dürfte spätestens jetzt klar sein. Eigentlich würde Kinseher aber selbst gerne Ministerpräsidentin sein. Oder Königin. Denn weibliche Monarchinnen hätten noch nie das Land regiert. Die seien nach Österreich gegangen und Kaiserin geworden.

„Mama Bavaria“ war von Anfang an dabei, hat das Land sozusagen kulturell geformt. Und der Ursprung ist das Wirtshaus, klärt Kinseher auf. Deshalb sei auch das Lateinische in der bayrischen Sprache so stark vertreten. Denn die Römer, die im Wirtshaus beim Straßenbau halt gemacht hätten, seien dafür verantwortlich. In der Kita knüpfen Kinder Teppiche, ein Schuhplattler erzeugt, im Kreis getanzt, einen solch großen Sog, dass die Touristen angesaugt würden.

Jede Menge Geschichten

Dass sie auf der Säule auf der Theresienwiese mit einem Fellumhang und einem Löwen an der Seite dargestellt ist, passt ihr gar nicht. Denn schließlich trage das Fell doch zu sehr auf und an ihrer Seite habe „Mama Bavaria“ doch ihren Dackel Gustl. Der kommt auch am Ende auf die Bühne, scheint das Rampenlicht und den tosenden Beifall zu genießen. Genüsslich räkelt er sich auf dem Rücken, blickt in den Zuschauerraum. Doch bis dahin bekommen die Zuschauer noch jede Menge Geschichten aufgetischt – und singen sogar die bayrische Arie „Schau hie, da liegt a doder Fisch im Wasser“ textsicher mit.

Eine gute Mutter wäre keine, würde sie sich nicht Gedanken über die Zukunft machen. Wo geht es mit der Menschheit hin, ist die Frage. Was machen die Männer, wenn sie der selbstfahrende Porsche nicht mehr braucht? Das Publikum ist begeistert angesichts dieser Aussagen, Betrachtungen und Grundlagenwissen. Am Ende donnernder Applaus. Uwe Glowienke

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